Hegels absolute Idee als Schluss

Durch Theorie und Praxis zur Humanität

Dr. Georg Werckmeister, September 2011

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Die vorliegende Abhandlung hat zum Ziel, die begriffslogische oder - was etwa gleichbedeutend ist - die schlusslogische Struktur am Ende der Hegelschen Logik herauszuarbeiten, also im Erkennen, im Handeln und in der Absoluten Idee. Ohne diese Struktur kann nicht wirklich Licht in die oft so dunklen Textpassagen gebracht werden. Zwar werden in den fraglichen Abschnitten an zahlreichen Stellen von Hegel Aussagen als Prämissen, Urteile und Schlussätze bezeichnet, aber nie benannt, geschweige denn zu Schlüssen zusammengeführt. Dies bleibt noch zu leisten. Darüber hinaus ist auch zu untersuchen, ob die von Hegel getroffene Feststellung, dass ein Ganzes in seiner Organisation nur wahrhaft verstanden werden kann, wenn es als Dreiheit von Schlüssen derselben Glieder aufgefasst wird,1 auch auf die Idee des Wahren, des Guten und die Absolute Idee zutrifft, in der seine Logik kulminiert.2

Zugrunde liegt die (Selbst-) Bewegung des Begriffs, die darin besteht, dass sich jeweils das Identische differenziert und andererseits das Unterschiedene oder Differente identisch setzt.3 In der dialektischen Methode, die auch der Entwicklung der Schlusslogik zugrunde liegt, nimmt diese Bewegung die Form an, dass das Begriffsmoment der Allgemeinheit (A) sich auseinanderlegt in die Besonderheit (B), die die Mannigfaltigkeit, den Gegensatz und den Prozess repräsentiert und sich in einem weiteren Schritt mit dem Allgemeinen zum Einzelnen (E) zusammenschließt, das nunmehr das Konkrete ist, weil es alle drei Begriffsmomente in sich enthält, während die anderen Momente noch abstrakt waren.4 Dieser Ablauf A - B - E,5 dessen Richtung aufgrund der wechselseitigen Identität der Begriffsmomente auch in anderer Richtung verlaufen kann, erhält in der Schlusslogik die Form von Schlüssen:

Beispiel Logische Form Kurzform
Alle Kreter lügen       Das Allgemeine ist das Besondere A - B
Johannes ist ein Kreter6 Das Besondere ist ein Einzelnes  B - E
Also lügt Johannes      Das Allgemeine ist einzeln A - E

Aus den beiden Prämissen resultiert der Schlussatz oder die conclusio. Vom Allgemeinen wird über das Besondere auf etwas Einzelnes geschlossen. Der allgemeinen Regel des Obersatzes wird der Einzelfall des Untersatzes subsumiert und daraus der Schluss gezogen, dass auch der Einzelfall der allgemeinen Regel entspricht.7 Die Figur des Schlusses zeigt damit auf, in welchem Verhältnis das Ganze zu seinen Teilen oder Elementen steht. Die Einheit des Ganzen, die zunächst abstrakte Allgemeinheit, differenziert sich, legt sich auseinander (dialegetai - Dialektik) in die Mannigfaltigkeit und schließt sich wieder zum Konkreten zusammen ( Syllogismus - Schluss). Diese Entwicklung findet ihre Entfaltung aus dem zunächst einheitlichen Begriff mit seinen Begriffsmomenten A, B und E, die in ihm noch zusammengeschlossen sind, sich dann aber in die zweiseitigen Urteile trennen und in den dreiseitigen Schlüssen wieder zusammenschließen,8 bis sie im dreifachen oder absoluten Schluss zur Vollendung des Begriffes finden.9 Soviel in der gebotenen Kürze zu den methodischen Voraussetzungen.

 

Das Erkennen

 

Zu beginnen ist an dem Punkt, wo aus dem Leben der Geist hervorgeht. Das Lebendige muss sterben, weil es in dem Widerspruch steht, einerseits das Allgemeine zu sein, aber nur an sich, nämlich die Gattung, andererseits aber nur unmittelbar als Einzelnes existiert.10 Durch diesen Tod überwindet die Idee des Lebens die Unmittelbarkeit und kommt zu einer Allgemeinheit, die nun für sich existiert, und das ist der Geist. Aus der Natur geht der denkende Mensch hervor. In dem bekannten Hegelschen Dreischritt ist das Leben die anfängliche Unmittelbarkeit, in der noch alles beschlossen ist. Sie tritt auseinander als Urteil, was immer soviel wie „ursprüngliche Teilung“ bedeutet, und wird so zum Erkennen.11. Im Erkennen hat der Geist das Allgemeine zum Gegenstand. Was da aber auseinandertritt, ist einerseits das subjektive Erkennen und andererseits die Objektivität, ein äußerliches Universum. Damit ist die Subjekt-Objekt-Differenz gesetzt, wie sie etwa bei Descartes als Zwiespalt zwischen res cogitans und res extensa auftritt. Gerade in dieser Trennung manifestiert sich der Begriff, dessen Wesen es ist, auseinanderzutreten und sich so zum Gegenstand zu machen.12 Die absolute Einheit des Entgegengesetzten im Begriff macht das Wesen des Geistes aus, betont Hegel in der Auseinandersetzung mit Kant, dem er vorwirft, gerade von dieser Entgegensetzung zu abstrahieren. Dadurch komme er, Kant, zu einem völlig leeren Ich, über das er dann nur noch aussagen könne, dass es alle Begriffe begleite; nur habe es für Kant leider die Unbequemlichkeit, dass wir uns seiner bedienen müssen, um von ihm zu urteilen. Ein Stein, bemerkt Hegel polemisch, habe diese Unbequemlichkeit nicht; um über ihn zu urteilen, muss er sich nicht selbst bemühen.13

Um das Erkennen adäquat zu begreifen, muss man es als Bewegung der Begriffsbestimmungen auffassen; auf die Bestimmung der Form kommt es an.14 Hierzu teilt uns Hegel nun zunächst mit, dass die Idee auf dieser Stufe ein Schluss ist, dessen eines Extrem der Zweck ist, das ist der Begriff, der sich selbst zur subjektiven Realität hat. Das andere Extrem ist die objektive Welt, und die zusammenschließende Mitte ist das Erkennen. Dabei ist vorausgesetzt, dass die Außenpositionen der Schlüsse seit Aristoteles stets Extreme (Spitzen) genannt werden. Der Schluss hat also folgendes Aussehen:

 

Zweck - Erkennen - objektive Welt

 

Bedeutsam ist, dass der Begriff in dem einen Extrem, dem Zweck, nur für sich ist, in dem anderen, der objektiven Welt, nur an sich; denn daraus resultiert nach Hegels allgemeiner Methodik, dass sie zum Anundfürsich werden müssen. Dies geschieht denn auch in einem Prozess, der zum einen den Begriff mit der objektiven Welt identisch setzt; das ist das Erkennen oder die theoretische Idee,15 zum anderen umgekehrt den konkreten Inhalt der Welt mit dem Begriff identisch setzt; wir werden später sehen, dass dies die praktische Idee oder das Handeln ist. Dies erste Erkennen ist noch ein unvollkommenes, endliches; Hegel nennt es das suchende Erkennen, während das wahre Erkennen erst eintreten kann, wenn es sich um die Praxis angereichert hat.

Schwierig ist die Zuordnung der Begriffsbestimmungen A, B und E. Es heißt ausdrücklich, dass das Erkennen hier erst der Begriff als Form ist, während die Form ihren Inhalt, die Einzelheit, erst von außen erhalte. Das Erkennen habe nur die einfachen Bestimmungen von Allgemeinheit und Besonderheit. Man darf dies wohl so auslegen, dass die objektive Welt, das dritte Glied des Schlusses, die Einzelheit ist, die zum subjektiven Erkennen hinzutritt, so dass der gesamte Schluss die Form hat:

 

A - B - E.

