Lebensprozeß :  Schlußsystem

Schluss des Lebens

[Hegel-Originaltext. Auswahl und Anmerkungen [...] von M.Grimsmann und L.Hansen, Sep. 2001
Abkürzungen für Quellangaben siehe Info]

 


In dem Prozeß der Pflanze [u. d. Tieres], der in drei Schlüsse zerfällt,
ist, der erste der allgemeine Prozeß,
der Prozeß des Organismus innerhalb seiner selbst,
die Beziehung des Individuums auf sich selbst,
in welcher das Individuum sich selbst aufzehrt,
sich zu seiner unorganischen Natur macht
und sich vermittels dieses Aufzehrens aus sich hervorbringt,
- der Gestaltungsprozeß.
 
Das Lebendige hat zweitens das Andere seiner
nicht an ihm selbst, sondern als ein selbständiges Anderes;
es ist nicht selbst seine unorganische Natur,
sondern diese wird vorgefunden als Objekt,
- angetroffen mit dem Scheine der Zufälligkeit.
 
Das ist der spezifizierte Prozeß gegen eine äußere Natur.
 
Das Dritte ist der Gattungsprozeß, die Vereinigung der beiden ersten;
der Prozeß der Individuen mit sich als Gattung,
das Hervorbringen und Erhalten der Gattung,
- das Aufzehren der Individuen zur Erhaltung der Gattung,
als Hervorbringung eines anderen Individuums.
 
Die unorganische Natur ist hier das Individuum selbst,
seine Natur dagegen seine Gattung;
ebenso ist diese aber auch ein Anderes, seine objektive Natur.
 
In der Pflanze sind diese Prozesse
nicht so unterschieden wie im Tiere, sondern fallen ineinander,
und das macht eben das Schwierige
in der Darstellung des vegetabilischen Organismus.
 Enz. Zusatz 1 § 346

 

[nochmal:]

Erstens.
Das Organische ist das Wirkliche, das sich selbst erhält
und den Prozeß an ihm selbst verläuft;
es ist sich sein Allgemeines, das sich in seine Teile entzweit,
welche sich aufheben, indem sie das Ganze hervorbringen.
 
Die Gattung steht hier auf seiten des Organischen.
 
Der Schlußsatz ist, daß die Gattung
mit dem Unorganischen unmittelbar vereinigt wird;
das Organische entzweit sich also in zwei allgemeine Extreme,
die unorganische Natur und die Gattung,
deren Mitte es ist (A[?Gallerte]  - E[?Tätigk.] - B[?Leib, Ausscheidung])
und mit deren jedem es hier noch unmittelbar eins ist,
selbst Gattung und unorganische Natur ist.
 
Das Individuum hat also seine unorganische Natur noch an ihm selbst
und ernährt sich aus sich selbst,
indem es sich selbst, als seine eigene Anorganität [?A u. B],  aufzehrt.
 
Damit aber gliedert es sich in sich selbst, [?AE wird B]
d.h. es dirimiert seine Allgemeinheit [?A] in seine Unterschiede; [?B]
[dies ist] der Verlauf des Prozesses in ihm selbst,
als die nicht ausschließende Diremtion
und Beziehung des Organischen auf sich selbst.
 
Das Allgemeine hat sich an ihm selbst zu verwirklichen;
es gibt sich sein Selbstgefühl eben durch diese Bewegung,
wodurch es für sich wird.
 
Das Organische ist gegen sich selbst als dies unmittelbar Allgemeine,
als diese organische Gattung gekehrt.
 
Dies ist sein Individualisierungsprozeß;
es tritt sich in sich selbst gegenüber, wie nachher gegen das Äußere.
 
Das Andere ist noch unter dem Begriff gehalten.
 
Insofern das Einzelne indessen schon vorausgesetzt ist,
so schließt es hier die Gattung, die seine Allgemeinheit ist,
mit dem besonderten Allgemeinen zusammen.
 
