Hegels Straftheorie

[Hegel-Originaltext. Auswahl und Anmerkungen [...] von M.Grimsmann und L.Hansen, Okt. 2003
Abkürzungen für Quellangaben siehe Info]

 

img1.gif

 


Zweck der Strafe:

1. Gerechtigkeit:

Das Recht soll gelten.
Dieser bloße Begriff, Gedanke des Recht ist jedoch nur an sich,
noch nicht realisiert.

In der Realität wird das Recht auch gebrochen,
dh. es wird verneint, negiert.

Diese Negation des Rechts ist das Unrecht.

Geltung und Wirklichkeit
hat das zunächst nur sein sollende Recht nur dann,
wenn das Brechen des Rechts wieder gebrochen wird.

Erst diese Negation der Negation des Rechts
ist die Verwirklichung des Rechts.

Auf geschehene Verbrechen muß also Strafe folgen.

Wird Unrecht nicht bestraft existiert keine Gerechtigkeit.

Dies ist der wesentliche Gesichtspunkt der Strafe.

Nur hierbei wird der Mensch als freier Bürger angesehen,
der für seine Taten verantwortlich ist.

Die anderen Strafzwecke geschieht dies nicht.

2. Zum Zwecke der Verhütung,
dh. der direkten Verhinderung weiterer Straftaten
zB. durch Sicherheitsverwahrung.

wird der Mensch als Gefahr für die Gesellschaft angesehen
(als schädliches Tier).

3. Beim Zwecke der Besserung, der Resozialisierung
wird der Täter als unfertiges, zu erziehendes Wesen (als Kind) betrachtet.
Dies ist der pädagogische Strafzweck.

4. Die Abschreckung, Drohung
baut nicht auf die Einsicht in die Gesetze,
dh. nicht auf die Vernunft des Volkes,
sondern sie will durch Einschüchterung zur Rechtschaffenheit zwingen.

Die Zwecke 2.- 4 dürfen deshalb nur zur Bestimmung des Strafmaßes
oder in Sonderfällen in Betrcht kommen.

 

Die heute gängige Praxis der Bundesrepublik
eine Strafe ganz auf Bewährung auszusetzen
(i.d.R. alle Erststrafen unter 2 Jahren)
läßt den Hauptzweck der Strafe ungeachtet
und sorgt so nicht für Gerechtigkeit !

Das Strafen:

Wird die Strafe als Privatrache ausgeführt
so entsteht zugleich ein neues Verbrechen,
was wiederum seine Strafe fordert usw.

Also muß die Strafe als staatliche Rache,
durch ein Gericht, vollzogen werden.

 

Das Strafmaß:

Strafe ist Wiederanwendung der Tat auf den Täter (1.),
die Qualität und Quantität der Tat gibt somit das Maß für die Strafe.

Das vom Täter mit der Tat aufgestellte Handlungsgesetz
wird auf ihn selbst angewandt
"der Verbrecher wird als Vernünftiges geehrt"

Direkte Gleichheit (Aug um Aug) ist hierbei im allgemeinen nicht möglich
also muß man die Schwere der Tat und Strafe allgemein vergleichbar
als Geldsumme oder Haftzeit bewerten.

 

Srafe als logischer Übergang vom Recht in die Moralität:
(ein Aspekt)

Der 1. Teil, das abstrakte Recht,
behandelt den bloß allgemeinen, dh. gleichen Willen,
der 2. Teil, die Moralität,
handelt vom besonderen Willen, der das Allgemeine will.

Der Übergang von der alleinigen Allgemeinheit
zur Übereinstimmung des besonderen und allgemeinen Willens
geschieht in zwei Schritten:

1. löst sich der besondere Wille (hier gleichbedeutend mit einzelnem)
als Anderes, Negatives von dem allgemeinen Willen ab.

Im Unrecht setzt sich der besondere, subjektive Wille
gegen
das Recht an sich.  (Der Verbrecher widersetzt sich dem Recht)

2. Die Strafe negiert das Unrecht,
sie führt also den besonderen Willen in den allgemeinen zurück
und zugleich bereichert sie den bloß allgemeinen
mit dem besonderen Willen,
denn sie vernichtet ihn nicht,
sondern hebt ihn auf
(das Wollen des Einzelnen, das vermittelnde Moment, bleibt erhalten).

Es ist jetzt der vom besonderen gewollte allgemeine Wille - die Moralität.

vgl. VPR §95-104

 

 

 



Email? webmaster@hegel-system.de
hegel-system.de - Startseite   Quer-Einstieg  Phänomenologie  Poster  Hörbücher  Sprüche  System-Spiel  Info
Dreieck   Beiträge   Seitenanfang

^
Copyright © 1997-2006 by hegel-system.de, Martin Grimsmann (Hamburg), Lutz Hansen (Hamburg).
Dieser Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Impressum   Nutzungsbedingungen   Datenschutz