 

In der Enzyklopädie, in der sogenannten Kleinen Logik, ist der Prozess ähnlich beschrieben, doch gibt es in einigen Details zusätzlichen Aufschluss. Auch hier heißt es, dass die Idee, wenn sie zum Geist wird, sich als Urteil von sich abstößt, indem sie sich als äußerliches Universum voraussetzt. Dieses Voraussetzen unterscheidet sich von dem späteren Setzen so, dass zunächst die Welt als eine vorgefundene, unmittelbare erscheint, die eine einzelne Existenz ist.16 Später wird sie durch die praktische Idee im Sinne des Subjektiven umgebildet und so gesetzt. Wichtig ist dabei, dass es sich um zwei Urteile handelt; denn die Bestandteile der Schlüsse, die Prämissen und Schlussätze, sind ja auch einzelne Sätze oder Urteile. Wenn Hegel hier bestimmte Aussagen als Urteile bezeichnet,17 lässt dies erkennen, dass es sich um Bestandteile eines Schlusses handelt.

Der Prozess zerfällt in eine gedoppelte Bewegung: Zum einen wird im eigentlichen Erkennen, der theoretischen Idee, der Trieb des Wissens nach Wahrheit befriedigt, indem es die seiende Welt in sich aufnimmt und dadurch die Einseitigkeit der Subjektivität aufhebt; zum anderen wird in der umgekehrten Richtung die Einseitigkeit der objektiven Welt aufgehoben, indem das Wollen, die praktische Idee, der objektiven Welt seine subjektiven Zwecke aufprägt. Das ist zwar inhaltlich sehr klar, bringt aber die logische Struktur noch nicht zum Ausdruck.

Dies geschieht erst, jedenfalls ansatzweise, wenn das Erkennen in zwei Methoden unterschieden wird, die analytische und die synthetische. Das analytische Verfahren geht von den mannigfaltigen Tatsachen der äußeren Natur und des Bewusstseins aus, die es voraussetzt, und bringt sie durch Abstraktion zur Allgemeinheit.18 Durch Absehen von den unwesentlichen Besonderheiten wird etwas Allgemeines, sei es die Gattung, ein Gesetz oder die Kraft, herausgehoben.19  Das Einzelne wird auf etwas Allgemeines zurückgeführt. Wir würden das heute als induktive Methode bezeichnen. Durch das Denken machen wir die einzelnen Dinge zu etwas Allgemeinem.20 Das Allgemeine der Dinge ist nicht etwas Subjektives, sondern das Wahre, Objektive, Wirkliche der Dinge; es existiert als substantielle Gattung in den einzelnen Dingen.21 Damit lässt sich das Erkennen logisch als ein Urteil kennzeichnen, das vom Einzelnen zum Allgemeinen führt: E - A. Diese Abbreviatur, wie er sie in seiner Schlusslogik so reichlich verwendet, nimmt Hegel hier allerdings nicht vor. Das analytische Erkennen ist die erste Prämisse des ganzen Schlusses.22 In der Analyse (Auflösung) lösen wir den konkreten Gegenstand in seine besonderen Seiten auf.

Das synthetische Erkennen ist die zweite Prämisse.23 Die synthetische Methode nimmt das Allgemeine zum Ausgangspunkt und schreitet durch Besonderung zum Einzelnen fort. In unserem heutigen Sprachgebrauch wäre das eine Deduktion. Das synthetische Erkennen24 richtet sich darauf, die Mannigfaltigkeit von Bestimmungen in ihrer Einheit zu fassen, also auf das Begreifen dessen, was ist, während das analytische Erkennen nur dessen Auffassen ist. „Der Natur des Begriffes nach ist das Analysieren das erste, indem es den gegebenen empirisch-konkreten Stoff vorerst in die Form allgemeiner Abstraktionen zu erheben hat, welche dann erst als Definitionen in der synthetischen Methode vorangestellt werden können.“25

Das Allgemeine in der zweiten Prämisse ist die Definition, das Besondere die Einteilung und das Einzelne der Lehrsatz oder das Theorem. Die Definition ist selbst auch wieder eine Einheit der Begriffsmomente: Der definierte Gegenstand ist das Einzelne, die differentia specifica das Besondere und das genus proximum das Allgemeine. Aber zurück zur Deduktion: Sie hat die Abfolge A - B - E, nämlich Definition - Einteilung - Lehrsatz. So sehr das logisch befriedigen kann, hat es doch einen entscheidenden Nachteil: Es passt nicht in ein Urteil, denn das hat nur zwei Glieder, nicht drei wie der Schluss. Aus dieser Aporie hilft uns Hegel jedoch heraus: Der hier vorliegenden, noch beschränkten Weise des Erkennens fehlt das Einzelne,26 nämlich die objektive Welt, weil sie diese von außen hereinnehmen muss, statt sie aus sich selbst zu bestimmen, wie es später der Fall sein wird. Damit bleiben nur A und B übrig, und wir haben das Urteil A - B. Inhaltlich bedeutet es die Ableitung besonderer Bestimmungen aus der allgemeinen Definition. Fassen wir die zweite Prämisse mit der ersten zusammen, so ergibt sich:

 

E - A

A - B

 

Der - von Hegel nicht explizierte - Schlussatz lautet dann zwangsläufig:

 

E - B

 

Im Schlussatz ist das Objektive in das Subjektive gesetzt.27. Dem Subjekt stand ja zunächst die objektive Welt als eine scheinbar fremde gegenüber. Diese Subjektivität hat sich jetzt mit dem Inhalt der von ihr vorausgesetzten Welt erfüllt und dadurch konkrete Realität gewonnen.28 So ließe sich erklären, dass an der ersten Stelle jetzt das Einzelne steht, das ja das Konkrete repräsentiert. Das Subjekt ist jetzt als Einzelnes bestimmt.29 Der ganze Schluss heisst dann E - A - B:

 

E - A

A - B

E - B

 

Er bedeutet zunächst, dass wir im Erkennen aus der vorgefundenen, sinnlich wahrnehmbaren Realität Allgemeinbegriffe (im landläufigen Sinne) bilden. Dazu gehören die durch die analytische Methode gebildeten Begriffe und die durch die synthetische Methode herausgefundenen Regeln und Gesetze. Daraus können wir sodann durch das Denken weitere Bestimmungen ableiten, die an dem ursprünglich sinnlich Gegebenen noch nicht wahrnehmbar waren, ebenso wie die Bestimmungen, die einen zweckmäßigen Gebrauch der Objekte ermöglichen. Dazu gehört vor allem auch das Potential, die nicht ausgeschöpften Möglichkeiten der Gegenstände, die die Grundlage ständiger Innovation bilden: Dynamis, das Vermögen, als Voraussetzung der Tätigkeit, die zur Wirklichkeit wird. Denken ist Entwerfen von Möglichem.30 Bereits am Anfang war deutlich geworden, dass nicht nur die Einseitigkeit der Subjektivität aufgehoben werden muss, wie es im Erkennen geschah, indem die objektive Welt in das Subjekt aufgenommen wurde, sondern auch umgekehrt.

Das Handeln

Diese Umkehrung ist die praktische Idee, die der Objektivität den subjektiven Zweck aufprägt. Ihr Trieb ist darauf gerichtet, die vorgefundene Welt nach ihren Zwecken zu bestimmen.31 Der Übergang vom Erkennen zum Handeln erfolgt logisch so, dass das synthetische Erkennen am Schluss zum Beweis seiner Erkenntnis gelangte und damit die Zufälligkeit überwand, in der ihm anfangs die objektive Welt gegenüberstand.32 Sie ist jetzt vielmehr durch den Beweis in ihrer Notwendigkeit aufgezeigt, und zwar durch die Tätigkeit des Subjekts, so dass dieses nunmehr gegenüber der Welt als bestimmend auftreten kann. So geht die Idee des Erkennens in die Idee des Wollens über.

