Explizite Reflexion
Unsere Methodik (Terminologie von Heinrichs)
Das bewusste, systematische Nachdenken über die Denkstrukturen, die wir in der Praxis anwenden. Die begriffliche Durchdringung dessen, was wir zuvor nur implizit vollzogen haben. Wir machen uns **bewusst klar**, welche logischen Strukturen unser Denken leiten - wir denken nicht nur, sondern wir denken **über unser Denken nach**.
Herkunft
Johannes Heinrichs prägte den Begriff der "expliziten (konsekutiven) Reflexion" als Gegenbegriff zur "impliziten (konstitutiven) Reflexion". Die explizite Reflexion ist "konsekutiv" - sie folgt nach und macht bewusst, was zuvor unbewusst vollzogen wurde. Heinrichs nennt sie auch "nachträgliche Reflexion".
Bei Hegel
Die **Wesenslogik** (Kap. 5-8) beginnt die explizite Reflexion - hier wird bewusst über die Vermittlungen nachgedacht, die in der Seinslogik nur implizit wirkten. Die **Begriffslogik** (Kap. 9-24) ist der Ort der vollständig entwickelten expliziten Reflexion. Das Chemismus-Kapitel (Kap. 15) macht explizit, was im Maß-Kapitel (Kap. 3) implizit vollzogen wurde.
Querverweise
Implizite Reflexion · Reflexion · Reflexionsbestimmungen · Performativ/Performativität · Spirale · Wendeltreppe · Aufhebung · Wesen · Begriff · Vermittlung · Entwicklung
Verhältnis zur impliziten reflexion
Die explizite Reflexion **setzt die implizite notwendig voraus** - wir können nur explizit machen, was wir bereits implizit vollzogen haben. Die Bewegung von der impliziten zur expliziten Reflexion ist eine **Spiralbewegung**: Wir kehren zu dem zurück, was wir anfangs taten, aber nun auf einer höheren, bewussteren Ebene.
Beispiele
- Ein Chemiker entwickelt die **Theorie** der chemischen Affinität - er macht explizit, was er zuvor in seiner Praxis implizit vollzog - Ein Kind lernt in der Schule **Grammatik** - es macht die Regeln explizit, die es beim Sprechen bereits anwendet - Sie lesen diesen Text über Denkstrukturen - Sie machen explizit, was Sie beim Wahrheitsprüfen implizit tun
Die spiralbewegung (in drei windungen)
1. **Implizite Reflexion:** Vollzug ohne volles Bewusstsein (Maß-Kapitel nutzt chemische Logik) 2. **Reflektierte Reflexion:** Nachdenken über den Vollzug (Wesenslogik reflektiert auf Vermittlungen) 3. **Explizite Reflexion:** Systematisches Begreifen (Chemismus-Kapitel expliziert die Affinitätslogik)
Praktische relevanz
Die explizite Reflexion ist das Ziel jeder systematischen Bildung: Sie sollen nicht nur **können**, sondern auch **wissen, wie Sie es können**. Das macht Sie unabhängig von bloßer Routine und befähigt Sie, Ihr Denken bewusst weiterzuentwickeln.
Der unterschied zum bloßen nachdenken
Explizite Reflexion ist nicht bloß nachträgliches Grübeln, sondern **systematisches Explizieren** der Strukturen, die im Vollzug wirksam waren. Sie ist produktiv - sie macht uns **fähiger**, nicht nur **wissender**.
Alternative bezeichnung
Nachträgliche Reflexion, konsekutive Reflexion (bei Heinrichs)