Entfaltung

Hegel (Methode)

Das Herauswickeln dessen, was eingefaltet schon da war: Was an sich ist, wird für sich. Hegel gebraucht das Wort für den Gang der Logik selbst; die Fortbestimmung des Seins ist "ein Heraussetzen und damit Entfalten des an sich seienden Begriffs" (Enz. § 84), und die "Entfaltung der logischen Idee" erweist sich als "Fortgang vom Abstrakten zum Konkreten" (Enz. § 86 Zus. 2). Die Grenze zieht Hegel am Keim: Er enthält die ganze Pflanze "in ideeller Weise", nicht so, als wären ihre Teile darin "realiter, jedoch nur ganz klein vorhanden"; das sei die "Einschachtelungshypothese" (Enz. § 161 Zus.). Entfaltung ist kein Abwickeln eines fertigen Plans. Dem Inhalt nach kommt nichts hinzu, aber was am Ende existiert, war am Anfang nur ideell da. Wer das übersieht, macht aus dem Ergebnis die Voraussetzung. Die Lesart dieses Kommentars folgert daraus, dass spätere Kategorien in früheren bereits wirksam sind, bevor sie ihren Ort haben --- Hegel gebraucht im Maß-Kapitel chemische Begriffe, deren Stelle erst die Begriffslogik ist. Ein solcher Vorgriff ist dann kein Konstruktionsfehler: Denken beginnt nie bei Null (Kap. 3.8).

Herkunft

Lateinisch *explicatio*, das Auseinanderfalten; bei Cusanus die Entfaltung Gottes in der Welt.

Bei Hegel

Enz. §84, § 86 Zus. 2, § 161 Zus.

Querverweise

Entwicklung; An-sich-Sein; Für-sich-Sein; Implizite Reflexion

Im kommentar zu hegels logik

[[kleine-logik:3.8]], [[kleine-logik:8a.2]], [[kleine-logik:9.1]]