In der theoretischen Idee steht der Begriff noch als das Allgemeine, Bestimmungslose der objektiven Welt, dem Wirklichen, entgegen (E - A). Indem er sich daraus aber durch das Erkennen der Welt mit dem bestimmten Inhalt erfüllt, wird er als Subjekt zum Wirklichen. Damit stellt er sich jetzt als Wirkliches dem Wirklichen, der Welt entgegen. Diese wird ihm nun zum Unwirklichen, das erst zu bestimmen ist; das Subjekt ist das Objektive geworden, das das Recht und die Bestimmung hat, die Welt nach seinen Zwecken zu bestimmen, zu gestalten.33 Diese Bestimmtheit ist das Gute. Das Gute daran ist, dass es die Welt so gestalten will, wie sie sein soll,34 und zwar dem Subjekt und seinen Zwecken entsprechend. Es schließt die Forderung der einzelnen äußerlichen Wirklichkeit in sich, und das heißt, es hat den Trieb, sich zu realisieren. Es hat den höheren Rang gegenüber dem Erkennen, weil es nicht nur Allgemeines ist, sondern das Allgemeine und das Einzelne, Wirkliche, die beiden entgegengesetzten Begriffsmomente, in sich vereinen will.35 Die Worte Handeln, praktische Idee, praktische Tätigkeit, Wollen, Willensidee und schließlich noch das Gute stehen für ein und dieselbe logische Figur.

Auch hier stellt sich die Frage nach der logischen Struktur. Wieder handelt es sich um einen Schluss, und zwar wird er einmal als Schluss des Handelns, dann auch als Schluss des Guten bezeichnet.36 An anderer Stelle heisst er „Schluss der unmittelbaren Realisierung“, der hier keiner näheren Ausführung bedürfe; denn er sei „ganz nur der oben betrachtete Schluss der äußerlichen Zweckmäßigkeit“.37 Dies gibt uns den entscheidenden Hinweis auf seine logische Struktur; denn diese ist beim Schluss der Teleologie verhältnismäßig klar benannt. Die teleologische Beziehung ist ein Schluss, in dem sich der subjektive Zweck als das Allgemeine38 durch Tätigkeit und Mittel als das Besondere mit dem Produkt als dem Einzelnen zusammenschließt.39 Wir können hier einstweilen beiseite lassen, dass jedes Begriffsmoment auch wieder ein ganzer Schluss ist, also auch die anderen Begriffsmomente enthält. Der Schluss des Handelns sagt uns, wie unser Handeln logisch strukturiert ist: Wir setzen uns einen Zweck, nehmen anschließend eine Tätigkeit auf, die geeignet ist, ihn zu erreichen, besorgen uns das erforderliche Werkzeug dazu und erreichen schließlich durch die Herstellung des Produkts unseren Zweck. Die unmittelbare Beziehung des guten Zweckes auf die Wirklichkeit, deren er sich bemächtigt, ist die erste Prämisse; in der zweiten Prämisse richtet er diese Wirklichkeit als äußerliches Mittel gegen die äußerliche Wirklichkeit.40 Der Schlussatz ist der ausgeführte Zweck.41 Im Produkt hat sich dann unsere Subjektivität objektiviert, ist zum Objekt geworden. Durch die Tätigkeit des nunmehr objektiv gewordenen Begriffs hat die äußere Wirklichkeit ihre Nichtigkeit verloren und ist jetzt als an und für sich seiend gesetzt.42 Logisch ist das Handeln demnach folgendermaßen aufgebaut:

 

Zweck - Tätigkeit/Mittel - Produkt

A - B - E

 

Allerdings muss gesagt werden, dass Hegel zwar auf einer Seite fünfmal von der ersten oder zweiten oder von beiden Prämissen spricht, sie aber an keiner Stelle explizit benennt. Die implizite logische Struktur kann nur durch Auslegung und Kombination gewonnen werden: „Making it explicit“.43

Das Handeln hat den höheren Rang als das Erkennen44, weil es das Allgemeine mit dem Einzelnen zusammenschließt, während im Erkennen das Allgemeine noch allein bestand. Die beste Erkenntnis nützt nichts, wenn sie nicht realisiert wird. Damit steht Hegel in der Tradition Kants und Fichtes, die den Primat der praktischen über die theoretische Vernunft statuierten.45 Fichtes praktischer Idealismus postulierte das absolut tätige, sich und die Welt unbedingt setzende und begründende Ich: Das Ich setzt das Nicht-Ich. Das war eine adäquate Beschreibung der beginnenden Industrialisierung und der gewaltigen Umbrüche in Wissenschaft und Technik, mit der die Menschen ja buchstäblich eine neue Welt erschaffen haben und bis heute ständig neu erschaffen. Im Erkennen ist das Subjekt noch rezeptiv, so dass die Objektivität das Primäre, Bestimmende ist. Schon Schiller rang mit diesem Problem, das ihn hindern wollte, den Menschen als frei zu sehen. Er versuchte die Lösung mit der Theorie der Aufmerksamkeit, weil wir immerhin frei bestimmen können, auf welche Gegenstände wir das Erkennen richten. Im Handeln ist hingegen das Subjekt das Aktive gegenüber der Objektivität und bestimmt diese;46 erst dadurch kommt es zur Selbstbestimmung und Freiheit.

Auch die christliche Tradition hat zu diesem hohen Rang der Praxis beigetragen, etwa wenn Thomas von Aquin den Schöpfergott als actus purus bezeichnete, damit aber gleichzeitig dem von ihm als Ebenbild geschaffenen Menschen ebenfalls Schöpferqualitäten beilegte. Noch in der Frühromantik finden wir die Spur davon, wenn Novalis das Ungenügen der Philosophen beklagt, die Welt nur erklären zu können, nicht aber zu verändern. Wäre er in der Lage, eine andere Welt an die Stelle der bloß zu erklärenden zu setzen, könnte der Philosoph Gott gleich werden.47  Selbst Marx greift in der 11. Feuerbach-These diesen Gedanken auf: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt darauf an, sie zu verändern.“ Hegel hat diesen hohen Anspruch relativiert, indem er sagte, dass das Gute nur irgendein besonderer Zweck ist,48 ein Wille, der auf keinen Endzweck abzielt, sondern sich stets neu vollbringt,49 auf dem Standpunkt des pragmatischen Mannes, nicht der Jugend, die meint, die Welt liege im Argen, und es müsse aus ihr etwas ganz anderes gemacht werden.50

Absolute Idee: Die Humanität

Da der Schluss des Handelns (oder des Guten) aus dem vorhergehenden Schluss des Erkennens hervorgegangen ist, können wir diese beiden Schlüsse miteinander in Beziehung setzen und vergleichen:

 

E - A - B                     Erkennen

A - B - E                     Handeln

 

Erst dann erkennen wir ihren logischen Zusammenhang; allerdings nur, wenn wir einige Grundregeln der Schlusslogik hinzunehmen. Dasjenige Begriffsmoment, das im ersten Schluss (mit E) vermittelt wurde und sein Resultat war, nämlich das Besondere, kann dadurch nun seinerseits die Aufgabe der Vermittlung übernehmen und tritt im zweiten Schluss in die Mitte. Ein weiterer Entwicklungsschritt schließt sich dann genauso folgerichtig an. Das Resultat des zweiten Schlusses, E, tritt in einem dritten Schluss in die Mitte und vermittelt zwischen den beiden anderen Momenten A und B. Diese müssen aber ihre Reihenfolge vertauschen; denn jedes Moment muss im Gesamtablauf einmal jede Stelle einnehmen, und das bedeutet auch, dass es nicht zweimal dieselbe Stelle einnehmen darf.51 Der Grund liegt darin, dass der Begriff insgesamt einen logischen Ablauf vollzieht, in dem jedes Moment sich mit jedem anderen identisch setzt, weil es an sich schon mit ihm identisch ist, bis sie alle miteinander identisch geworden sind. Erst dann ist der Begriff zu sich gekommen, ist mit sich aus der Differenz identisch geworden.52 Weil dies das Ziel der ganzen Entwicklung ist, nennt Hegel es die „absolute Idee“. Dieser dritte Schluss sieht dann folgendermaßen aus:

