Skeptizismus

Allgemein-philosophisch

Unter dem Namen stehen zwei Positionen, die zu unterscheiden sind: die Leugnung, dass es Wahrheit oder Erkenntnis gibt, und die antike Skepsis, die das Urteil zurückhält. Die erste lässt sich an sich selbst prüfen und zerfällt dabei: Ist es wahr, dass es keine Wahrheit gibt, so gibt es mindestens eine; ist es nicht wahr, so braucht man den Satz nicht zu beachten. Der übliche Ausweg lautet, es handle sich gar nicht um eine Wahrheitsbehauptung, sondern um eine Haltung, ein Sprachspiel --- damit ist aber eine dritte Möglichkeit jenseits von wahr und falsch beansprucht, und die Frage kehrt wieder: Trifft diese Auskunft zu? Die antike Skepsis behauptet das nicht; sie hält das Urteil zurück und nimmt ihre eigenen Formeln davon nicht aus. Gerade sie schätzt Hegel: Der Skeptizismus dürfe "nicht bloß als eine Zweifelslehre betrachtet werden", der "hohe, antike Skeptizismus" sei "die vollkommene Verzweiflung an allem Festen des Verstandes" (Enz. § 81 Zus. 2). Ihn trifft der performative Einwand nicht; die Logik nimmt ihn als ihr dialektisches Moment auf. Die Lesart dieses Kommentars: Überflüssig ist die Skepsis in keiner der beiden Gestalten; sie ist der notwendige Durchgang, nur eben ein Durchgang. Wer die Wahrheit leugnet, vollzieht Wahrheitssuche, indem er sie leugnet; wer das Urteil zurückhält, vollzieht sie, indem er prüft.

Nicht gemeint

Nicht die alltägliche Zurückhaltung im Urteilen und nicht die methodische Vorsicht, die Gründe verlangt --- beides ist unentbehrlich. Und nicht die antike Skepsis, die das Urteil zurückhält. Nur die These, es gebe keine Wahrheit, zerfällt, sobald man sie auf sich selbst anwendet.

Bei Hegel

Enz. §§ 39, 81 Anm. (das Dialektische und der Skeptizismus); § 81 Zus. 2 (der antike Skeptizismus).

Querverweise

Performativer Widerspruch; Wahrheit; Dialektik; Gewissheit

Nicht gemeint

Nicht die alltägliche Zurückhaltung im Urteilen und nicht die methodische Vorsicht, die Gründe verlangt --- beides ist unentbehrlich. Und nicht die antike Skepsis, die das Urteil zurückhält. Nur die These, es gebe keine Wahrheit, zerfällt, sobald man sie auf sich selbst anwendet.

In den ersten auflagen

1817 § 15

Im kommentar zu hegels logik

[[kleine-logik:1.1]]