Idee des Lebens
Hegel (Begriffslogik, Idee)
Die erste und unmittelbarste Form der Idee (Kap. 19.1); die Einheit von Begriff und Objektivität. Sie bezeichnet die logische Struktur der **Selbstorganisation**. Der kategoriale Sprung von der Objektivität (die "für Anderes" ist) zur Idee des Lebens ist die **Selbstbeziehung**: Das System ist **Bei-sich-Sein** (in seiner Organisation), **Für-sich-Sein** (im gefühlten Mangel/Trieb) und **Aus-sich-Sein** (in der Selbstaufhebung). Diese Selbstbeziehung manifestiert sich in **drei fundamentalen Prozessen (S³-Struktur)**, die jeweils als vollständige Schlusssysteme begriffen werden (Kap. 19): 1. **Selbstdifferenzierung** (innere Organisation) 2. **Selbsterhaltung** (Assimilation von Anderem) 3. **Selbstaufhebung** (Entwicklung über das Einzelne hinaus, z.B. Gattung) Die Idee des Lebens ist **universal** ("lebendiger Begriff", Kap. 19.3) und gilt nicht nur für biologische Organismen, sondern auch für Theorien, Institutionen etc. (Kap. 19.6). Ihre Grenze ist ihre **Unbewusstheit** (sie vollzieht die Struktur, ohne sie zu erkennen), was den Übergang zum Erkennen (Kap. 21) nötig macht (Kap. 19.8).
Herkunft
Kant: Leben als Zweckmäßigkeit ohne Zweck. Hegel: Leben als erste Verwirklichung des Begriffs.
Bei Hegel
Enz. §216-222; WdL Bd. 2, Idee des Lebens
Querverweise
Leben · Idee · Teleologie · Selbstbeziehung · Selbstdifferenzierung · Selbsterhaltung · Selbstaufhebung · Gattung · S³-Struktur