Der Übergang von Wesen zu Begriff

Die Wechselwirkung (Kap. 7) war die höchste Form der Wesenslogik: A bestimmt B, B bestimmt A, das System bestimmt sich selbst. Aber — wer vollzieht diese Reflexion? Die performative Frage führt zur Antwort: Der Begriff — die Selbstbestimmung, die sich ihre eigenen Voraussetzungen gibt. Die Wechselwirkung war noch „blind"; der Begriff ist die bewusste Aneignung dieser Struktur.

Hegels „Begriff" hat nichts mit „Wortbedeutung" zu tun. Hegel meint mit „Begriff" die innere Organisationsstruktur einer Sache — das, was sie zu dem macht, was sie ist. Entmystifiziert: Der „Begriff des Lebens" ist nicht unsere Definition von Leben, sondern (als Analogie:) so etwas wie die genetische Struktur, die den Organismus organisiert. Hegel nennt den Begriff das „Ich" der Sache, ihr „lebendiges Prinzip" — gemeint ist: jede Sache hat eine innere Logik, die bestimmt, wie ihre Teile zusammenhängen. Das klingt so, als wären Dinge Subjekte (genau die Mystifikation, die Marx kritisiert). Aber der entmystifizierte Kern ist nüchtern: Wenn wir eine Sache begreifen wollen, müssen wir ihre innere Struktur finden — nicht bloß ihre äußeren Merkmale auflisten.