Enzyklopädie der Philosophischen Wissenschaften (1830)
Einleitung (§1-18) mit Kommentar

[Hegel-Originaltext. Auswahl und Anmerkungen [...] von M.Grimsmann und L.Hansen, Dez. 2001
Abkürzungen für Quellangaben siehe Info]


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§ 1
Die Philosophie entbehrt des Vorteils, der den anderen Wissenschaften zugute kommt,
ihre Gegenstände als unmittelbar von der Vorstellung zugegeben
sowie die Methode des Erkennens für Anfang und Fortgang
als bereits angenommen voraussetzen zu können.

[Die erste Frage ist:
Was ist Gegenstand (Inhalt) der Philosophie, womit beschäftigt sie sich ?
Die zweite:
Wie, in welcher Weise, mit welcher Methode geht sie vor ?

Bei den anderen Wissenschaften ist dies gar nicht fraglich.
Z.B. ist es klar, daß in der Biologie Lebewesen beobachtet werden.]



Sie hat zwar ihre Gegestände zunächst mit der Religion gemeinschaftlich.

Beide haben die Wahrheit zu ihrem Gegenstande,
und zwar im höchsten Sinne
- in dem, daß Gott die Wahrheit und er allein die Wahrheit ist.

Beide handeln dann ferner von dem Gebiete des Endlichen,
von der Natur und dem menschlichen Geiste,
deren Beziehung aufeinander
und auf Gott als auf ihre Wahrheit.

[Gegenstand,Inhalt der Philosophie ist:]
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Die Philosophie kann daher wohl eine Bekanntschaft mit ihren Gegenständen,
ja sie muß eine solche, wie ohnehin ein Interesse an denselben voraussetzen,

- schon darum, weil das Bewußtsein sich der Zeit nach
Vorstellungen von Gegenständen früher als Begriffe von denselben macht,
der denkende Geist sogar nur durchs Vorstellen hindurch
und auf dasselbe sich wendend
zum denkenden Erkennen und Begreifen fortgeht.

Aber bei dem denkenden Betrachten gibt's sich bald kund,
daß dasselbe die Forderung in sich schließt,
die Notwendigkeit seines Inhalts zu zeigen,
sowohl das Sein schon
als die Bestimmungen seiner Gegenstände zu beweisen.

[Es gibt Vorstellungen von der Natur, dem Geist, Gott.

Die Philosophie kennt diese Vorstellungen
und beweist ihre innere Notwendigkeit
.]


Jene Bekanntschaft mit diesen erscheint so als unzureichend,
und Voraussetzungen und Versicherungen
zu machen oder gelten zu lassen als unzulässig.

Die Schwierigkeit, einen Anfang zu machen, tritt aber zugleich damit ein,
da ein Anfang als ein Unmittelbares seine Voraussetzung macht
oder vielmehr selbst eine solche ist.

[Bloße Vorstellungen über diese Gegenstände sind deshalb unzureichend,
weil sie unbewiesene Voraussetzungen enthalten.

Da die Philosophie selbst am Anfang jene Vorstellungen voraussetzt,
scheint sie selber unzureichend zu sein.

Das Fortschreiten der Philosophie ist aber
kein Übergehen von einer Vorstellung zur anderen,
sondern ein Zurückgehen in den zugrundeliegenden Gedanken
.

Siehe auch:


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