Verhältnis Logik - Realphilosophie

Verhältnis Logik - Realphilosophie

[Hegel-Originaltext. Auswahl und Anmerkungen [...] von M.Grimsmann und L.Hansen, Jul. 2002
Abkürzungen für Quellangaben siehe Info]

 

Das Ganze der Wissenschaft teilt sich in die drei Hauptteile:
1. die
Logik, 2. die Wissenschaft der Natur, 3. die Wissenschaft des Geistes.
 

- Die
Logik ist nämlich
die Wissenschaft der reinen Begriffe und der abstrakten Idee.
 
Natur und Geist macht die Realität der Idee aus,
jene [Natur] als äußerliches Dasein, dieser [Geist] als sich wissend.
 
Die Wissenschaften der Natur und des Geistes
können als die angewandte Wissenschaft,
als das System der realen oder besonderen Wissenschaften,
    zum Unterschiede
    von der reinen [allgemeinen] Wissenschaft oder der Logik,
betrachtet werden,
weil sie [die besonderen] das System der reinen Wissenschaft
in der Gestalt der Natur und des Geistes sind.
Enz.(1808) §10,11



In der Logik werden die Gedanken so gefaßt,
daß sie keinen anderen Inhalt haben
als einen dem Denken selbst angehörigen

und durch dasselbe hervorgebrachten.
 
So sind die Gedanken reine Gedanken. ...
 

Betrachten wir die Logik als das System der reinen Denkbestimmungen,
so erscheinen dagegen die anderen philosophischen Wissenschaften,
die Naturphilosophie und die Philosophie des Geistes,
gleichsam als eine angewandte Logik,
denn diese [Logik] ist die belebende Seele derselben [Natur und Geist].
  ...

Man sagt gewöhnlich,
die Logik habe es nur mit Formen [unseres Denkens] zu tun

und ihren Inhalt anderswo [aus der Welt] herzunehmen.
 
Die logischen Gedanken sind indes kein Nur gegen allen anderen Inhalt,...
[keine dem Inhalt äußerliche Form]

 
Sie sind der an und für sich seiende Grund von allem.
Enz § 24 Zusatz 2

 


...[es muß] zugegeben werden,
daß jene [Logik] als die formelle Wissenschaft
nicht auch diejenige Realität enthalten könne und solle,
welche der Inhalt weiterer Teile der Philosophie,
der Wissenschaften der
Natur und des Geistes, ist.
 
Diese konkreten Wissenschaften treten allerdings
zu einer reelleren Form der Idee heraus als die Logik...
 
[Aber] vielmehr zeigt die Logik die Erhebung der Idee zu der Stufe,
von der aus sie die Schöpferin der Natur wird
und zur Form einer konkreten Unmittelbarkeit überschreitet,
deren Begriff aber auch diese Gestalt wieder zerbricht,
um zu sich selbst, als konkreter Geist, zu werden.
 
Gegen diese
konkreten Wissenschaften,
    welche aber das Logische oder den Begriff
    zum inneren Bildner haben und behalten,
        wie sie [Natur, Geist] es [das Logische] zum Vorbildner hatten,
ist die Logik selbst allerdings die formelle Wissenschaft,
aber die Wissenschaft der absoluten Form, welche in sich Totalität ist
und die reine Idee der Wahrheit selbst enthält.
 
Diese absolute Form hat an ihr selbst ihren Inhalt oder Realität;
der Begriff, indem er nicht die triviale, leere Identität ist,
hat in dem Momente seiner Negativität oder des absoluten Bestimmens
die unterschiedenen Bestimmungen;
der Inhalt ist überhaupt nichts anderes
als solche Bestimmungen der absoluten Form,
- der durch sie selbst gesetzte und daher auch ihr angemessene Inhalt.
 

...

Die
Logikist als das System der reinen Vernunft,
als das Reich des reinen Gedankens zu fassen.
 
Dieses Reich ist die Wahrheit,
wie sie ohne Hülle an und für sich selbst ist.
 
Man kann sich deswegen ausdrücken,
daß [die Logik] die Darstellung Gottes ist,
wie er in seinem ewigen Wesen
vor der Erschaffung der Natur
und eines endlichen Geistes ist.
Logik


Das Interesse der übrigen Wissenschaften ist dann nur,
die logischen Formen
in den Gestalten der Natur und des Geistes zu erkennen
,

Gestalten, die nur eine besondere Ausdrucksweise
der Formen des reinen Denkens sind.
Enz § 24 Zusatz 2



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