Performativer Widerspruch
Transzendentalpragmatik (Apel, Habermas)
Ein Widerspruch zwischen dem propositionalen Gehalt einer Aussage und den performativen Voraussetzungen ihrer Äußerung. Beispiel: "Ich existiere nicht" -- die Aussage widerspricht der Tatsache, dass jemand sie äußert. Der performative Widerspruch zeigt, was wir nicht kohärent leugnen können, weil wir es im Vollzug der Leugnung bereits voraussetzen.
Herkunft
Aristoteles' Satz vom Widerspruch (unmöglich zu leugnen). Im 20. Jahrhundert wird dies von Apel und Habermas zur "transzendentalpragmatischen" Methode entwickelt -- nicht was gedacht werden kann, sondern was im Vollzug des Denkens bereits vorausgesetzt ist, ist unhintergehbar.
Bei Hegel
Entspricht der Methode der Selbstanwendung -- der Begriff prüft sich durch Vollzug seiner selbst.
Querverweise
Selbstanwendung · Performativ · Transzendentalpragmatik · Unhintergehbarkeit · Reflexionsformen
Im kontext der reflexionsformen (kap. 5.5)
Der performative Widerspruch ist der Moment der *äußeren Reflexion* -- das Gesetzte (die Behauptung) stößt auf Widerstand (den Vollzug, der ihr widerspricht). Die Auflösung des performativen Widerspruchs ist *bestimmende Reflexion*: Wir erkennen, warum der Widerspruch *notwendig* war und was er *zeigt*.
Beispiel (skeptiker)
- Setzende Reflexion: "Es gibt keine Wahrheit" (Behauptung wird gesetzt) - Äußere Reflexion: Die Behauptung beansprucht selbst Wahrheit (Widerstand) - Bestimmende Reflexion: Wahrheit ist unhintergehbar -- der Widerspruch *zeigt* dies
Systematischer ort
Der performative Widerspruch ist das Kriterium für unhintergehbare Strukturen -- was sich selbst aufhebt, wenn man es leugnet, muss wahr sein.