Unmittelbar / Vermittelt

Hegel (durchgängig)

Nicht temporal gemeint (zuerst unmittelbar, dann vermittelt), sondern logisch. Das Unmittelbare ist das scheinbar Einfache, Voraussetzungslose. Das Vermittelte ist das durch Anderes Bestimmte. Aber: Das wahrhaft Unmittelbare ist vermittelt (durch Aufhebung der Vermittlung). Die Wahrheit ist *vermittelte Unmittelbarkeit*.

Herkunft

Traditionell: Unmittelbar = direkt gegeben. Hegel: Das Unmittelbare ist Resultat der Vermittlung.

Bei Hegel

Enz. §86 (Anm.); durchgängig

Querverweise

Reflexion · Reflexionsformen · Dasein · Existenz · Aufhebung

Entsprechung zu den reflexionsformen (kap. 5.5)

| Reflexionsform | Unmittelbar/Vermittelt | Was erscheint wie | |----------------|------------------------|-------------------| | Setzende | Unmittelbarkeit | Das Gesetzte ist einfach da | | Äußere | Vermittlung | Das Vorausgesetzte kommt von anderswoher | | Bestimmende | Vermittelte Unmittelbarkeit | Das Unmittelbare ist selbst vermittelt |

Die pointe

In der bestimmenden Reflexion wird erkannt: Was unmittelbar erschien (das Gesetzte), war immer schon vermittelt. Was vermittelt erschien (das Vorausgesetzte), ist selbst gesetzt. Das ist "vermittelte Unmittelbarkeit" -- die Wahrheit beider einseitigen Momente.

Entwicklung durch die logik

- Seinslogik: Das Unmittelbare erscheint als einfach gegeben (Sein) - Wesenslogik: Das Unmittelbare ist immer schon vermittelt -- es "scheint" in seinem Anderen - Begriffslogik: Die Vermittlung ist selbst unmittelbar geworden -- der Begriff bestimmt sich selbst