Notwendigkeit
Hegel (Kernbegriff)
Notwendig ist, was nicht anders sein kann, weil alle Bedingungen zusammen sind. Drei Grade: die formelle als äußerliche Bedingtheit (wenn A, dann B); die reale, die ihre Bedingungen in der Sache hat; die absolute, in der die Sache ihr eigener Grund ist. Die reale ist zugleich relativ: "Was daher real möglich ist, das kann nicht mehr anders sein; unter diesen Bedingungen und Umständen kann nicht etwas anderes erfolgen." Aber: "Diese Notwendigkeit aber ist zugleich relativ. --- Sie hat [...] an dem Zufälligen ihren Ausgangspunkt" (TWA 6, 210 f.). An dieser Stelle schlägt der Begriff um: Die Wahrheit der Notwendigkeit ist die Freiheit. Das ist nicht die geläufige Formel, Freiheit sei die Einsicht in die Notwendigkeit. Die stammt von Engels: "Hegel war der erste, der das Verhältnis von Freiheit und Notwendigkeit richtig darstellte. Für ihn ist die Freiheit die Einsicht in die Notwendigkeit" (Anti-Dühring, Erster Abschnitt, Kapitel 11: Moral und Recht. Freiheit und Notwendigkeit; MEW 20, S. 106). Engels stützt sich dabei auf Hegels Satz, blind sei die Notwendigkeit nur, insofern sie nicht begriffen werde (Enz. § 147 Zus.), und meint keine Ergebung ins Unvermeidliche, sondern Handlungsfähigkeit: die "auf Erkenntnis der Naturnotwendigkeiten gegründete[] Herrschaft über uns selbst und über die äußere Natur" (ebd.). Hegel sagt nicht, die Freiheit sei die Einsicht in die Notwendigkeit, sondern ihre Wahrheit. Das Denken der Notwendigkeit ist ihm der Schritt dorthin, "vielmehr die Auflösung jener Härte" (Enz. § 159 Anm.). Die Lesart dieses Kommentars: Frei ist nicht erst, wer über das Notwendige verfügt, sondern wer es als das eigene hat (siehe Freiheit). Die Lesart dieses Kommentars: Der Weg dorthin führt über die Wechselwirkung, und die leistet weniger, als sie verspricht. Sie zeigt nur, dass die Bestimmung nicht einseitig von außen kommt; auch ein Regelkreis bestimmt sich wechselseitig, ohne frei zu sein (siehe Freiheit).
Nicht gemeint
Nicht bloß äußerer Zwang und kein Determinismus, nach dem alles im Voraus feststünde; notwendig heißt, dass alle Bedingungen zusammen sind. Und die Einsicht in die Notwendigkeit ist nicht schon die Freiheit, sondern der Schritt zu ihr.
Bei Hegel
Enz. §§ 147-159. "Im Begriffe hat sich daher das Reich der Freiheit eröffnet" (TWA 6, 250); "die Befreiung, welche nicht die Flucht der Abstraktion ist, sondern in dem anderen Wirklichen [...] sein eigenes Sein und Setzen zu haben" (Enz. §159 Anm.).
Querverweise
Wirklichkeit; Zufälligkeit; Freiheit; Wechselwirkung
Nicht gemeint
Nicht bloß äußerer Zwang und kein Determinismus, nach dem alles im Voraus feststünde; notwendig heißt, dass alle Bedingungen zusammen sind. Und die Einsicht in die Notwendigkeit ist nicht schon die Freiheit, sondern der Schritt zu ihr.
Im kommentar zu hegels logik
[[kleine-logik:7.4]], [[kleine-logik:7.7]], [[kleine-logik:7.10]], [[kleine-logik:7.11]]