Eine Frage zur "Grenze"

Hanspeter Seipp (Zürich) schrieb am 10.8.3:

Sie haben mir ja angeboten, Fragen zu stellen, sofern sie kurz und präzis
sind. Nun ist es bezeichnend, dass ich meistens durch die Bemühung, die Frage
knapp und präzis zu formulieren, selbst auf die Antwort gekommen bin. Es
gibt aber Dinge, bei denen ich nicht weiter komme, zum Beispiel bei folgendem:

In der Wissenschaft der Logik, Abschnitt "Bestimmung, Beschaffenheit und
Grenze
" gibt Hegel das Beispiel der Linie, deren Grenze der Punkt sei. Mir
ist nicht ganz klar, was in diesem Fall das Etwas und das Andere ist, sodass
die Aussagen gelten: "Die Grenze ist das Nichtsein des einen wie des anderen
Etwas, somit des Etwas überhaupt", "Die Grenze ist die Vermittlung, wodurch
Etwas und Anderes sowohl ist als nicht ist" (Abschnitt Alpha).
Können Sie mir hier weiterhelfen?

Originaltext (Logik 1831)

 

Grimsmann/Hansen/Jeong antworten (24.8.3):

Soweit wir verstehen ist in Abschnitt 11122231) (=Alpha)      
die Grenze das Aufhören des Anderen am Etwas.

So ist die Grenze der Linie (des Etwas) das Nichtseindes Punktes (des Anderen)

Die Linie ist, indem der Punkt nicht ist.


Hegel spricht hier aber vom Etwas überhaupt,
d.h. nicht vom Etwas, welches gegen Anderes ist,
sondern welches sowohl Etwas als Anderes, also jedes Etwas ist.

So muß auch der Punkt als Etwas genommen werden,
dessen Grenze dann das Nichtsein der Linie ist.

Indem der Punkt ist, ist die Linie nicht.


Aber auch wenn wir die Linie als Etwas festhalten, gilt:

Das Negieren des Punktes setzt das Sein des Punktes voraus.

So muß es die Bestimmtheit des Punktes geben,
damit es die Bestimmtheit der Linie geben kann.

Beide sind.

Indem aber der Punkt ist, ist die Linie nicht.

Und so haben auch beideihr Nichtseinam Sein des jeweils Anderen.


Endliches ist nur, indem es zugleich mit und gegen anderes Endliches ist.


Beantwortet dies die Frage?
Kritik und/oder weitere Nachfragen sind willkommen
.
 

 

Hanspeter Seipp schrieb am 21.10.03:

Ihre Antwort hat mir weitergeholfen, was die Grenze im Allgemeinen betrifft,
doch mit Punkt und Linie habe ich immer noch Probleme
und dies wahrscheinlich aus den folgenden Gründen:
- Die Anschaulichkeit von Punkt und Linie täuscht darüber hinweg,
dass es sich bei der qualitativen Grenze, von der hier die Rede ist,
um etwas ziemlich Unanschauliches handelt.
- Hegel setzt den Raumbegriff voraus, denn Punkt und Linie sind - so scheint mir -
mehr als bloss ein Etwas und ein Anderes.

Andernfalls könnte man doch geradesogut sagen,
das Andere des Punktes sei die Fläche
und das Nichtsein des Punktes die Grenze der Fläche.
Oder man könnte die Aussage im Abschnitt Gamma
("So ist der Punkt diese Dialektik seiner selbst, zur Linie zu werden")
umkehren und sagen, es sei die Dialektik der Linie, zum Punkt zu werden.
Sehe ich das richtig?
Wenn ja: Können Sie mir in Kürze darlegen,
welche Aspekte des Raumbegriffs Hegel voraussetzt?

Siehe auch:



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