Zufälligkeit

Hegel (Wesenslogik, Modalität)

Das Zufällige ist das, was auch anders sein könnte --- Wirklichkeit, die nur als Möglichkeit erscheint. Hegel unterscheidet: 1. Epistemischer Zufall --- wir kennen die Ursachen nicht (aber sie existieren) 2. Praktischer Zufall --- Zusammentreffen unabhängiger Kausalreihen (Sie treffen "zufällig" einen Bekannten --- zwei unabhängige Wege kreuzen sich)

Herkunft

Aristoteles: to automaton (das Automatische, Zufällige). Mittelalter: contingentia vs. necessitas. Kant: Zufälligkeit als Modalkategorie. Hegel: Zufälligkeit als Übergangsform zur Notwendigkeit.

Bei Hegel

Enz. §144-146; WdL Bd. 2, Wirklichkeit

Die pointe

Zufälligkeit ist nicht grundlos, sondern unvollständig begründet. Der scheinbare Zufall motiviert, die Notwendigkeit zu suchen. "Alles Wirkliche hat einen Grund" heißt: Zufälligkeit ist aufzuheben ins Begreifen.

Die dialektische bewegung (kap. 7.5)

- Zufälligkeit treibt zur Notwendigkeit (wir suchen den Grund) - Aber Notwendigkeit erscheint zunächst als Zufall (wir kennen die Gründe noch nicht) - Die Wahrheit: "Das Notwendige setzt sich immer zufällig durch" --- die Struktur ist notwendig, der konkrete Vollzug kontingent

Beispiel (kap. 7.5)

Dass jemand den wissenschaftlichen Durchbruch macht, ist (unter bestimmten Bedingungen) notwendig. Wer es macht und wann genau, ist zufällig.