Möglichkeit
Hegel (Kernbegriff)
Möglich ist bei Hegel zunächst, was sich nicht widerspricht (formelle Möglichkeit), und dann, wofür die Bedingungen vorliegen (reale Möglichkeit); der Ertrag liegt in dieser Unterscheidung. Die formelle Möglichkeit ist bloße Widerspruchsfreiheit. Ein goldener Berg ist formal möglich, und damit ist nichts gesagt --- denn was formal möglich ist, ist ebenso formal unmöglich, man muss nur irgendeinen Gegensatz im Inhalt festhalten. Je weniger jemand weiß, desto mehr hält er für möglich. Hegel verbindet das mit der Lehre vom Grund: Bei der leeren Möglichkeit wirke "das Denkgesetz vom Grunde", "möglich sei dasjenige, wofür sich ein Grund angeben lasse" (Enz. § 143 Zus.). Die formelle Möglichkeit ist so leer wie der Grund, der sich für alles finden lässt (siehe Grund). Hegels praktische Folgerung: Wer nur handeln will, wenn er ganz sicher ist, kann wenig tun; das Heilmittel ist nicht Entschlossenheit, sondern Kenntnis. Auf die formelle Möglichkeit folgt die Zufälligkeit: das Wirkliche, das "sein oder auch nicht sein" kann, weil der Grund seines Seins "nicht in sich selbst, sondern in anderem" liegt (Enz. § 145 Zus.). Die reale Möglichkeit fragt nach diesem Anderen, den Bedingungen: Hat die Eichel Erde, Wasser, Licht? Sind alle Bedingungen zusammen, tritt die Sache notwendig ein.
Nicht gemeint
Nicht gemeint ist, dass alles notwendig und der Zufall nur unser Nichtwissen sei: Der Zufälligkeit gebührt nach Hegel, "als einer Form der Idee überhaupt, auch in der gegenständlichen Welt ihr Recht" (Enz. § 145 Zus.). Und die Möglichkeit des Alltagsgebrauchs, nach der möglich ist, was sich widerspruchsfrei denken lässt, ist nicht ausgeschlossen, sondern die erste, unzureichende Stufe.
Bei Hegel
Enz. §§ 143-146. "Es gibt daher kein leereres Reden als das von solcher Möglichkeit und Unmöglichkeit" (Enz. §143 Anm.). Im Kolleg: "Menschen die sich nicht entschließen können, haben nur eine Möglichkeit" (Nachschrift Kehler, Kolleg 1825: GW 23.1, S. 372 f.).
Querverweise
Wirklichkeit; Notwendigkeit; Zufälligkeit; Bedingung; Grund
Nicht gemeint
Nicht gemeint ist, dass alles notwendig und der Zufall nur unser Nichtwissen sei: Der Zufälligkeit gebührt nach Hegel, "als einer Form der Idee überhaupt, auch in der gegenständlichen Welt ihr Recht" (Enz. § 145 Zus.). Und die Möglichkeit des Alltagsgebrauchs, nach der möglich ist, was sich widerspruchsfrei denken lässt, ist nicht ausgeschlossen, sondern die erste, unzureichende Stufe.
In den ersten auflagen
1817 §§ 91-95
Im kommentar zu hegels logik
[[kleine-logik:7.4]], [[kleine-logik:8.3]]
Systematischer ort
1232 --- Wesen → Wirklichkeit → Wirklichkeit als solche