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Anwendung der drei logischen Formen auf Sein-Nichts-Werden

[M.Grimsmann u. L.Hansen. Jun 2002 ]

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Sind die allgemeinen Formen
direkt auf die ersten Bestimmungen zu übertragen?

Wir meinen
ja.

Das Folgende versucht diesen Zusammenhang aufzuzeigen:

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Der Verstand versteht: Sein ist nur Sein, sonst nichts.

Aber wie kommen wir dazu zu sagen Sein ist Nichts ?

"Die Unvollständigkeit dieser Weise, das Denken zu betrachten,
welche die Wahrheit auf der Seite läßt, ist allein dadurch zu ergänzen,
daß nicht bloß das, was zur äußeren Form gerechnet zu werden pflegt,
sondern der Inhalt mit in die denkende Betrachtung gezogen wird."
   (L-Vorr.)

Das Sein, welches nur Sein ist, abstrahiert von allem Anderen.

Es ist also nicht irgendein bestimmtes Sein
sondern reines, leeres Sein.
(Der Anfang, dh. der erste Gedanke, besser die erste Gedankenbestimmung
ist verständlicher Weise der einfachste, ärmste, Bistimmungsloseste.)

Und was ist der Inhalt eines Leeren? Nichts!

Das reine Sein ist seinem Inhalte nach nichts,
und dieser Inhalt muß auch gesetzt werden.

Daß aber das reine Sein nichts zu sein bedeutet,
das wissen nur wir, die wir dieses Sein betrachten;
für das Sein ist diese Bestimmung nicht;
der Ausdruck "Sein" drückt diese Bedeutung nicht aus.

Das Sein ist nur an sich Nichts.

Als gesetzt ist das Nichts schon für sich, gegen das Sein.
(so wie im Bild oben)

Es wird aber zunächst auch wie das Sein
unmittelbar, einfach, nur mit sich identisch genommen;
d.h. es wird auch als Verständiges gefaßt.

Die Einheit von Sein und Nichts ist also schon am Anfang "vorhanden",
aber sie ist noch nicht "gesetzt", das ist sie erst im Werden.

Wenn man wollte könnte man auch mit dem Nichts anfangen,
denn sie sind dasselbe.
Unmittelbar :
Sein ist Sein; Nichts ist Nichts.
Vermittelt :
Sein und Nichts haben dieselbe Bedeutung, sie sind also dasselbe.

 

"- Ebenso richtig als die Einheit des Seins und Nichtsist es aber auch,
daß sie
schlechthin verschieden sind, - das eine nicht ist was das andere ist.

Allein weil der Unterschiedhier sich noch nicht bestimmt hat,
denn eben Sein und Nichts sind noch das Unmittelbare,
so ist er, wie er an denselben ist,
das Unsagbare, die bloße Meinung."
 (Anm. §88)

 

Etwas genauer betrachtet fallen also Sein und Nichts
beide gleichermaßen in die Sphäre des Verstandes und der Dialektik :


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Text (Farben den Formen entsprechend) : 

" Erstes Kapitel: Sein

A. SEIN

Sein,
reines Sein,
- ohne alle weitere Bestimmung.

 
In seiner unbestimmten Unmittelbarkeit
ist es nur sich selbst gleich
und auch nicht ungleich gegen Anderes,
hat keine Verschiedenheit innerhalb seiner noch nach außen.
 
Durch irgendeine Bestimmung oder Inhalt, der in ihm unterschieden
oder wodurch es als unterschieden von einem Anderen gesetzt würde,
würde es nicht in seiner Reinheit festgehalten.
 
Es ist die reine Unbestimmtheit und Leere.
 
- Es ist nichts in ihm anzuschauen,
wenn von Anschauen hier gesprochen werden kann;
oder es ist nur dies reine, leere Anschauen selbst.
 
Es ist ebensowenig etwas in ihm zu denken,
oder es ist ebenso nur dies leere Denken.
 
Das Sein, das unbestimmte Unmittelbare ist in der Tat Nichts
und nicht mehr noch weniger als Nichts.
 

B. NICHTS
 
Nichts,
das reine Nichts;

es ist einfache Gleichheit mit sich selbst,
vollkommene Leerheit, Bestimmungs- und Inhaltslosigkeit;
Ununterschiedenheit in ihm selbst.
 
- Insofern Anschauen oder Denken hier erwähnt werden kann,
so gilt es als ein Unterschied,
ob etwas oder nichts angeschaut oder gedacht wird.
 
Nichts Anschauen oder Denken hat also eine Bedeutung;
beide werden unterschieden,
so ist (existiert) Nichts in unserem Anschauen oder Denken;
oder vielmehr ist es das leere Anschauen und Denken selbst
und dasselbe leere Anschauen oder Denken als das reine Sein.
 
- Nichts ist somit dieselbe Bestimmung oder vielmehr Bestimmungslosigkeit
und damit überhaupt dasselbe, was das reine Sein ist.
 

C. WERDEN
 
a. Einheit des Seins und Nichts
 
Das reine Sein und das reine Nichts ist also dasselbe.
 
Was die Wahrheit ist, ist weder das Sein noch das Nichts,
sondern daß das Sein in Nichts und das Nichts in Sein
- nicht übergeht, sondern übergegangen ist.
 
Aber ebensosehr ist die Wahrheit nicht ihre Ununterschiedenheit,
sondern daß sie nicht dasselbe, daß sie absolut unterschieden,
aber ebenso ungetrennt und untrennbar sind
und unmittelbar jedes in seinem Gegenteil verschwindet.
 
Ihre Wahrheit ist also diese Bewegung
des unmittelbaren Verschwindens des einen in dem anderen:
das Werden;

eine Bewegung, worin beide unterschieden sind,
aber durch einen Unterschied, der sich ebenso unmittelbar aufgelöst hat. "
(aus der Logik)

 

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Nochmal: 

"Das reine Sein macht den Anfang, weil es sowohl reiner Gedanke
als das unbestimmte, einfache Unmittelbare ist, der
erste Anfang aber nichts Vermitteltes und weiter Bestimmtes sein kann. ( § 86)
 

Dieses reine Sein ist nun die reine Abstraktion,
damit das Absolut-Negative,
welches
gleichfalls unmittelbargenommen, das Nichts ist. (§ 87)
 

Das Nichts ist als dieses unmittelbare, sich selbst gleiche
ebenso umgekehrt dasselbe, was das Sein ist.

Die Wahrheit des Seins sowie des Nichts ist daher die Einheit beider;
diese Einheit ist das Werden. (§ 88) "

 

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