 

B - E - A

 

Sein Inhalt ist:

 

Welt - Subjekt - Vernunft

 

Das Einzelne ist jetzt das Subjekt, das in die Mitte getreten ist und damit den Prozess beherrscht.53 Es vermittelt zwischen der Besonderheit, der ursprünglich gegebenen, vorgefundenen Objektivität, die es im Handeln jedoch seiner Subjektivität anverwandelt, und der Vernunft. Letzteres bedeutet, dass das Subjekt die Welt zu einer vernünftigen macht, aber auch sich selbst zur Vernunft bringt. Damit geht es über seine bloße Einzelheit hinaus und wird (auch) zum Allgemeinen.54 Das Subjekt bleibt nicht auf der Stufe des Handelns und der bloßen Zweckmäßigkeit stehen, wozu bereits die animalische Natur fähig ist, sondern es ist zur Person geworden,55 zum Menschen, der dazu bestimmt ist, über seine bloße Reproduktion hinauszugehen. Der Mensch ist zu Höherem bestimmt, strebt nach Vervollkommnung, ist nicht nur ein Naturwesen, sondern auch ein Geist- und Kulturwesen, hat ein Telos in sich, zu dessen Verwirklichung er strebt, und das über seine Individualität hinausgeht. Er ist ein aktiv tätiges Wesen, der das im Erkennen für richtig Erkannte, das Gute, zu realisieren bestrebt ist, auch wenn er niemals das absolut Gute erreicht, sondern sich immer nur einen besonderen, relativen Zweck als das Gute setzen kann.56 Denn wenn das absolut Gute eines Tages erreicht wäre, gäbe es nichts Gutes mehr zu tun. Der Gesamtprozess von Theorie, Praxis und menschlicher Person hat logisch danach folgende Gestalt:

 

Theorie

Gegenstand - Begriff - das Gute

E - A - B

Praxis

Zweck - Tätigkeit/Mittel - Produkt

A - B - E

Person

Welt - Subjekt - Vernunft

B - E - A

 

Mit der Idee des Guten nimmt Hegel Bezug auf Platon, für den das Gute die höchste Idee war.57 Bei Hegel allerdings ist es die vorletzte Stufe der Logik und wird noch übertroffen von der Selbstbestimmung des Begriffs, die in der Freiheit des Subjekts und in der Vernunft gipfelt. Darin liegt, dass das Gute immer hinterfragt werden muss, ob es auch vernünftig ist; ob auch die Folgen einer scheinbar guten Handlung bedacht worden sind: Quidquid agis prudenter agas et respice finem. Es genügt nicht, dass es gut ist, wenn der Strom aus der Steckdose kommt - was zweifelsfrei der Fall ist. Es müssen aber auch die Nebenfolgen bedacht werden, etwa radioaktive Strahlung, CO2-Emissionen und Treibhauseffekt usf. Schon zu Beginn der Schlusslogik hatte sich gezeigt, dass die Feststellung eines einzigen, vermeintlich allgemeinen Merkmals einer Sache zu ihrer adäquaten Beurteilung nicht ausreicht. Denn damit ging das positive Urteil E - A in das negative über: E - B, das Einzelne ist nur ein Besonderes.58 Der Gegenstand muss in seiner ganzen Komplexität erfasst werden.

Die dritte Stufe des Prozesses bezeichnet Hegel als absolute Idee - ein äußerst interpretationsbedürftiger Ausdruck. Die Spanne der Auslegungen reicht vom Weltgeist und der Weltvernunft, einer ideellen Substanz über einen göttlichen Willen bis zu Gott. Masstab der hier vorgenommenen Erklärung soll ein Rationalismus und Realismus sein, der einem durchschnittlichen Abendländer keinen Glaubensakt an ein übersinnliches Wesen abfordert.59 Zwar sagt Hegel, dass die Logik die Darstellung Gottes sei, verweist ihn aber andererseits explizit aus der Philosophie in die Religion, wenn er sagt, die absolute Idee müsse in Form sinnlicher Anschauung für die Menschen zu erfahren sein.60

Dass es sich um einen Schluss handele, sagt Hegel nicht ausdrücklich; auch die sonst verstreuten Bemerkungen über Prämissen und Schlussatz fehlen hier. Seine kryptische Ausdrucksweise lässt aber keine andere Möglichkeit zu, als auf anderswo getroffene Aussagen zur Schlusslogik zurückzugreifen, insbesondere die folgende: „Der objektive Sinn der Figuren des Schlusses ist überhaupt der, daß alles Vernünftige sich als ein dreifacher Schluß erweist, und zwar dergestalt, daß ein jedes seiner Glieder ebensowohl die Stelle eines Extrems als auch die der vermittelnden Mitte einnimmt.“61 Der Schluss ist das Vernünftige,62 weil er die Differenz, die Sonderung in Extreme, mit der Einheit verbindet, die durch das verbindende Mittelglied hergestellt wird. Einheit und Mannigfaltigkeit zeigen sich so verbunden. Auch die Umkehrung gilt: Alles Vernünftige ist ein Schluss, denn in ihm sind die bestimmten Begriffe - das sind Allgemeinheit, Besonderheit und Einzelheit - in ihrer Totalität und Einheit gesetzt.63

