Der Übergang und die neue Bewegungsform
Hegels These: „Die Wahrheit des Seins ist das Wesen." Das klingt kryptisch, meint aber etwas Einfaches: Wenn Sie jede scheinbar unmittelbare Bestimmung konsequent durchdenken, stoßen Sie auf Vermittlungsstrukturen, die hinter der Oberfläche liegen. Das Wesen ist nicht ein Ding hinter Dingen, sondern die Vermittlungsstruktur, die allem Erscheinenden innewohnt. „Das Wesen ist der Schein seiner in sich selbst" — übersetzt: Was als bloße „Oberfläche" erscheint (der Schein), ist nicht weniger als das Wesen, sondern die Art und Weise, wie das Wesen sich zeigt. Der Schein ist nicht Täuschung, sondern Manifestation. Wie das Lächeln nicht „hinter" der Freude verborgen ist, sondern die Freude ist, die sich zeigt.
Vollziehen Sie den Unterschied: In der Seinslogik ging Sein in Nichts über — eines verschwand, das andere kam. Versuchen Sie jetzt etwas anderes: Denken Sie „Identität". Um Identität zu denken, müssen Sie wissen, wovon etwas identisch ist — also brauchen Sie „Unterschied". Aber der Unterschied ist nur Unterschied von einer Identität. Keines verschwindet! Beide bleiben, beide brauchen einander, beide scheinen ineinander wie in einem Spiegel. Dies ist der wichtigste methodische Einschnitt des gesamten Werks.