Dies letztere ist das eine Extrem, das, aufgenommen in die absolute Gattung, absolute Besonderheit und Einzelheit wird.
 
Es ist dies die besondere Ausgebärung des Moments der Individualität,
das Werden derselben, die schon in den Prozeß als seiend eintritt.
 
Es kommt nichts heraus, als was schon da ist.
 
Es ist der Verdauungsprozeß seiner selbst
und die Gliederung, Gestaltung der Momente;
die Glieder werden ebenso aufgezehrt als erzeugt,
und in dieser allgemeinen Unruhe ist das bleibende Einfache die Seele. [?e]
 
Das Individuelle [?b] kommt darin durch die Gattung
zum Losreißen von ihr; [?Gattung-Seele ]
der Prozeß in ihr macht sie [?e Seele] eben zu einem,
das die Negativität an ihm hat [?b]
und so ihr als dem Allgemeinen entgegengesetzt ist.
 
 
Zweitens.
Das Allgemeine ist Daseiendes und das organische Eins die Kraft
über dieses Negative seiner selbst, dieses Äußerliche, und zehrt es auf,
so daß dieses nur als Aufgehobenes ist.
 
Das Organische ist unmittelbar
Einheit der Individualität und Allgemeinheit, organische Gattung;
es ist ausschließendes Eins, schließt das Allgemeine von sich aus,
- die Gattung als von der Macht der Negativität, vom Leben verlassen;
oder das Organische setzt sich sein Unorganisches.
 
Die Gattung ist das absolut Allgemeine,
das sich das abstrakt Allgemeine gegenübersetzt;
aber dadurch hat es auch das Moment der Einzelheit freigelassen,
[?wegen des Schlußsatzes]
das das negative Verhalten gegen dies Unorganische ist.
 
Wie vorher das Individuelle die Mitte war
und die Seiten die allgemeinen Extreme,
so ist jetzt die Gattung das Element;
das Organische ist hier also durch die Gattung
mit dem Unorganischen vermittelt (B - A - E). [?besser:E-A-B]  

Ersteres ist die Macht über das letztere,
weil es das absolut Allgemeine ist;
- der Ernährungsprozeß.
 
Das Unorganische ist die Allgemeinheit als die unwirkliche Gattung,
in welche die Übermacht teils der Individualität überhaupt, der Erde, fällt,
teils der Einzelheit, die sich davon befreit;
diese Allgemeinheit ist die bloße Passivität.
 
In ihrer Wirklichkeit aber, wie sie an ihr selbst ist,
ist die Allgemeinheit das Auseinandertreten
der organischen und ihrer unorganischen Natur,
- jene die Form der Einzelheit, diese der Allgemeinheit.
 
Beides sind Abstraktionen;
die Substanz ist in den Arten, als die sie sich bestimmt hat, dieselbe.
 
 
a) Die Bestimmtheit bleibt Allgemeinheit,
gehört ins Element und Prinzip;
es ist nichts für das Organische, was es nicht selbst ist.
 
Es ist in der Reflexion dies zurückgenommen,
daß seine unorganische Welt an sich ist;
sie ist nur als aufgehobene
und das Organische das Setzen und Tragen derselben.
 
Aber diese Tätigkeit allein zu nehmen, wäre ebenso einseitig.
 
Die Erde macht vielmehr die Sonne und ihre Elemente,
wie jedes Organische, weil sie dies allgemeine Organische ist;
aber ebenso ist sie an sich beides.
 
Dies Gesetztsein des Unorganischen ist sein Aufgehobensein;
es ist nicht an sich.
 
Das Organische ist das Selbständige;
aber jenes ist für dieses als Ansich zunächst
das gleichgültige Dasein beider,
geht aber dann in gespanntes Dasein über,
in die Form des Fürsichseins, die dem Organischen zukommt.
 
