DNA als paradigmatisches Beispiel
Strukturparallele, kein naturwissenschaftlicher Beweis: Die DNA zeigt Chemismus in reinster Form: Adenin „erkennt" nur Thymin, Guanin nur Cytosin. Die Beziehung ist hochspezifisch und konstitutiv — die DNA-Stränge sind füreinander da, jeder ist die Ergänzung des anderen. Aus dieser Spezifität entsteht Information. Die philosophische Pointe: Die Beziehung selbst wird zur Substanz. Die DNA ist weder nur „chemisch" noch nur „mechanisch" — sie zeigt den Übergang zur Teleologie: Die Information organisiert nachfolgende Prozesse (Proteinsynthese), hat also bereits den Charakter eines inneren Zwecks. Aber die DNA „will" nichts — sie ist blind. Der volle Übergang zur Teleologie verlangt bewusste Zwecksetzung.
Moderne Anwendung: Schnittstellen als technischer Chemismus. Die chemischen Prinzipien finden ihre vielleicht anschaulichste Illustration in der Informationstechnologie: USB-A und USB-B sind füreinander da wie Säure und Base — sie haben spezifische Affinität zueinander. Inkompatible Anschlüsse „reagieren nicht" miteinander. Ein Adapter wirkt wie ein Katalysator: Er ermöglicht die Verbindung, ohne selbst verbraucht zu werden. Und wenn zwei Computersysteme über kompatible Schnittstellen verbunden werden, entsteht Netzwerkfähigkeit — eine qualitativ neue Eigenschaft, die in keinem der Einzelsysteme enthalten war. Chemische Prinzipien (qualitative Affinität, katalytische Vermittlung, emergente Neuheit) wirken weit über die Chemie hinaus. Zugleich zeigen sowohl die DNA als auch die Schnittstellen, warum der Chemismus nicht das letzte Wort sein kann: Beide verweisen auf Zwecke — aber woher kommen die Zwecke? Das führt zur Teleologie.