Gott ist die absolute Substanz

[Hegel-Originaltext. Auswahl und Anmerkungen [...] von M.Grimsmann und L.Hansen, Sep. 2002
Abkürzungen für Quellangaben siehe Info]

 

Gott [ist] das absolut Wahre, das an und für sich Allgemeine,
alles Befassende, Enthaltende und allem Bestandgebende
[...]
von dem alles ausgeht und in das alles zurückgeht,

von dem alles abhängig ist
[...]
   
Gott als dieses Allgemeine, das in sich [an sich] Konkrete, Volle ist dies,
daß Gott nur Einer ist
und nicht im Gegensatz gegen viele Götter;
sondern es ist nur das Eine, Gott.
[...]
 
Wenn wir den besonderen Dingen ein Sein zuschreiben,
so ist das nur ein geliehenes Sein, nur der Schein eines Seins,
nicht das absolut selbständige Sein, das Gott ist.
 
Gott in seiner Allgemeinheit,
dies Allgemeine, in welchem keine Schranke, Endlichkeit, Besonderheit ist,
ist das absolute Bestehen und allein das Bestehen;
und was besteht, hat seine Wurzel, sein Bestehen nur in diesem Einen.
 
Wenn wir diesen ersten Inhalt so auffassen, so können wir uns ausdrücken:
Gott ist die absolute Substanz, die allein wahrhafte Wirklichkeit.
 
Alles andere, was wirklich ist,
ist nicht für sich wirklich, hat kein Bestehen für sich;
die einzig absolute Wirklichkeit ist allein Gott;
so ist er die absolute Substanz.
[...]
 

Wenn wir an Gott denken, so sprechen wir dabei diesen Gang aus,
daß wir über das Sinnliche, Äußerliche, Einzelne uns erheben;
es wird eine Erhebung ausgesprochen zum Reinen, mit sich Einigen.

Diese Erhebung ist Hinausgehen über das Sinnliche und das bloße Gefühl
in die reine Region des Allgemeinen, und diese Region ist das Denken. [...]

Gott ist nicht die höchste Empfindung, sondern der höchste Gedanke;
wenn er auch in die Vorstellung herabgezogen wird,
so gehört doch der Gehalt dieser Vorstellung dem Reiche des Gedankens an.

Der törichteste Irrwahn unserer Zeit ist die Meinung,
daß das Denken der Religion nachteilig sei
und diese um so sicherer bestehe, je mehr jenes aufgegeben werde.   VR


 

Es ist die morgenländische Anschauung,
die sich mit Spinoza zuerst im Abendlande ausgesprochen hat.

Im allgemeinen ist darüber zu bemerken, daß das Denken
sich auf den Standpunkt des Spinozismus gestellt haben muß;
das ist der wesentliche Anfang alles Philosophierens.

Wenn man anfängt zu philosophieren,
so muß man zuerst Spinozist sein.

Die Seele muß sich baden in diesem Äther der einen Substanz,
in der alles, was man für wahr gehalten hat, untergegangen ist.

Es ist diese Negation alles Besonderen,
zu der jeder Philosoph gekommen sein muß;
es ist die Befreiung des Geistes und seine absolute Grundlage. [...]

 

Die absolute Substanz ist das Wahre,
aber sie ist noch nicht das ganze Wahre;
sie muß auch als in sich tätig, lebendig gedacht werden
und eben dadurch sich als Geist bestimmen.

Die Spinozistische Substanz
ist die allgemeine und so die abstrakte Bestimmung;
man kann sagen, es ist die Grundlage des Geistes,
aber nicht als der absolut unten festbleibende Grund,
sondern als die abstrakte Einheit, die der Geist in sich selbst ist.

Wird nun bei dieser Substanz stehengeblieben,
so kommt es zu keiner Entwicklung,
zu keiner Geistigkeit, Tätigkeit.    
         VP



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