Verhältnismäßig klar ergibt sich aus wiederholten Aussagen über die vorhergegangenen Stufen der Theorie und Praxis, dass es sich in dem dritten Schluss um die Einheit der theoretischen und der praktischen Idee handelt. Dies bedeutet, dass der Mensch - und nur um diesen handelt es sich hier64 -, der in der Phase des noch unzulänglichen, des suchenden Erkennens die Welt als eine objektive sich gegenüber sah, diese durch sein Handeln nun zu seiner eigenen gemacht hat. Er erlangt damit ein Selbstbewusstsein65 von sich, zum einen, indem er denkt und sich selbst erkennt, zum andern, indem er den äußeren Dingen seinen Stempel aufdrückt und dadurch in ihnen seine eigenen Bestimmungen wiederfindet.66 Zu dieser Praxis muss aber das theoretische Element wieder hinzutreten, indem er erkennt, ein Bewusstsein davon gewinnt, dass dies seine eigene Welt ist, dass er die Welt vernünftig macht.67 Die Welt wird durch sein Handeln so, wie sie sein soll; sie strebt zum Guten. Er ist dafür verantwortlich und wird sich dessen bewusst. So hat er in seinem Anderen seine eigene Objektivität zum Gegenstand.68 Das ist die aus Aristoteles zitierte Erkenntnis der Vernunft, die wahre Erkenntnis. Der Mensch ist das Subjekt dieses Prozesses, wie dies im Abendland seit dem Beginn der Neuzeit durchgängig gesehen wird, und steht deshalb im Mittelpunkt, aber darum auch in der Mitte des Schlusses. Darin zeigt sich seine Bedeutung, dass er nämlich nicht klein, schwach und verächtlich ist, sondern fähig und selbstbewusst,69 eine Persönlichkeit, die in der Lage ist, ihre Welt nach eigener Erkenntnis und aus eigenen Kräften zu gestalten, wie es im Grundgesetz im Wert der Menschenwürde zum Ausdruck kommt. Menschenwürde definiert sich in erster Linie aus dem Selbstwert, der selbstbewussten Person als Subjekt, erst davon kann abgeleitet werden, wie andere Menschen ihn zu behandeln haben.70 Indem er in der Mitte steht, vermittelt er die Extreme des Schlusses, Welt und Vernunft, miteinander. Dadurch überwindet er aber seine (ausschließende) Einzelheit und wird zur Allgemeinheit;71 E wird zu A, der Mensch bleibt nicht ein isoliertes Individuum, sondern wird zur humanité, im doppelten Sinne von Menschheit und Menschlichkeit.72 Die Vernunft, die bei ihrem Durchgang durch den Schluss des Handelns das Gute in sich aufgenommen hat, wird zur Menschlichkeit.73 Das ist das Resultat des Prozesses, so dass wir im Ergebnis die absolute Idee aus dem Ideenhimmel herunterholen können: Die Humanität. Einen Beleg dafür gibt uns Hegel, wenn er an anderer Stelle sagt: „Überhaupt ist dies die höchste Selbständigkeit des Menschen, sich als schlechthin bestimmt durch die absolute Idee zu wissen“.74 Er sagt dies über den Straftäter, der sich zu seiner Strafe als ein Freier verhält, wenn er sie als Manifestation seines eigenen Tuns anerkennt. Das bedeutet nichts anderes, als dass die absolute Idee die Gesamtheit der Regeln ist, die sich die Menschen gegeben haben, um ihr Zusammenleben erträglich und nach Möglichkeit sogar angenehm zu gestalten. Zum Selbstbewusstsein, zur reinen Beziehung auf sich, muss der Altruismus, die Bezugnahme auf die Mitmenschen hinzutreten, sonst wird das Leben unerträglich. Auch dies legt unser Grundgesetz fest, wenn es sagt, dass jeder das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit hat, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt. Das auszutarieren, ist allerdings ein Prozess, der niemals abgeschlossen ist, allein schon deshalb, weil die Entwicklung der Welt und der Menschheit immer neue Konstellationen hervorbringt, in denen das Zusammenleben neu arrangiert werden muss.

Spricht man von absoluter Idee, muss man allerdings auch sagen, was man unter der Idee versteht, und was sie vom Begriff unterscheidet, aus dem sie hervorgegangen ist. Beide haben gemeinsam, dass sie aus einer ursprünglichen Einheit hervorgehen, sich in eine Selbsttätigkeit auseinanderlegen, besondern (A - B), und dadurch Subjekt sind. Der Unterschied ist, dass beim Begriff diese Besonderung noch abstrakt ist, bei der Idee aber konkret.75 Konkret heisst das: Der Begriff, nachdem er am Ende der Schlusslogik seine volle logische Komplexität entfaltet hat, bringt aus sich - ähnlich wie in einem Big Bang - die Objektivität hervor, die sich in Mechanismus, Chemismus, Teleologie usw. manifestiert. Wieder einmal stehen sich eine logische Allgemeinheit und eine, diesmal aber konkrete, Besonderheit getrennt gegenüber. Wenn diese sich nun vereinigen, wenn sich Begriff und Realität zusammenschließen, entsteht die Idee. Ihre erste Manifestation ist das Leben. Das Leben ist zunächst die vegetabilische und animalische Natur; es kommt hier nur bis zum Tier. Erst wenn sich das Leben mit dem Erkennen zusammenschließt, entsteht der - denkende - Mensch. Die weitere Entwicklung über das Handeln hin zur „absoluten Idee“ haben wir schon verfolgt.

Von der Form zum Inhalt: Die Anreicherung des Begriffs

Eine rätselhafte Passage am Schluss bleibt noch zu entschlüsseln. In der absoluten Idee, so heißt es, sei „die Totalität der Form als das System der Inhaltsbestimmungen enthalten… Dieser Inhalt ist das System des Logischen.“76 (Hervorhebung im Original) Auch diese Textstelle lässt sich nicht ohne Rückgriff auf die Logik des absoluten Schlusses erklären. Hegel hat ja immer wieder betont, dass die Form aus sich den Inhalt hervorbringt, der Inhalt nicht von außen an die Form herangebracht werde. Dies ist nun offenkundig auf folgende Weise geschehen: Die Begriffsbestimmungen des Allgemeinen und Besonderen sind im dialektischen Ablauf A - B - E, der ja in der Zweckbeziehung wiederkehrte, - zunächst jedenfalls - die Form, das Einzelne der Inhalt. Letzteres macht uns am wenigsten Schwierigkeiten, das Einzelne als das Konkrete, Wirkliche, Reale, die unmittelbar gegebene materielle Objektivität anzusehen, wie es schon unserem Alltagsverstand naheliegt, und damit als Inhalt. Das Allgemeine ist die Gattung, später der Gedanke; das Besondere ist zunächst einmal die Art. Beide stellen keine materielle Realität dar - seit dem Universalienstreit ein beliebtes Sujet philosophischer Kontroversen. Damit aber nähern wir uns einem Fallstrick der Philosophiegeschichte. Die Art heißt bei Aristoteles, von dem wir diese Kategorie wie so viele andere übernommen haben, Eidos..77 Auch für die Idee im Sinne Platons wurde dieses Wort geläufig benutzt. Der Fallstrick ist nun, dass Eidos auch Form heißt.78 Das hat manch einen schon verführt, Eidos mit „Form“ zu übersetzen, wo es richtigerweise „Art“ heißen müsste: „Die Form nämlich liegt der Gattung zugrunde. Die Gattungen werden über die Formen ausgesagt.“79 Das ergibt überhaupt keinen Sinn - richtig übersetzt aber durchaus: „Die Art liegt der Gattung zugrunde. Die Gattungen werden über die Arten ausgesagt.“ Das entspricht dem geläufigen hierarchischen Schema von Individuum - Art - Gattung, wie es auch Hegels E - B - A  zugrunde liegt. Die Nutzanwendung für unsere Problemstellung ist aber die folgende: Die Art, ebenso wie die Gattung, ist eine Form des Konkreten. Wir geben dem einzelnen, von uns sinnlich wahrgenommenen Gegenstand eine Form, wenn wir ihn als Stuhl bezeichnen: In-form-ation.80 Erst dann wissen wir, was es ist. In Hegels dialektischer Methode schließt sich das Allgemeine, nachdem es sich in die Besonderen auseinandergelegt hat, mit diesen wieder zum Einzelnen zusammen. Das Allgemeine und das Besondere gibt es zwar nicht als einzelne, konkrete, reale Gegenstände,81 sie sind aber unerlässlich für deren Bestehen. Ohne die Zweckbestimmung des Stuhls, aber auch ohne die zahllosen besonderen Eigenschaften, unter denen die wesentlichen das Wesen des Stuhles ausmachen, könnte es den Stuhl nicht geben, die Substanz nicht ohne die Akzidenzien. Deshalb wird das Einzelne von Hegel so oft, aber auch so schwer verständlich, als absolute Negativität bezeichnet, als Negation der Negation; weil nämlich zuerst das Allgemeine durch das Besondere negiert wird, alsdann das Besondere durch das Einzelne, womit es (das Allgemeine) zu sich zurückkehrt und als Resultat der doppelten Verneinung die Affirmation hervorgeht. Damit aber hat die Form, nämlich das Allgemeine und Besondere, den Inhalt, das Einzelne, aus sich selbst hervorgebracht, die „Totalität der Form als das System der Inhaltsbestimmungen“.

Damit ist der Gehalt der zu erläuternden Passage aber nicht erschöpft; denn wir haben zwar einen Inhalt (E) vor uns, aber kein System von Inhaltsbestimmungen, und zwei Formen (A und B), aber keine Totalität der Form. Wie diese beschaffen sind, soll im folgenden an dem schon dargestellten dreifachen (absoluten) Schluss expliziert werden, der von der theoretischen über die praktische zur absoluten Idee führt.