 
ß) Jenes unmittelbare Sein des Organischen als Gattung
ist ebenso ein schlechthin durch das Unorganische Vermitteltes:
es ist nur durch dies Anderssein, diesen Gegensatz
gegen sich als abstrakte Allgemeinheit;
es ist die der Individualität entbundene Gattung.
 
Weil jene aber auch Leben an ihr selbst ist,
geht sie durch sich selbst in der generatio aequivoca
zum Organischen über;
überhaupt das Dasein des Organischen
ist das sich vereinzelnde, kontrahierende Tun der ganzen Erde,
das Sich-in-sich-Reflektieren des Allgemeinen.
 
Aber sie wird ebenso zum beruhigten Insichreflektiertsein,
und edlere Pflanzen und Tiere sind dies befestigte Insichreflektiertsein,
das nicht wie Pilze aus der Erde aufschießt,
wie individualitätslose Gallerte oder Flechten,
die nur organisches Leben überhaupt in dürftiger Gliederung sind.
 
In ihrem Dasein kommt sie aber nur zur allgemeinen Reflexion,
und hier bricht ihr unmittelbares Werden an.
 
Das in sich Reflektierte steht nun für sich fixiert
und seinen eigenen Kreis durchlaufend da
und ist ein eigenes Dasein, das jenem gegenüberbleibt
und an seinem negativen Wesen festhält,
seinen Ursprung verleugnet und für sich sein Werden darstellt.
 
 
Drittens.
Dies hervorgebrachte Wirkliche ist die Gattung,
die Macht gegen das Einzelne und der Prozeß derselben;
sie hebt dieses Einzelne auf, bringt ein Anderes hervor,
das die Wirklichkeit der Gattung ist,
eben daher aber auch Entzweiung gegen die unorganische Natur,
zu der die Gattung herabsinkt.
 
Das Organische so durch das Unorganische mit der Gattung vermittelt
(E - B - A) ist das Geschlechtsverhältnis.
 
Der Schlußsatz ist die Beziehung der beiden Seiten,
die das ganze Organische sind
oder die Diremtion dieses Ganzen in entgegengesetzte, selbständige Geschlechter,
- Aufhebung des Einzelnen und Gewordensein der Gattung,
aber als eines einzelnen Wirklichen, das den Kreislauf wieder anfängt.
 
 
Das Resultat ist also,
daß aus der Gattung das Einzelne sich abgesondert hat.
 
Dieses Selbständige ist darum auf ein solches bezogen,
das ihm als Gattung gleich ist;
die Gattung hat sich in Selbständige entzweit,
deren jedes sich als dieses Ganze Gegenstand ist, aber außer ihm.
 
Im ersten Prozesse haben wir Fürsichsein,
im zweiten Vorstellen und Erkennen eines Anderen,
im dritten die Einheit beider, Anderes und es selbst.
 
Es ist die wahre Verwirklichung des Begriffs,
die vollständige Selbständigkeit beider,
worin jedes zugleich sich im Anderen als es selbst weiß;
es ist die rein ideell gewordene Beziehung,
so daß jedes sich ideell ist, ein an sich Allgemeines,
- die reine Ungegenständlichkeit ist hergestellt im Selbst als solchem.
 
 
Das Organische fängt mit der Einzelheit an und erhebt sich zur Gattung.
 
Dieser Verlauf ist aber ebenso unmittelbar der entgegengesetzte:
die einfache Gattung steigt zur Einzelheit herunter,
denn die Vollendung der Individuen zur Gattung durch ihr Aufgehobenwerden
ist ebenso das Werden der unmittelbaren Einzelheit des Kindes.

Enz §342 Zusatz



Email? webmaster@hegel-system.de
hegel-system.de - Startseite   Quer-Einstieg  Phänomenologie  Poster  Hörbücher  Sprüche  System-Spiel  Info
Dreieck   Beiträge   Seitenanfang

^
Copyright © 1997-2006 by hegel-system.de, Martin Grimsmann (Hamburg), Lutz Hansen (Hamburg).
Dieser Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Impressum   Nutzungsbedingungen   Datenschutz