Kommentar zu Hegel und Marx, Kapitel 9
6. Wo das Verfahren nicht trägt
Die Umkehrung von Subjekt und Prädikat leistet, was Feuerbach von ihr verlangt hatte: Sie findet den wirklichen Urheber. Sie leistet nicht, was Marx von ihr verlangt.
Der Grund liegt in der Sache. Bei der Religionskritik gibt es einen wirklichen Urheber, dem etwas weggenommen wurde — die Menschen, die dem Gott ihre eigenen Eigenschaften zugeschrieben haben. Zurücktauschen heißt hier: das Weggenommene zurückgeben. Bei einer logischen Darstellung liegt der Fall anders. Wenn Hegel sagt, die Familie sei ein Moment der sittlichen Idee, dann schreibt er nicht der Idee etwas gut, was der Familie gehört. Er sagt etwas über die Familie — dass sie keine bloße Naturgegebenheit ist, sondern eine sittliche Einrichtung mit einer bestimmten Stellung im Ganzen. Diese Aussage kann richtig oder falsch sein. Der Tausch von Subjekt und Prädikat entscheidet darüber nichts.
Marx prüft es auch nicht. Er weist die Form nach — die Idee dirimiert sich in Momente — und lässt die Frage liegen, was in dieser Form behauptet wird. Damit entgeht ihm etwas, das für seine eigene Position zählt: Seine These, Familie und bürgerliche Gesellschaft seien die Voraussetzungen des Staates, steht Hegels Bestimmung inhaltlich nahe. Hegel setzt Familie und bürgerliche Gesellschaft als die endlichen Sphären voraus, in denen der Staat seinen Boden hat. Marx sagt, sie seien die wirklichen Voraussetzungen. Was auseinandergeht, ist die Sprache; ob auch die Sache auseinandergeht, wäre zu zeigen, und Marx zeigt es nicht.
Dahinter steht ein Problem, das über diese Stelle hinausreicht. Hegel verlangt durchgehend, die Methode müsse dem Inhalt angemessen sein; man habe zu prüfen, welche Gedanken in einer Darstellung stecken, bevor man über die Darstellung urteilt. Marx nimmt diese Forderung gegen Hegel in Anspruch — er wirft ihm vor, ein fertiges Schema an die Verhältnisse heranzutragen, statt sie aus sich entwickeln zu lassen. Auf sein eigenes Verfahren wendet er sie nicht an. Die Subjekt-Prädikat-Umkehrung ist selbst ein Schema, das an einen Text herangetragen wird, und die Frage, ob es diesem Text angemessen ist, wird nicht gestellt.
Was daraus folgt, ist keine Entlastung Hegels. Es folgt, dass die Kritik dort trägt, wo sie einen Fehler zeigt — die mystifizierende Sprache, das Zusammenfallen von Erkenntnis und Versöhnung, die Verkleidung des Preußischen als Notwendiges —, und dort nicht trägt, wo sie sich mit dem Nachweis der Form begnügt.
Ein Beispiel zeigt es an Marx’ positiven Bestimmungen. In der berühmten Passage über die Demokratie heißt es:
„Die Demokratie ist die Wahrheit der Monarchie, die Monarchie ist nicht die Wahrheit der Demokratie. Die Monarchie ist notwendig Demokratie als Inkonsequenz gegen sich selbst […] Die Demokratie ist das aufgelöste Rätsel aller Verfassungen."
Die Figur ist von Feuerbach übernommen: Wie der Mensch die Wahrheit Gottes sei, so die Demokratie die Wahrheit der Monarchie. Nur fehlt hier, was bei Feuerbach den Satz trug — der Nachweis, dass die Eigenschaften des einen dem anderen entstammen. Warum die Demokratie die Wahrheit der Monarchie sein soll und nicht umgekehrt, wird gesetzt und nicht entwickelt. Marx bringt eine politische Überzeugung mit, die er aus seiner Herkunft hat, und kleidet sie in ein Schema, das sie nicht begründet. An dieser Stelle klingt er hegelischer als in seinen Analysen — und ist am wenigsten überzeugend.
Dasselbe gilt für die Formel von der Umstülpung. Als Kritik an einer Sprechweise ist sie berechtigt. Als positive Methode, so, als sei durch das Umkehren etwas gewonnen, greift sie nicht. Die Frage ist nicht, ob man vom Menschen oder von der Idee ausgeht, sondern was über beide gesagt wird.
Auch die Rede vom wahren Ausgangspunkt beruht auf einer Verwechslung:
„Der wahre Ausgangspunkt, der sich wissende und wollende Geist, ohne welchen der ‚Staatszweck’ und die ‚Staatsgewalten’ haltungslose Einbildungen, essenzlose, sogar unmögliche Existenzen wären, erscheint nur als das letzte Prädikat der Substantialität, die vorher schon als allgemeiner Zweck und als die verschiedenen Staatsgewalten bestimmt war."
Marx hält Hegel vor, das Wirkliche stehe bei ihm am Ende, wo es an den Anfang gehöre. In Hegels Darstellung steht am Ende, was zuerst nur unbestimmt vorlag; die Bewegung vom Armen zum Reichen ist die Darstellungsform, nicht eine Behauptung über die Reihenfolge des Seins. Wer beides gleichsetzt, kritisiert eine Ordnung der Darstellung, als wäre sie eine Ordnung der Sache. Wie der Anfang zu lesen ist, entwickelt Die Qualität genauer.