Kommentar zum subjektiven Geist, Kapitel 3

Wo dieser Band im System steht

Wer wissen will, woran er ist, bevor die Paragraphen beginnen, findet es hier — notgedrungen behauptend, weil die Begründungen erst folgen. Kap. 26a holt das am Ende nach.

Der subjektive Geist steht zwischen zwei Nachbarn, und er ist der einzige Teil des Systems, der in beide Richtungen Anschluss halten muss. Nach vorn liegt die Natur, nach hinten der objektive Geist. Was dieser Band leistet, ist die Strecke dazwischen: von der Seele, die noch ganz in ihre Leiblichkeit versenkt ist, bis zum freien Willen, mit dem die Rechtsphilosophie einsetzt.

Aus der Natur kommt mehr, als der Schnitt vermuten lässt. Hegels Naturphilosophie, 37a endet beim Tier, weil die Natur die Allgemeinheit nur als Wiederholung erreicht. Was dort fehlt — sich als Gattung zu wissen —, ist der Anfang hier. Aber die Anthropologie handelt nicht von dem, was den Menschen vom Tier trennt, sondern von dem, was er mit ihm teilt, und davon, wie er sich dazu verhält. Wer eine Grenzziehung zwischen zwei Stoffgebieten erwartet, erwartet das Falsche.

Aus der Logik kommt das Werkzeug, nicht die Gliederung. Fünf Bestimmungen werden durchgehend gebraucht; Kap. 7a entwickelt sie kurz, bevor sie zum ersten Mal auftreten. Die Reihenfolge der drei Teile folgt daraus nicht. Sie begründet sich daran, dass jede Stufe an ihrer eigenen Bestimmung scheitert — ob das trägt, lässt sich an jedem Gelenk prüfen, und Kap. 10 sagt, wie.

Weitergegeben wird an den objektiven Geist. Vom natürlichen zum freien Willen beginnt beim freien Willen und stellt den Weg dorthin noch einmal kurz dar. Das ist keine Doppelung aus Versehen: Hegel selbst hat die Voraussetzungen zweimal gegeben, in den Grundlinien komprimiert in den §§ 4 bis 32, in der Enzyklopädie ausdrücklich als theoretischer, praktischer und freier Geist. Die ausführliche Fassung steht hier.

Drei Teile, drei Verfassungen. Anthropologie, Phänomenologie und Psychologie handeln nicht von drei Gegenständen, sondern von einem Vorgang in drei Verhältnissen: der Geist in die Natur versenkt, der Geist im Verhältnis zu einem Anderen, der Geist bei sich selbst. Wer sie als Fächer liest, wird die Übergänge nicht verstehen — und die Übergänge sind das, worauf es ankommt.

I.2 Der Eingang (§§ 381–387)

Bevor die Anthropologie beginnt, klärt Hegel vier Fragen, und keine davon ist entbehrlich: Wie kommt der Geist aus der Natur? Was macht ihn aus? Wie gliedert er sich? Und woraus folgt die Gliederung des subjektiven Geistes?