Kommentar zu Hegel und Marx, Kapitel 5
2. Die Umkehrung von Subjekt und Prädikat
Marx’ Verfahren lässt sich in einem Satz angeben. Hegel, sagt er, mache das Prädikat zum Subjekt und das Subjekt zum Prädikat: Die Idee erscheine als das Tätige, und die wirklichen Verhältnisse — Familie, bürgerliche Gesellschaft, Staat — erschienen als das, worin sie sich ausdrückt.
„Familie und bürgerliche Gesellschaft sind die Voraussetzungen des Staats; sie sind die eigentlich Tätigen; aber in der Spekulation wird es umgekehrt. Wenn aber die Idee versubjektiviert wird, werden hier die wirklichen Subjekte, bürgerliche Gesellschaft, Familie, ‚Umstände, Willkür etc.’ zu unwirklichen, anderes bedeutenden, objektiven Momenten der Idee."
Das Verfahren stammt von Feuerbach, und es hat dort seinen guten Sinn gehabt. Feuerbachs Religionskritik zeigt, dass die Eigenschaften, die dem Gott zugeschrieben werden, dem Menschen abgenommen sind: Nicht Gott hat den Menschen nach seinem Bilde geschaffen, sondern umgekehrt. Wer Subjekt und Prädikat zurücktauscht, gewinnt dort etwas — er findet den wirklichen Urheber dessen, was einer fremden Instanz gutgeschrieben wurde.
Marx überträgt das auf Hegel. Die Idee steht bei ihm an der Stelle Gottes, die wirklichen Menschen an der Stelle des enteigneten Urhebers.
Bevor man fragt, ob die Übertragung trägt, ist festzuhalten, worauf sie zielt. Sie zielt auf eine Sprechweise, die es bei Hegel wirklich gibt und die nicht wegzuinterpretieren ist.