Kommentar zum subjektiven Geist, Kapitel 44
Ein Desiderat: die ostasiatische Rezeption
Nicht behandelt, aber vorgemerkt — weil sie eine Frage stellt, die im ersten Teil aufgetaucht ist.
Hegels Bestimmung des Triebes durch den Mangel und sein Befund, dass die Glückseligkeit als Summe von Befriedigungen scheitert, treffen sich mit buddhistischen Grundgedanken — und trennen sich an der Frage, ob der Mangel aufzuheben oder zu gestalten ist (siehe Erster Teil, zum praktischen Geist).
Die Kyōto-Schule hat genau dort angesetzt. Nishida Kitarō, Tanabe Hajime und Nishitani Keiji haben Hegels Dialektik mit den Begriffen des Zen und der Mahāyāna-Tradition zusammengedacht — nicht als Vergleich, sondern als Fortsetzung. Die koreanische Hegel-Forschung schloss daran an.
Ob dabei Hegel gewonnen oder verloren hat, wäre nach denselben Kriterien zu prüfen wie bei den übrigen Rezeptionen: Was soll gerettet werden, und was darf die Erfahrung ändern? Diesem Band fehlen dafür die Quellen.
Bibliographie
Hegels Texte
Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften (1830), §§ 377–482, zitiert nach TWA 10. Die Zusätze stammen aus der Freundesausgabe und gehen auf Vorlesungsnachschriften zurück.
Vorlesungen über die Philosophie des subjektiven Geistes, hg. von Christoph Johannes Bauer, 3 Bde., Hamburg 2016 (GW 25.1–3). Enthält die Nachschriften Hotho (1822), Griesheim (1825) und Stolzenberg (1827/28) sowie einen Anhang mit Varianten.
Vorlesungen über die Philosophie des Geistes. Berlin 1827/1828, nachgeschrieben von Johann Eduard Erdmann und Ferdinand Walter, hg. von Franz Hespe und Burkhard Tuschling, Hamburg 1994 (Vorlesungen, Bd. 13).
Philosophische Enzyklopädie. Nürnberg 1812/13, nachgeschrieben von Christian Samuel Meinel und Julius Friedrich Heinrich Abegg, hg. von Udo Rameil, Hamburg 2002 (Vorlesungen, Bd. 15). Die zugrunde liegenden Diktate erschienen bereits in der Freundesausgabe als Philosophische Propädeutik.
Nürnberger Gymnasialkurse und Gymnasialreden (1808–1816), GW 10, Hamburg 2006.
Grundlinien der Philosophie des Rechts (1820), §§ 4–32, TWA 7.
Editionen und Konkordanzen
G. W. F. Hegel, Philosophy of Subjective Spirit, hg. und übersetzt von Michael John Petry, 3 Bde., Dordrecht 1978. Zweisprachig, mit Quellennachweisen zur zeitgenössischen Literatur.
Konkordanz der Enzyklopädie-Auflagen 1817 / 1827 / 1830 (Arbeitsmittel des Projekts). Die Vorlesungen von 1822 und 1825 zitieren die Zählung der ersten Auflage.
Die Schüler
Carl Ludwig Michelet, Anthropologie und Psychologie oder die Philosophie des subjectiven Geistes, Berlin 1840. — Ders., Das System der Philosophie als exacter Wissenschaft, Bd. 3: Philosophie des Geistes, Berlin 1878.
Karl Rosenkranz, Psychologie oder die Wissenschaft vom subjectiven Geist, Königsberg 1837; 2. Aufl. 1843 („Nebst Widerlegung der vom Herrn Dr. Exner gegebenen vermeintlichen Widerlegung“). — Ders., System der Wissenschaft, Königsberg 1850, Dritter Teil.
Johann Eduard Erdmann, Leib und Seele. Nach ihrem Begriff und ihrem Verhältniß zu einander, Halle 1837; 2. Aufl. 1849. — Grundriss der Psychologie. Für Vorlesungen, Leipzig 1840; 2. Aufl. 1842; 3. Aufl. 1847. — Psychologische Briefe, Leipzig 1852; 2. Aufl. 1856 (fünf Auflagen). — Vorlesungen über Akademisches Leben und Studium, Leipzig 1858, Siebzehnte Vorlesung. — Grundriss der Geschichte der Philosophie, Bd. 3, Berlin 1866.
Erdmanns Vorträge: Ueber Lachen und Weinen (1850), Ueber die Langeweile (1852), Über Gewohnheiten und Angewohnheiten (1858), Das Träumen (1861), Ueber Schwärmerei und Begeisterung (1863), Ueber Dummheit (1866), Vom Vergessen (1869).
Julius Schaller, Die Philosophie unserer Zeit, Leipzig 1837. — Leib und Seele. Zur Aufklärung über „Köhlerglaube und Wissenschaft“, Weimar 1855. — Das Seelenleben des Menschen, Weimar 1860.
Die Gegner
Franz Serafin Exner, Die Psychologie der Hegelschen Schule, beurtheilt aus dem Standpunkte der Erfahrung, Erstes Heft, Leipzig 1842. — Zweites Heft: Die Erwiderungen der Herren K. Rosenkranz und J. E. Erdmann, Leipzig 1844.
Die Interpreten
Hermann Drüe, Die Philosophie des Geistes, in: Hegels „Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften“ (1830). Ein Kommentar zum Systemgrundriß, hg. von Herbert Schnädelbach, Frankfurt 2000.
Pirmin Stekeler-Weithofer, Hegels Realphilosophie, Hamburg 2023.
Dirk Stederoth, Hegels Philosophie des subjektiven Geistes. Ein komparatorischer Kommentar, Berlin 2001.
Richard Dien Winfield, Hegel and Mind. Rethinking Philosophical Psychology, Basingstoke 2009. — The Living Mind. From Psyche to Consciousness, Lanham 2011.
Vittorio Hösle, Hegels System, Kap. 6 (zitiert nach der italienischen Ausgabe).
Adriaan Peperzak, Hegels praktische Philosophie, Stuttgart-Bad Cannstatt 1991, S. 90–106.
Eigene Vorarbeiten
[[subjektiver-faktor]] behandelt die Psychologie im heutigen Sinn, [[handeln]] den praktischen Willen, [[systematisches-denken]] den theoretischen. Die Naturphilosophie, aus der dieser Teil hervorgeht, entwickelt [[hegel-natur]]; die Rechtsphilosophie, in die er mündet, [[hegel-recht]]. Zur Logik, die durchweg vorausgesetzt ist, [[kleine-logik]].