Textstellensammlung zur Sprache

[Original Hegel-Text. Auswahl M.Grimsmann/L.Hansen Jan.2001]


... es scheint, daß die Sprache der gebildetsten Völker
die unvollkommenere Grammatik,

und dieselbe Sprache bei einem ungebildeteren Zustande ihres Volkes
eine vollkommenere als bei dem höher gebildeten hat.
§449anm

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Geschieht dies doch schon bei sinnlichen Gegenständen,
daß ihre Zeichen in der Tonsprache,
ihre Namen häufig verändert werden,
wie z.B. bei den chemischen und mineralogischen.
 
Seitdem man vergessen hat, was Namen als solche sind,
nämlich für sich sinnlose Äußerlichkeiten,
die erst als Zeichen eine Bedeutung haben,
seit man statt eigentlicher Namen
den Ausdruck einer Art von Definition fordert
und dieselbe sogar häufig auch wieder nach Willkür und Zufall formiert,
ändert sich die Benennung,
d.i. nur die Zusammensetzung aus Zeichen ihrer Gattungsbestimmung
oder anderer charakteristisch sein sollender Eigenschaften,
nach der Verschiedenheit der Ansicht,
die man von der Gattung
oder sonst einer spezifisch sein sollenden Eigenschaft faßt.          (PG)


 
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Nennen wir Begriff die Bewegung des Wissens,
den Gegenstand aber das Wissen als ruhige Einheit oder als Ich,
so sehen wir, daß nicht nur für uns,
sondern für das Wissen selbst der Gegenstand dem Begriffe entspricht.
 
- Oder auf die andere Weise,
den Begriff das genannt, was der Gegenstand an sich ist,
den Gegenstand aber das, was er als Gegenstand oder für ein Anderes ist,
so erhellt, daß das Ansichsein und das Für-ein-Anderes-Sein dasselbe ist;...         (Phän-Einl.)


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Sie ist daher so wenig formell,
sie entbehrt so wenig der Materie
zu einer wirklichen und wahren Erkenntnis,
daß ihr Inhalt vielmehr allein das absolute Wahre oder,
wenn man sich noch des Worts Materie bedienen wollte,
die wahrhafte Materie ist
- eine Materie aber, der die Form nicht ein Äußerliches ist,
da diese Materie vielmehr der reine Gedanke,
somit die absolute Form selbst ist.
 
Die Logik ist sonach als das System der reinen Vernunft,
als das Reich des reinen Gedankens zu fassen.
 
Dieses Reich ist die Wahrheit,
wie sie ohne Hülle an und für sich selbst ist.
 
Man kann sich deswegen ausdrücken,
daß dieser Inhalt die Darstellung Gottes ist,
wie er in seinem ewigen Wesen vor der Erschaffung der Natur
und eines endlichen Geistes ist.     (Logik)
 
 

 
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Unter dem Objektiven versteht man
im Sprachgebrauch des gemeinen Lebens
das außer uns Vorhandene

und durch die Wahrnehmung von außen an uns Gelangende.

 

Kant stellte nun von den Denkbestimmungen (wie z. B. Ursache und Wirkung)

in Abrede, daß denselben Objektivität in dem
hier erwähnten Sinnzukomme,
d. h. daß dieselben in der Wahrnehmung gegeben seien,

und betrachtete dieselben dagegen als unserem Denken selbst

oder der Spontaneität des Denkens angehörig und in diesem Sinn als subjektiv.

 

Nun aber
nenntKant gleichwohldas Gedachte,
und näher das Allgemeine und Notwendige, das Objektive,

und das nur Empfundene das Subjektive.

 

Der vorher erwähnte
Sprachgebrauch erscheint hiermit
als auf den Kopf gestellt
,
und man hat Kant deshalb den Vorwurf der
Sprachverwirrunggemacht;
jedoch mit großem Unrecht.

 

Es verhält sich damit näher folgendermaßen.

 

Dem gemeinen Bewußtsein erscheint das demselben Gegenüberstehende,

sinnlich Wahrnehmbare (z. B. dieses Tier, dieser Stern usw.)

als das für sich Bestehende, Selbständige,

und die Gedanken gelten demselben dagegen als das Unselbständige

und von einem Anderen Abhängige.

 

Nun aber ist in der Tat das sinnlich Wahrnehmbare

das eigentlich Unselbständige und Sekundäre,

und die Gedanken sind dagegen das wahrhaft Selbständige und Primitive.

 

In diesem Sinn
hat Kant das Gedankenmäßige
(das Allgemeine und Notwendige) das Objektive
genannt,
und zwar mit vollem Recht.

 


Andererseits
ist das sinnlich Wahrnehmbare insofern allerdings das Subjektive,
als dasselbe seinen Halt nicht in sich selbst hat

und ebenso flüchtig und vorübergehend ist,

als dem Gedanken der Charakter der Dauer und des inneren Bestandes zukommt.

 

Die hier erwähnte und durch Kant geltend gemachte Bestimmung

des Unterschiedes zwischen dem Objektiven und Subjektiven

finden wir
denn auch heutzutage
im Sprachgebrauch
des höher gebildeten Bewußtseins;
so wird z. B. von der Beurteilung eines Kunstwerkes gefordert,

daß dieselbe objektiv und nicht subjektiv sein soll,

und darunter wird dann verstanden, daß dieselbe nicht von zufälliger,

partikulärer Empfindung und Stimmung des Augenblicks ausgehen,

sondern die allgemeinen und im Wesen der Kunst begründeten Gesichtspunkte

ins Auge fassen soll.

 

In demselben Sinne wird
bei einer wissenschaftlichen Beschäftigung
zwischen einem objektiven und einem subjektiven Interesse

unterschieden werden können.

 

 


Ferner
ist nun aber auch die Kantische Objektivität des Denkens
insofern selbst nur wieder subjektiv, als nach Kant die Gedanken,

obschon allgemeine und notwendige Bestimmungen,

doch nur unsere Gedanken

und von dem, was das Ding an sich ist,

durch eine unübersteigbare Kluft unterschieden sind.

 

Dagegen
ist die wahreObjektivität des Denkens diese,
daß die Gedanken nicht bloß unsere Gedanken, sondern zugleich

das Ansich der Dinge und des Gegenständlichen überhaupt sind.

 


- Objektiv und subjektiv sind
bequeme Ausdrücke,
deren man sich mit Geläufigkeit bedient

und bei deren Gebrauch gleichwohl sehr leicht
Verwirrung entsteht.
 


Nach der bisherigen Erörterung hat die Objektivität eine
dreifache Bedeutung.
 

Zunächst
die Bedeutung des äußerlich Vorhandenen,
im Unterschied vom nur Subjektiven, Gemeinten, Erträumten usf.;

zweitens
die von Kant festgestellte Bedeutung des Allgemeinen und Notwendigen
im Unterschied von dem unserer Empfindung angehörigen Zufälligen,

Partikulären und Subjektiven,

und drittens
die vorher zuletzt erwähnte Bedeutung des gedachten Ansich,
dessen, was da ist, im Unterschied von dem nur durch uns Gedachten

und somit noch von der Sache selbst oder an sich Unterschiedenen.
            (Zusatz 2 §41)



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