Kommentar zum subjektiven Geist, Kapitel 16

Warum dieser Teil so heißt wie ein anderes Buch

Der Name ist kein Zufall und keine Verlegenheit. Hegel behandelt hier denselben Gegenstand wie im ersten Abschnitt der Phänomenologie des Geistes von 1807 — Bewusstsein, Selbstbewusstsein, Vernunft — und in derselben Folge.

Der Grund liegt in der Sache. Wo das Bewusstsein beginnt, beginnt die Unterscheidung von einem Anderen, das nicht ich bin. Das ist die Stelle, die das Buch von 1807 beschreibt, und sie ist hier erreicht.

Und Hegel sagt es selbst. In der Nachschrift von 1825 steht der Satz, der die Namensgleichheit erklärt:

„Die Form des Bewußtseins ist Erscheinung, scheint in das Object […] Es ist also so der Standpunkt des Verhältnisses, der Erscheinung, deshalb ist die umfassendere Vorlesung über diesen Gegenstand von mir Phänomenologie genannt worden.“[1]

Phänomenologie heißt: Lehre vom Erscheinen. Und Erscheinen heißt hier nicht Schein, sondern die Verfassung, in der etwas gegenübersteht. Beide Texte heißen so, weil beide denselben Standpunkt behandeln — den des Verhältnisses.

Mit dem Zusatz, der die Fassungen unterscheidet: Das Buch nennt Hegel „die umfassendere Vorlesung über diesen Gegenstand“.

Was die Anthropologie davor leistet, ist etwas anderes: den Umgang mit dem Leib und das Heraustreten aus der Natur. Dort war noch nichts unterschieden — die Seele hatte ihre Bestimmtheiten, verhielt sich zu ihnen, machte sie sich zu eigen. Erst wenn das gelingt und der Leib keinen Widerstand mehr leistet, muss ein Gegenüber auftreten.

Und was den Unterschied zwischen beiden Fassungen ausmacht: Das Buch von 1807 führt einen Gang vor, den ein Ich durchläuft — es ist ein Weg der Erfahrung, den der Leser mitgeht. Die Enzyklopädie zeigt dieselben Gestalten systematisch, als Stellen in einem Ganzen.

Es ist derselbe Kreis, einmal als Weg und einmal als Ort. [KF]


  1. Vorlesungen über die Philosophie des subjektiven Geistes, Nachschrift Griesheim, Kolleg 1825: GW 25.1. ↩︎