Affinität
Hegel (Kernbegriff)
Die Gerichtetheit eines Objekts auf ein bestimmtes anderes, ohne das es nicht zu bestimmen ist. Im Mechanismus sind Objekte einander gleichgültig: Ein Stein sucht keinen Stein. Im Chemismus sind sie füreinander da --- die Säure ist ohne die Base nicht zu bestimmen. Hegel nennt dieses Verhältnis der "gespannten Objekte" dort "ihre Verwandtschaft" (TWA 6, 429); jedes ist "das Streben", den Widerspruch zwischen seiner Totalität und der Bestimmtheit seiner Existenz aufzuheben (Enz. § 200). Hergeleitet ist diese Gerichtetheit aus dem Mechanismus: An seinem Ende ist die Unselbständigkeit des Objekts "ein Streben nach dem bestimmt ihm entgegengesetzten Objekt" (TWA 6, 427), und beim chemischen Objekt "gehört die Bestimmtheit, somit die Beziehung auf Anderes und die Art und Weise dieser Beziehung seiner Natur an" (TWA 6, 428). Die Selektivität --- warum der Magnet Eisen anzieht und kein Holz --- ist danach Ergebnis des Übergangs, nicht sein Grund (Kap. 13.5). Das Fremdwort selbst gebraucht er im Maß-Kapitel der Wissenschaft der Logik, bei den Maßverhältnissen, "die sich auf die chemische Affinität und Wahlverwandtschaft beziehen" (TWA 5, 434). Gemeint ist die logische Struktur, nicht die empirische Chemie; ob sie trägt, obwohl die heutige Chemie mit Elektronenkonfigurationen erklärt, was Hegel Wahlverwandtschaft nannte, muss sich an den Beispielen zeigen (Kap. 14.6). Die Lesart dieses Kommentars: Dass Hegel die chemischen Ausdrücke schon im Maß-Kapitel gebraucht, zeigt, dass spätere Strukturen im Früheren wirksam sind, bevor sie ausdrücklich werden (Kap. 3.8).
Nicht gemeint
Keine Neigung oder Absicht, als "suchte" die Säure die Base. Gerichtet ist das Objekt, weil seine Bestimmtheit ohne das Andere unvollständig ist, nicht weil es etwas will.
Bei Hegel
Enz. §§ 200-203; TWA 6, 427 f. (Streben nach dem bestimmt entgegengesetzten Objekt); TWA 6, 429 ("Verwandtschaft"); Wahlverwandtschaft im Maß-Kapitel der WdL, TWA 5, 419-435
Querverweise
Chemismus; Mechanismus; Teleologie; Objektivität
Nicht gemeint
Keine Neigung oder Absicht, als "suchte" die Säure die Base. Gerichtet ist das Objekt, weil seine Bestimmtheit ohne das Andere unvollständig ist, nicht weil es etwas will.
In den ersten auflagen
1817 §§ 148-153
Im kommentar zu hegels logik
[[kleine-logik:3.8]], [[kleine-logik:13.5]], [[kleine-logik:14.3]]
Systematischer ort
1322 --- Begriff → Objektivität → Chemischer Prozeß