Der erste Schluss, die theoretische Idee, der Schluss des (suchenden) Erkennens, hatte die Form:

 

E - A - B

Gegenstand - Begriff - Das Gute

 

Im zweiten Schluss tritt B in die Mitte, und A und E wechseln ebenfalls die Stelle:

 

A - B - E

Zweck - Mittel/Tätigkeit - Produkt

 

Jedes Begriffsmoment nimmt eine andere Stelle ein. Hier aber tritt das Entscheidende ein: Jede Stelle behält den Charakter des ursprünglich dort lokalisierten Moments.82 Im vorliegenden Fall ist also die erste Stelle die der Einzelheit. Wenn nun im zweiten Schluss das Allgemeine an die erste Stelle tritt, nimmt es zusätzlich den Charakter der Einzelheit an und wird zu AE. Entsprechend wird B zu BA und E zu EB.

 

AE - BA - EB

Zweck/Subjekt - Mittel/Tätigkeit - Material/Produkt

 

Diese Anreicherung geht im dritten Schluss, in der absoluten Idee, weiter. Wir hatten schon gesehen, dass hier E in die Mitte tritt; dort findet es bereits BA vor und wird dadurch zu EBA. B tritt an die erste Stelle und wird BAE, und schließlich schließt sich A als letztes Extrem mit EB zusammen und wird zu AEB. so dass der gesamte dritte Schluss, die absolute Idee, das Aussehen erhält:

 

BAE - EBA - AEB

 

Damit enthält nun jedes Begriffsmoment wechselseitig auch die anderen in sich, was am Beginn des Prozesses bereits „an sich“ der Fall war, aber nun vollständig realisiert ist. Damit ist die Totalität des Begriffes erreicht; erst jetzt ist der Begriff zur Vernunft gekommen, ist „an und für sich“ geworden. Die absolute Idee ist die Form, in der alle Bestimmungen enthalten sind.83 Hier erst ist der Punkt erreicht, wo alle Momente im Ganzen zusammengeschlossen sind. Alles, was für sich genommen nur als ein Beschränktes erscheint, erhält seinen Wert dadurch, dass es dem Ganzen angehört und Moment der Idee ist.84

Für die inhaltliche Ausfüllung dieser nunmehr angereicherten Momente finden sich bei Hegel - jedenfalls auf dem bisherigen Forschungsstand - nicht genügend Anhaltspunkte, um mehr als eine Hypothese formulieren zu können. Der erste Schluss bleibt unverändert, da er sich nicht angereichert hat. Zum zweiten Begriffsmoment A heißt es ausdrücklich: Auf der Seite des subjektiven Begriffs steht nur die Bestimmung der Allgemeinheit.85 Der zweite Schluss könnte bedeuten, dass das Individuum sich zunächst einen Zweck setzt (AE); explizit sagt Hegel, dass der subjektive Zweck - der im teleologischen Schluss als das Allgemeine bestimmt ist - im Schluss des Guten als Einzelnes bestimmt ist.86 Damit dürfte belegt sein, dass an der ersten Stelle die zwei Momente A und E stehen. Auch bei der Beschreibung des Guten, also des Schlusses des Handelns, wird nochmals ausgeführt, dass hier das Subjekt ebensowohl Allgemeinheit als auch schlechthin bestimmt ist.87 Das Gute ist zugleich das Objektive und die Subjektivität, „hat nicht nur die Würde des Allgemeinen, sondern auch des schlechthin Wirklichen.“ Den Zweck setzt das Individuum durch Mittel und Tätigkeit (BA) in Aktion und realisiert ihn aus dem Material in einem konkreten Produkt, das nützlichen Zwecken (dem Guten) dient (EB). Dies ist der Inhalt, der „nicht nur ein Besonderes (ist), sondern seine unendliche Einzelheit hat.“ Die Einzelheit der Welt und die Bestimmungen ihrer Einzelheit gelten dem Subjekt als nichtig;88 das Subjekt will sie aufheben. Denn es gesteht jetzt nicht mehr dem vorgefundenen Material eine Objektivität zu, sondern beansprucht diese selbst.

Im dritten Schluss könnte die erste Stelle bedeuten, dass die Welt Vernunft in realer Gestalt angenommen hat (BAE); die zweite, dass das Subjekt die Fülle seiner Fähigkeiten ausprägt und sich mit anderen Menschen zur Menschheit zusammenschließt (EBA), das Subjekt ist hier Persönlichkeit, nicht mehr ausschließende Einzelheit, sondern Allgemeinheit und Erkennen, das in seinem Anderen seine eigene Objektivität zum Gegenstand hat.89 Die Persönlichkeit ist die höchste Spitze der dialektischen Entwicklung, weil sie alles in sich befasst und sich zum Freiesten macht.90 Das dritte Glied (AEB) könnte inhaltlich so beschrieben werden, dass die Humanität (A) in der Menschheit (B) real wird (E) - ein Zustand, von dem wir vermutlich noch ein gutes Stück entfernt sind. Soviel zum Inhalt.

Zur Form, und zum Verhältnis von Form und Inhalt, ist zu sagen: Die Stelle ist jeweils die Form, und das Moment, das sie einnimmt, ist der Inhalt. Das entspricht der Aussage, dass wir es mit einer Totalität der Form und einem System der Inhaltsbestimmungen zu tun haben. Ihre Bedeutung ist, dass nun der Begriff tatsächlich zu seiner Bestimmung und Vollendung gekommen ist, weil jedes Moment alle drei Bestimmungen enthält und jeweils der ganze Schluss ist. Zu Beginn stand jedes Element für sich allein und war dadurch abstrakt; jetzt ist es konkret. Denn „konkret“ heißt Einheit des Allgemeinen, Besonderen und Einzelnen, wie es uns in jedem konkreten Gegenstand wirklich entgegentritt. Diese ganze Entwicklung, die sich durch die Entfaltung der Reihe der Urteile und Schlüsse ebenso vollzog wie in der Objektivität vom Mechanismus über den Chemismus, die Teleologie, das Leben, das Erkennen und Handeln bis zur absoluten Idee, der Humanität, wurde dadurch ermöglicht, dass jeweils zwei Begriffsmomente in immer wieder neuen Formen durch ein drittes miteinander vermittelt wurden, aber nicht durch Hereinnahme von externen Elementen, sondern wechselseitig durch sich selbst. Deshalb ist der ganze logische Prozess eine Entfaltung der Selbstbestimmung; und darin liegt der logische Grund dafür, dass die Entwicklung der Welt zur Freiheit führt.

