Kommentar zu Hegel und Marx, Kapitel 26
7. Wie zu lesen ist, wer beide gebraucht
Zum Schluss die Regel, die sich aus dem Ganzen ergibt.
Wo Marx Hegel zu kritisieren scheint, ist zu prüfen, worauf die Kritik zielt. Zielt sie auf eine wirkliche Stelle der Hegelschen Selbstdarstellung — auf die Diktion, die eine Aufgabe wie einen Vollzug klingen lässt —, dann trifft sie meist. Zielt sie auf die Methode, dann meist nicht, denn Marx arbeitet mit ihr. Zielt sie auf eine Konkretion, die Hegel zu seiner Zeit nicht leisten konnte, dann ist sie Weiterführung und kein Einspruch.
Umgekehrt gilt: Wo Marxisten hinter das zurückgehen, was Hegel erreicht hatte — wo die Widerspiegelung an die Stelle der Vermittlung tritt, wo aus der Methode drei Gesetze werden, wo Wahrheit auf Wirksamkeit verkürzt wird —, verlieren sie mehr, als sie gewinnen. Die Kritik an der Diktion ist berechtigt; die Preisgabe der Begriffslogik ist es nicht.
Und für beide Seiten dieselbe Regel, die Marx aufgestellt und nicht durchgehalten hat: Eine Abstraktion darf nicht zum handelnden Subjekt erhoben werden, und die wirklichen Menschen dürfen nicht zu ihren Trägern werden. Wo das geschieht — ob die Idee handelt oder der Wert —, ist die Frage zugedeckt, auf die es ankommt: wer genau was tut, in welcher Position, unter welcher Vorgabe.
Wer beide so liest, hat kein System und keine Schule. Er hat Werkzeuge, deren Reichweite er kennt.