Spekulation / spekulativ

Hegel (Methodenbegriff)

Spekulation ist bei Hegel nicht bloße Vermutung oder Fantasie, sondern die höchste Form des Denkens: das begreifende Erkennen, das die Einheit von Gegensätzen denkt. Spekulativ denken heißt, Widersprüche nicht zu vermeiden, sondern sie als Motor der Entwicklung zu begreifen. Der spekulative Satz durchbricht die übliche Subjekt-Prädikat-Form: Das Subjekt bleibt nicht fest, sondern entwickelt sich im Prädikat. "Das Wahre ist das Ganze" - ein spekulativer Satz.

Herkunft

Von lat. *speculum* (Spiegel) und *speculari* (spähen, schauen). In der mittelalterlichen Philosophie: kontemplative Schau des Göttlichen. Hegel transformiert: Spekulation ist nicht passive Schau, sondern aktive Denkbewegung, die sich selbst reflektiert - der Spiegel, der sich selbst spiegelt.

Bei Hegel

Enz. §82

Querverweise

Dialektik · Methode · Vernunft · Widerspruch · Begriff