Zu entschlüsseln bleibt jetzt noch, warum der dreifache Schluss von Theorie, Praxis und Humanität von Hegel die „absolute Idee“ genannt wird. Das klingt ja zunächst etwas jenseitig und stellt sich einem konkreten Begreifen in den Weg. Der Schlüssel ist auch hier wieder das Wort Eidos, das außer Form und Art (und Zweck) ja auch noch Idee bedeutet. Die absolute Idee ist mithin die Form, die zu ihrer Vollendung gekommen ist. Absolut heißt unbedingt; sie braucht zu ihrer Entwicklung und Vollendung, also zur Erreichung ihrer teleologischen Bestimmung keine Bedingung, keine externen Faktoren, sondern kann das aus sich heraus leisten, indem sich ihre Elemente immer wechselseitig vermitteln. Das ist bereits erörtert worden. Was aber ist die Form? Darauf gibt uns schon Schelling eine Antwort: Die Form ist das Urteil.91 Nach Kants Auffassung erfolgt alles Denken in Urteilen. Im Urteil wird der einzelne Gegenstand in die Form der Allgemeinheit gebracht. Bereits hier sind der Inhalt, das Einzelne, und die Form, das Allgemeine, aufs engste verbunden. Damit begnügte sich Hegel jedoch nicht. Das Urteil bedarf der Begründung, die als Vertiefung der Kopula in der Mitte zwischen den beiden Satzgliedern entsteht. Deshalb muss aus dem zweiseitigen Urteil der dreigliedrige Schluss hervorgehen.92 Das aber bedeutet, dass für Hegel auch der Schluss eine - oder die - Form ist. Form ist, wie wir gesehen haben, gleichbedeutend mit Idee. Wenn sich nun die Form durch die vielfältigen Stufen des Urteils, der Syllogistik, der Objektivität und der Idee entwickelt und zur höchsten Konkretion angereichert hat, dann ist sie zur absoluten Form und damit zur absoluten Idee geworden. Hegel beschreibt sie anschließend auch noch als die absolute (dialektische) Methode. Diese absolute Form ist aber untrennbar von dem damit erreichten Inhalt: den Menschen, die durch Theorie und Praxis, durch Erkennen und Handeln, Subjekte mit unantastbarer Würde sind, die ihre Welt zum Guten gestalten und sich bewusst sind, dass dies ihre eigene, von ihnen selbst geschaffene Welt ist, und die sich als Individuen zur Menschheit zusammenschließen, die die Welt mit Vernunft in gemeinsamer Verantwortung zur Humanität führt.

 

Abstract:

Erkennen und Handeln führen auf den letzten Stufen von Hegels dialektischer Logikentwicklung zur „absoluten Idee“ - ein Ausdruck, der aus sich heraus seine Bedeutung nicht erkennen lässt. In begriffslogischer Interpretation erweist er sich als der dritte Schluss eines absoluten (dreifachen) Schlusses, in dem die Begriffsmomente Einzelheit, Besonderheit und Allgemeinheit (E, B, A) miteinander die Stelle wechseln:

 

  1. Theorie:
Das Erkennen erzeugt zunächst induktiv aus der Anschauung Begriffe, aus denen es dann deduktiv weitere, vor allem handlungsleitende Informationen ableitet, insbesondere das Gute. E - A - B
  1. Praxis:
Dies schließt durch das Handeln den subjektiven Zweck mit der objektiven Welt zusammen. A - B - E
  1. Humanität:
In der absoluten Idee gewinnt das Subjekt ein Bewusstsein darüber, dass es die Welt im Erkennen und Handeln zu seiner eigenen macht und erweitert sich vom Individuum zur Menschheit, die dann von der Vernunft in Gestalt der Humanität bestimmt wird. B - E - A

 

Résumé

L’idée absolue, expression qui ne dit rien sur son contenu, dans laquelle la Science de la Logique de Hegel trouve sa fin et sa conclusion, peut être expliquée en révélant la structure intrinsèque logique qui consiste dans une triple conclusion, dans laquelle les moments du concept: l’universel, le particulier et le singulier (U, P, S) mutuellement changent leur position:

 

  1. Théorie:
La connaissance, d’abord par induction, produit les conceptions, les notions et les définitions, d’où sont dérivées, par déduction, des informations additionelles, dont telles qui sont utiles pour la pratique, comme Le Bon. S - U - P
  1. Pratique:
Ceci conclut le but subjectif par son action avec le monde extérieur. U - P - S.
  1. Humanité:
Le sujet atteint une conscience du fait que le monde est son propre produit. Par là, il s’élargit, à partir de l’individuel, vers l’humanité, ce qui comporte l’ensemble des êtres humains et une attitude humaine entre eux. P - S - U

Fußnoten


  1. Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Werke in zwanzig Bänden. Theorie Werkausgabe, Frankfurt am Main 1970, Band 8: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1830). Erster Teil: Die Wissenschaft der Logik. Mit den mündlichen Zusätzen, § 198 (im folgenden zitiert: Enz)

  2. Hartnack, Justus: Hegels Logik, Frankfurt am Main 1995, S. 108

  3. Enz §§ 326, 324

  4. Diese Logik finden wir vorgeformt bei Aristoteles in Dynamis - Energeia - Entelecheia, bei Proklos durch Moné - Proodos - Epistrophé.

  5. Utz, Konrad: „Alles Vernünftige ist ein Schluss“, in: Arndt, Andreas/Iber, Christian/Kruck, Günter (Hrsg.): Hegels Lehre vom Begriff, Urteil und Schluss, Berlin 2006, S. 181-204 (195)

  6. Um die Bewegungsrichtung zu verdeutlichen, muss es präziser heißen: „Kreter“ trifft auf Johannes zu; „lügen“ trifft auf Kreter zu. Lügen ist das Allgemeine, Kreter das Besondere.

  7. Kant, Immanuel: Kritik der reinen Vernunft, Band 1, Frankfurt am Main 1976 (2. Aufl.), A 304 (im folgenden zitiert: KrV)

  8. Vgl. Koch, Anton Friedrich: Die Problematik des Übergangs von der Schlusslehre zur Objektivität, in: Arndt/Iber/Kruck, Hegels Lehre vom Begriff, S. 205-215 (207)

  9. Dazu näher Werckmeister, Georg: Hegels absoluter Schluss als logische Grundstruktur der Objektivität, Saarbrücken 2010 = http://kluedo.ub.uni-kl.de/volltexte/2009/2419/pdf/DissWerckmeister2.pdf

  10. Enz § 221 Z

  11. Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Werke in zwanzig Bänden. Theorie Werkausgabe, Frankfurt am Main 1969, Band 6: Wissenschaft der Logik II, S. 487 (im folgenden zitiert: WdL II)

  12. WdL II, S. 490

  13. Ebd.

  14. Ebd. S. 487

  15. WdL II, S. 497

  16. Enz § 224

  17. Enz § 223

  18. Zur analytischen Methode s. Düsing, Klaus: Das Problem der Subjektivität in Hegels Logik (Hegel-Studien Beiheft 15 1976), S. 295-299

  19. Enz § 227

  20. Enz § 246

  21. Ebd.

  22. WdL II, S. 511

  23. Ebd.

  24. Dazu Düsing, ebd. S. 299-304

  25. Enz § 231

  26. WdL II, S. 511 f.; auch S. 540 heißt es, das synthetische Erkennen gelange nur soweit zu seinem Zweck, dass der Begriff nach der Allgemeinheit und den besonderen Unterschieden genommen wird. Ludovicus De Vos: Hegels Wissenschaft der Logik: Die absolute Idee, Bonn 1983, S. 37: „Die Idee des Wahren hat, obwohl sie Subjektivität ist, die Idee als Einzelheit noch nicht in sich.“

  27. WdL II, S. 499

  28. ebd. S. 498

  29. WdL II, S. 541

  30. Frank, Manfred: Auswege aus dem deutschen Idealismus, Frankfurt am Main 2007, S. 317 mit Bezugnahme auf Kant und Schelling

  31. Enz § 233

  32. Enz § 232 Z

  33. Die Wirklichkeit erhält ihre wahrhafte Bestimmung und einzigen Wert erst durch die Zwecke des Guten (WdL II, S. 545).

