Trieb
Hegel (Kernbegriff)
Die von innen kommende Bewegung eines Wesens, das einen Mangel an sich selbst hat und ihn aufhebt. Hegel bestimmt ihn am Widerspruch: Der Trieb sei "nichts anderes, als daß Etwas in sich selbst und der Mangel, das Negative seiner selbst, in einer und derselben Rücksicht ist" --- und darum bleibt es nicht stehen. Das unterscheidet Lebendiges von Totem: "Etwas ist also lebendig, nur insofern es den Widerspruch in sich enthält, und zwar diese Kraft ist, den Widerspruch in sich zu fassen und auszuhalten" (TWA 6, 76). Schon in der Seinslogik gebraucht Hegel das Wort: Das Empfindende "in der Schranke des Hungers, Durstes usf. ist der Trieb, über diese Schranke hinauszugehen" (TWA 5, 146; siehe Schranke). In der Idee des Lebens trägt er die Selbsterhaltung: Der Organismus nimmt Fremdes auf und macht es zu Eigenem (Kap. 16.1). Dort ist er zweckgerichtet, aber nicht wissend --- ein objektives Telos, noch keine Absicht (Kap. 15.1). In der Idee des Erkennens und des Guten kehrt er als Trieb der Idee wieder, sich zu realisieren (Enz. § 233). Am Schluss der großen Logik heißt so auch der Drang über die Logik hinaus: Weil die Idee "in die Subjektivität eingeschlossen ist, ist sie Trieb, diese aufzuheben" (TWA 6, 572). Hegel gebraucht dafür dasselbe Wort wie für die praktische Idee (TWA 6, 542; Kap. 20.1).
Nicht gemeint
Nicht nur der Trieb der Psychologie, das Bedürfnis oder die Leidenschaft eines Menschen --- die behandelt Hegel in der Philosophie des Geistes (Enz. §§ 473-475) ---, und kein bloß blindes Drängen: Im Leben weiß der Trieb nichts von sich, im Erkennen und Wollen ist er der Trieb der Idee selbst.
Bei Hegel
TWA 5, 146; TWA 6, 76; Enz. §§ 218-220 (Lebensprozess); Enz. §233 (der Trieb der Idee des Guten, sich zu realisieren); TWA 6, 542 und 572 (Trieb der praktischen Idee, Trieb über die Logik hinaus).
Querverweise
Widerspruch; Leben; Selbsterhaltung; Wollen (praktisches); Zweck
Nicht gemeint
Nicht nur der Trieb der Psychologie, das Bedürfnis oder die Leidenschaft eines Menschen --- die behandelt Hegel in der Philosophie des Geistes (Enz. §§ 473-475) ---, und kein bloß blindes Drängen: Im Leben weiß der Trieb nichts von sich, im Erkennen und Wollen ist er der Trieb der Idee selbst.
In den ersten auflagen
1817 §§ 165-168, 179-181
Im kommentar zu hegels logik
[[kleine-logik:1.8]], [[kleine-logik:15.1]], [[kleine-logik:16.1]], [[kleine-logik:18.1]], [[kleine-logik:20.1]]
Systematischer ort
133 --- Begriff → Die Idee