4. Zum Übergang der symbolischen Kunstform in die klassische

[Hegel-Originaltext. Auswahl und Anmerkungen [...] von M.Grimsmann und L.Hansen, Apr. 1999
(Textgrundlage: Hegels Vorlesungen über die Ästhtik)
Abkürzungen für Quellangaben siehe Info]

 

Am Ende der symbolischen Kunstform sind also Bedeutung und Ausdruck
gänzlich auseinandergefallen und relative Seiten gegeneinander geworden.

Da aber der Begriff der Kunst enthält,
daß der Gehalt und Gegenstand der Kunst das Absolute ist,
die Kunst nicht irgendeine bestimmte und beschränkte Bedeutung,
sondern die absolute darzustellen zum Zweck hat,
weswegen die Kunstwerke der vergleichenden Art des Symbolisierens
als "untergeordnete" (S. 488) bezeichnet werden,
ergibt sich für das Kunstbewußtsein die Forderung
sich nicht mit dem Endlichen und Beschränkten Gehalt zu begnügen,
sondern sich wieder auf das Substantielle zu besinnen.

Auf der Seite der Gestalt oder des Ausdrucks aber ergibt sich die Forderung,
sich nach einem anderen Material im Natürlichen umzusehen.

In der symbolischen Kunstform
ist das natürliche Material für den Ausdruck des Geistig-Unendlichen
nur das elementarische und animalische,
dessen Unangemessenheit mit diesem
zum Auseinanderfallen von Bedeutung und Ausdruck führte.

Das angemessene Material findet der Künstler am menschlichen Körper,
der einerseits, wie das animalische,
dem natürlichen, sinnlichen Elemente, also dem Elemente der Kunst angehört, andererseits aber an ihm selbst nur das Absolute, den Geist, ausdrückt,
was das animalische nicht vermag.

Hegel führt dazu in der Einleitung zu klassischen Kunstform (S.21) aus:

"Wenn deshalb die Leiblichkeit dem Geist als sein Dasein zugehört,
so ist auch der Geist das dem Leibe angehörige Innere
und keine der äußeren Gestalt fremdartige Innerlichkeit,
so daß die Materialität nicht noch eine andere Bedeutung in sich hat
oder darauf hindeutet.

Zwar trägt die menschliche Gestalt
viel von dem allgemeinen animalischen Typus an sich,
aber der ganze Unterschied des menschlichen Körpers vom tierischen
besteht nur darin,
daß der menschliche sich seiner ganzen Bildung nach
als der Wohnsitz, und zwar als das einzig mögliche Naturdasein des Geistes erweist."

 

Ehe aber der geistige Gehalt,
der am Ende der symbolischen Kunstform als ein endlicher und beschränkter erscheint, sich zur freien, selbständigen Individualität fortentwickelt hat,
welche sich auf der höchsten Spitze der klassischen Kunst und der Kunst überhaupt
als dem menschlichen Leib vollkommen durchdrungen erweisen wird,
fällt innerhalb der klassischen Kunstform
noch der Gestaltungsprozeß dieses klassischen Ideals,
welcher zunächst zur Bestimmung
die Degradation des elementarischen und animalischen Ausdrucks
unter die Bedeutung hat.
 

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