Idee des Lebens

Hegel (Kernbegriff)

Die Idee des Lebens ist die erste, unmittelbare Gestalt der Idee: "Die erste Form der Idee ist das Leben, d. i. die Idee in der Form der Unmittelbarkeit" (Enz. § 215 Zus.). Der Sprung gegenüber der Objektivität ist die Selbstbeziehung. Ein Mechanismus wird von außen geordnet; ein Lebendiges ordnet sich von einem Zentrum her, das Hegel die Seele nennt: "Der Begriff ist als Seele in einem Leibe realisiert" (Enz. § 216), im Kolleg "der für sich existirende begriff, der ausgegossen ist in das, was als Materiatur erscheint" (Nachschrift Kehler, Kolleg 1825: GW 23.1, S. 397). In Mechanismus und Chemismus war zwischen Begriff und Objekt "zu viel Identisch", in der äußeren Zweckmäßigkeit "zu wenig" (ebd.); im Leben sind beide identisch und bleiben unterschieden. Unmittelbar heißt diese Gestalt, weil der Begriff unmittelbar in seinem Leib ist; darum sind Seele und Leib trennbar, und "dies macht die Sterblichkeit des Lebendigen aus" (Enz. § 216). Im Tod des Einzelnen befreit sich die Idee des Lebens von dieser Unmittelbarkeit; das ist Hegels Übergang zum Erkennen (§ 222). Hegel nennt den Grund mit dem Wort, das die Begriffslogik trägt: Das Individuum "ist daher an sich zwar Gattung, aber es ist die Gattung nicht für sich" (TWA 6, 484). Ausdrücklich wird das Allgemeine erst, wo es dem Einzelnen gegenübertritt, in der Form des Urteils; von der Idee des Lebens heißt es: "In ihrem Urteil ist sie das Erkennen überhaupt" (TWA 6, 486 f.). Ein Bewusstsein ist damit nicht vorausgesetzt: "Denken, Geist, Selbstbewußtsein sind Bestimmungen der Idee, insofern sie sich selbst zum Gegenstand hat" (ebd.). Die Lesart dieses Kommentars fasst den Grund so: Das Lebendige vollzieht seine Struktur, ohne sie zu wissen.

Bei Hegel

Enz. §§ 213-222; TWA 6, 469 ff., zum Übergang ins Erkennen 484 und 486 f.

Querverweise

Leben; S³-Struktur; Idee; Objektivität; Teleologie

In den ersten auflagen

1817 §§ 161-169

Im kommentar zu hegels logik

[[kleine-logik:15a]], [[kleine-logik:16.1]], [[kleine-logik:16.6]]