  34. Enz § 234 Z

  35. WdL II, S. 542

  36. Ebd. S. 545 f.

  37. Ebd. S. 543

  38. Enz § 232 Z: Der Übergang vom Erkennen zum Wollen (Handeln. Praxis, zum Guten) besteht „darin, dass das Allgemeine in seiner Wahrheit als Subjektivität, als sich bewegender, tätiger und Bestimmungen setzender Begriff aufzufassen ist.“

  39. Enz §§ 206 f.

  40. WdL II, S. 545 f. Diese hier in Paraphrase wiedergegebenen Aussagen sind zwar auch noch etwas konfus, weil sie unterschiedliche Sachverhalte mit demselben Wort „Wirklichkeit“ belegen, können aber doch mit den vorher getroffenen Auslegungen zur Deckung gebracht werden. Um diese weiter zu überprüfen, sollen auch noch weitere Feststellungen über die beiden Prämissen wiedergegeben werden: In der ersten Prämisse (A - B) teilt sich der Zweck der Wirklichkeit mit; in der zweiten (B - E) steht dem Guten das abstrakte Sein (E) gegenüber. Es müssen nur die Gedanken der beiden Prämissen zusammengebracht werden; dies geschieht „in dem Schlusse des Guten“ durch Vermittlung (WdL II, S. 546). - Das ist sozusagen selbsterklärend, weil es grundlegend für jeden Schluss gilt. - Die Tätigkeit in der zweiten Prämisse bringt das Produkt als Einzelnes hervor (WdL II, S. 547). Auch Utz, Konrad: Absolute Methode?, in: Koch/Oberauer/Utz, Der Begriff als die Wahrheit, S. 189-207 (192), bezeichnet die zweite Prämisse als die mittelbare Beziehung der Idee des Guten auf die äußerliche Wirklichkeit. In der Ausführung der Idee des Guten gelangen die beiden Prämissen zur Konklusion (ebd. S. 193).

  41. WdL II, S. 543

  42. Ebd. S. 548

  43. Zu dieser Methode Brandoms s. Kruck, Günter: Selbständigkeit und notwendige Vergewisserung. Hegels Urteilslehre im Vergleich zu Brandoms Verstehenstheorie, in: Koch/Oberauer/Utz: Der Begriff als die Wahrheit, Paderborn 2003, S. 69-84

  44. WdL II, S. 542

  45. Hösle, Vittorio: Hegels System, Hamburg 1998, S. 251

  46. Hösle ebd.; Schiller an W. v. Humboldt 2. April 1805 „Am Ende sind wir ja beide Idealisten … und würden uns schämen, uns nachsagen zu lassen, daß die Dinge uns formten und nicht wir die Dinge“. (zit. nach Safranski, Rüdiger: Schiller oder Die Erfindung des Deutschen Idealismus, München/Wien 2004, S. 120)

  47. Novalis Schriften III 253 Nr. 78

  48. WdL II, S. 543

  49. Enz § 234 Z: Wäre die Welt dann so, wie sie sein soll, so fiele die Tätigkeit des Willens weg.

  50. Ebd.

  51. In der von Utz, Alles Vernünftige, S. 195 angeführten Umformungsregel ist diese Bedingung nicht eingehalten: E - B - A
    B - E - A
    E - A - B
    Hier nimmt A niemals die erste Stelle ein, und E nie die dritte; so kommt der Schluss nicht zur Vernunft.

  52. Ludovicus De Vos: Hegels Wissenschaft der Logik: Die absolute Idee, Bonn 1983, S. 38: Die Einheit des Begriffs durch sich selbst mit sich.

  53. „Die volle Übereinstimmung des Begriffs mit sich in all seinen Momenten A, B und E und damit die vollständige Identität seiner mit seiner Wirklichkeit“ erreicht also nicht nur, wie Utz, Alles Vernünftige, S. 203 annimmt, die Einzelheit der Begriffsform, sondern weit mehr, nämlich die Einzelheit der Person, der Persönlichkeit, des Subjekts.

  54. „Die Einzelheit des Subjekts, mit der es durch seine Voraussetzung behaftet wurde, ist mit dieser verschwunden“ (WdL II, S. 548); Ludovicus De Vos: Die Wahrheit der Idee, in: Koch/Oberauer/Utz: Der Begriff als die Wahrheit, S. 153-169 (160): „Dadurch realisiert sich endgültig die Einzelheit, die ihre Allgemeinheit als vollständig besonderte faßt.“

  55. WdL II, S. 549

  56. Ebd. S. 543

  57. Hösle, Hegels System, S. 251; die platonische Idee ist allerdings nur abstrakt, entbehrt der Konkretisierung durch die Wirklichkeit (Hegel, Ästhetik Band I, S. 191)

  58. WdL II, S. 268

  59. Hartnack, Hegels Logik, S. 109: Hegels Sprachgebrauch lege nahe, dass die absolute Idee ein Wesen mit Bewusstsein sei, das lebt, denkt und entscheidet.

  60. Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Band II, S. 274

  61. Enz § 187 Z

  62. WdL II, S. 351

  63. Ebd. S. 352

  64. Hegel benutzt die Ausdrücke Person und Persönlichkeit (WdL II, S. 549)

  65. WdL II, S. 490

  66. Ästhetik I, S. 51

  67. Dies ist erst das begreifende - im Unterschied zum suchenden - Erkennen: die Einheit des theoretischen und praktischen Verhaltens (Enz § 246 Z (S. 22))

  68. Ebd.

  69. Näher zum Selbstbewusstsein Hegel, Phänomenologie des Geistes, TWA Band 3, S. 137 ff.

  70. Als Grundlage der Menschenwürde gilt der praktische Imperativ von Kant: „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als auch in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“ (Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, in: Kant’s Werke Band IV, Berlin 1903, S. 385-463 (429))

  71. WdL II, S. 548, 549

  72. Koch, Übergang zur Objektivität, S. 215, sieht hingegen hier den Menschen scheitern: Die Idee als solche könne nicht personal, nicht zum Subjekt werden, und die endliche Person nicht zur Idee.

  73. Für Liebrucks, Bruno: Sprache und Bewusstsein, Frankfurt am Main 1974, Band 3, S.582, besteht die Einheit der Persönlichkeit in der absoluten Idee nicht für den abstrakt Einzelnen, sondern als vom anderen Menschen Anerkannten. Der logische Status dafür sei die Sprache.

  74. Enz § 158 Z

  75. Hegel, Ästhetik, Band I. S. 149

  76. Enz § 237

  77. So auch ausdrücklich Hegel, Geschichte der Philosophie II, S. 69

  78. Aristoteles Met. VIII 1043a 29 ff. weist auf die Doppeldeutigkeit hin; s. a. Seidl im Kommentar zu Aristoteles’ Metaphysik, Zweiter Halbband: Bücher VII (Z) - XIV (N), Hamburg 1991, S. 449; er behilft sich in der Übersetzung mit „Art-Form“.

  79. Aristoteles: Die Kategorien. Griechisch/Deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Ingo W. Rath, Stuttgart 1998, S. 15 f.

  80. Enz § 246: Das Denken fügt den Dingen die Form hinzu, die Allgemeinheit; Werckmeister, Georg: Begriff der Information. Ansatz einer dialektischen Informationstheorie, in: Datenverarbeitung im Recht, 7:2/3 (1978), S. 225-252 (233); www.hegel-system.de/de/v131-werckmeister.htm

  81. Hegel, Ästhetik I, S. 191: „nur die konkrete Einzelheit ist wahrhaft und wirklich, die abstrakte Allgemeinheit und Besonderheit nicht.“

  82. Dies lässt sich erschließen aus Enz § 187, wo das Allgemeine als Besonderes gesetzt wird, wenn es die mittlere Stelle einnimmt.

  83. Enz § 237 Z

  84. Ebd.

  85. WdL II, S. 545

  86. WdL II, S. 541; 542: „In der theoretischen Idee steht der subjektive Begriff als das Allgemeine … der objektiven Welt entgegen“.

  87. Ebd.

  88. Ebd.

  89. Ebd.

  90. WdL II, S. 570

  91. Frank, Manfred: Auswege aus dem deutschen Idealismus, S. 345: Unter „Form“ versteht Schelling die Satz- oder Urteilsform; s. Kant. KrV A 80: „die logische Form eines Urteils“.
  92. Darin liegt der grundlegende Unterschied von Hegel zu Kant, zwischen Verstand und Vernunft, zwischen Reflexion und Spekulation.



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