Der Tod

[Hegel-Originaltext. Auswahl und Anmerkungen [...] von M.Grimsmann und L.Hansen, Jan. 2000
Abkürzungen für Quellangaben siehe Info]

 

Die nächste Bestimmung aber,
welche sich an die Veränderung anknüpft, ist,
daß die Veränderung, welche Untergang ist,
zugleich Hervorgehen eines neuen Lebens ist,
daß aus dem Leben Tod, aber aus dem Tod Leben hervorgeht.
 
Es ist dies ein großer Gedanke,
den die Orientalen erfaßt haben,
und wohl der höchste ihrer Metaphysik.
 
In der Vorstellung von der Seelenwanderung
ist er in Beziehung auf das Individuelle enthalten;
allgemeiner bekannt ist aber das Bild des Phönix,
von dem Naturleben,
das ewig sich selbst seinen Scheiterhaufen bereitet
und sich darauf verzehrt,
so daß aus seiner Asche
ewig das neue, verjüngte, frische Leben hervorgeht.
 
Dies Bild ist aber nur asiatisch, morgenländisch,
nicht abendländisch.
 
Der Geist, die Hülle seiner Existenz verzehrend,
wandert nicht bloß in eine andere Hülle über,
noch steht er nur verjüngt aus der Asche seiner Gestaltung auf,
sondern er geht erhoben, verklärt,
ein reinerer Geist aus derselben hervor.
 
Er tritt allerdings gegen sich auf, verzehrt sein Dasein,
aber indem er es verzehrt, verarbeitet er dasselbe,
und was seine Bildung ist,wird zum Material,
an dem seine Arbeit ihn zu neuer Bildung erhebt.             (VP)
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Das Nähere aber ist,
daß das Endliche nicht bloß von außen her beschränkt wird,
sondern durch seine eigene Natur sich aufhebt
und durch sich selbst in sein Gegenteil übergeht.
 
So sagt man z. B.: der Mensch ist sterblich,
und betrachtet dann das Sterben als etwas,
das nur in äußeren Umständen seinen Grund hat,
nach welcher Betrachtungsweise
es zwei besondere Eigenschaften des Menschen sind,
lebendig und auch sterblich zu sein.
 
Die wahrhafte Auffassung aber ist diese,
daß das Leben als solches den Keim des Todes in sich trägt
und daß überhaupt das Endliche sich in sich
selbst widerspricht und dadurch sich aufhebt.             (Enz-L)
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Das Endliche ist als das Negative bestimmt,
muß sich von sich befreien;
dies erste, natürliche, unbefangene
Sichbefreien des Endlichen von seiner Endlichkeit ist der Tod;
dies ist das Verzichtleisten auf das Endliche,
und es wird hier real, actualiter gesetzt,
was das natürliche Leben an sich ist.
 
Die sinnliche Lebendigkeit des Einzelnen hat ihr Ende im Tode.
 
Die einzelnen Empfindungen sind als einzeln vorübergehend:
eine verdrängt die andere;
ein Trieb, eine Begierde vertreibt die andere.
 
Dieses Sinnliche setzt sich realiter als das, was es ist,
in seinem Untergange.
Im Tode ist das Endliche als aufgehobenes gesetzt.
 
Aber der Tod ist nur die abstrakte Negation des an sich Negativen;
er ist selbst ein Nichtiges, die offenbare Nichtigkeit.
 
Aber die gesetzte Nichtigkeit
ist zugleich die aufgehobene und die Rückkehr zum Positiven.
 
Hier tritt das Aufhören, das Loskommen von der Endlichkeit ein.
 
Dies Loskommen von der Endlichkeit ist im Bewußtsein
nicht das, was der Tod ist,
sondern dies Höhere ist im Denken,
- schon in der Vorstellung, soweit darin das Denken tätig ist.   
      (VR)




 



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