Übersicht des innermenschlichen Geistes    

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[Original Hegel-Text. Auswahl und Anmerkung [...]: M.Grimsmann/L.Hansen Apr.2001]

Der Geist für sich betrachtet ist

1. in seinem natürlichen Dasein
und seiner unmittelbaren Verbindung mit dem organischen Körper
und seiner daher rührenden Abhängigkeit
von dessen Affektionen und Zuständen zu begreifen;
Anthropologie.

2. Als erscheinend,
insofern er sich nämlich als Subjekt auf Anderes als Objekt bezieht,
ist der Geist Bewußtsein und Gegenstand der Phänomenologie des Geistes.

 

Da das Bewußtsein wesentlich in Beziehung auf einen Gegenstand besteht,
ist es verschieden nach den verschiedenen Gegenständen, die es hat.

Zugleich aber ist der Gegenstand wesentlich
durch das Verhältnis des Bewußtseins zu ihm bestimmt,
und er wird mit der Fortbildung des Bewußtseins verschieden.

Das Bewußtsein hat im allgemeinen
nach der Verschiedenheit des Gegenstandes überhaupt drei Stufen.

Er ist nämlich entweder das dem Ich gegenüberstehendeObjekt,
oder er ist Ich selbst,
oder etwas Gegenständliches, das ebensosehr dem Ich angehört,der Gedanke.

Diese Bestimmungen sind nicht empirisch von außen aufgenommen,
sondern Momente des Bewußtseins selbst.

Es ist also:
1. Bewußtsein überhaupt, 2. Selbstbewußtsein, 3. Vernunft.

 

3. Der Geist aber nach seiner Selbsttätigkeit innerhalb seiner selbst
und in Beziehung auf sich, unabhängig von der Beziehung auf Anderes,
wird in der eigentlichen Geisteslehre oder Psychologie betrachtet.
                                                                       
     
 (Textmix aus der Propädeutik)

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Der subjektive Geist ist:

A. An sich oder unmittelbar;
so ist er Seele oder Naturgeist;
- Gegenstand der Anthropologie.

B. Für sich oder vermittelt,
noch als identische Reflexion in sich und in Anderes;
der Geist im Verhältnis oder Besonderung;
Bewußtsein, - der Gegenstand der Phänomenologie des Geistes.

C. Der sich in sich bestimmende Geist, als Subjekt für sich,
der Gegenstand der Psychologie.

In der Seele erwacht das Bewußtsein;
das Bewußtsein setzt sich als Vernunft,
die unmittelbar zur sich wissenden Vernunft erwacht ist,
welche sich durch ihre Tätigkeit zur Objektivität,
zum Bewußtsein ihres Begriffs befreit.
                                                                       
 (§ 387 Enz.)

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Den Anfang unserer Betrachtung muß der unmittelbare Geist bilden;
dies aber ist der Naturgeist, die Seele. ...

Wir müssen also von dem noch in der Natur befangenen,
auf seine Leiblichkeit bezogenen,
noch nicht bei sich selbst seienden, noch nicht freien Geiste anfangen.

Diese, wenn wir so sagen dürfen, Grundlage des Menschen
ist der Gegenstand der Anthropologie.

In diesem Teile der Wissenschaft vom subjektiven Geiste
ist der gedachte Begriff des Geistes nur in uns, den Betrachtenden,
noch nicht im Gegenstande selber;
den Gegenstand unserer Betrachtung bildet hier
der erst bloß seiende Begriff des Geistes,
der seinen Begriff noch nicht erfaßt habende, noch außer sich seiende Geist....

 

In der Phänomenologie erhebt sich nun die Seele
durch die Negation ihrer Leiblichkeit zur reinen ideellen Identität mit sich,
wird Bewußtsein, wird Ich, ist ihrem Anderen gegenüber für sich.

Aber dies erste Fürsichsein des Geistes
ist noch bedingt durch das Andere, von welchem der Geist herkommt.

Das Ich ist noch vollkommen leer, eine ganz abstrakte Subjektivität,
setzt allen Inhalt des unmittelbaren Geistes außer sich
und bezieht sich auf denselben als auf eine vorgefundene Welt.

So wird dasjenige, was zunächst nur unser Gegenstand war,
zwar dem Geiste selber zum Gegenstande,
das Ich weiß aber noch nicht, daß das ihm Gegenüberstehende
der natürliche Geist selber ist.

Das Ich ist daher trotz seines Fürsichseins doch zugleich nicht für sich,
da es nur in Beziehung auf Anderes, auf ein Gegebenes ist.

Die Freiheit des Ich ist folglich nur eine abstrakte, bedingte, relative.

Der Geist ist hier zwar nicht mehr in die Natur versenkt,
sondern in sich reflektiert und auf dieselbe bezogen,
erscheint aber nur, steht nur in Beziehung zur Wirklichkeit,
ist noch nicht wirklicher Geist.

Daher nennen wir den Teil der Wissenschaft,
in welchem diese Form des Geistes betrachtet wird, die Phänomenologie.

Indem nun aber das Ich sich aus seiner Beziehung auf Anderes in sich reflektiert,
wird es Selbstbewußtsein.

In dieser Form weiß das Ich sich zunächst nur als das unerfüllte Ich
und allen konkreten Inhalt als ein Anderes.

Die Tätigkeit des Ich besteht hier darin,
die Leere seiner abstrakten Subjektivität zu erfüllen,
das Objektive in sich hineinzubilden,
das Subjektive dagegen objektiv zu machen.

Dadurch hebt das Selbstbewußtsein
die Einseitigkeit seiner Subjektivität auf,
kommt aus seiner Besonderheit, aus seinem Gegensatze gegen das Objektive
zu der beide Seiten umfassenden Allgemeinheit
und stellt in sich die Einheit seiner selbst mit dem Bewußtsein dar;
denn der Inhalt des Geistes wird hier ein objektiver, wie im Bewußtsein,
und zugleich, wie im Selbstbewußtsein, ein subjektiver.

Dies allgemeine Selbstbewußtsein ist an sich oder für uns Vernunft;
aber erst im dritten Teil der Wissenschaft vom subjektiven Geiste
wird die Vernunft sich selber gegenständlich.

 

Dieser dritte Teil, die Psychologie, betrachtet den Geist als solchen,
den Geist, wie er im Gegenstande sich nur auf sich selber bezieht,
darin nur mit seinen eigenen Bestimmungen zu tun hat,
seinen eigenen Begriff erfaßt.

 

So kommt der Geist zur Wahrheit;
denn nun ist die in der bloßen Seele noch unmittelbare,
noch abstrakte Einheit des Subjektiven und Objektiven
durch Aufhebung des im Bewußtsein entstehenden Gegensatzes dieser Bestimmungen
als eine vermittelte wiederhergestellt,
die Idee des Geistes also
aus der ihr widersprechenden Form des einfachen Begriffs
und aus der ihr ebensosehr widersprechenden Trennung ihrer Momente
zur vermittelten Einheit und somit zur wahren Wirklichkeit gelangt.

In dieser Gestalt ist der Geist die für sich selbst seiende Vernunft. [Geist]


Geist und Vernunft stehen zueinander in solchem Verhältnis
wie Körper und Schwere, wie Wille und Freiheit.

Die Vernunft bildet die substantielle Natur des Geistes;
sie ist nur ein anderer Ausdruck für die Wahrheit
oder die Idee, welche das Wesen des Geistes ausmacht;
aber erst der Geist als solcher weiß,
daß seine Natur die Vernunft und die Wahrheit ist.  

(Enz Zus. §387)

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