Die Zeitschriften der Hegelschule

Dieser Text ist eine Vorschau auf Geschichte der Hegelrezeption, Band I, der 2026 bei Reflexivity Press erscheint.

Die Hegelschule verfügte über mehrere Publikationsorgane, deren Geschichte die politischen Verwerfungen der Zeit widerspiegelt.

Die “Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik” (1827-1846)

Die von Eduard Gans (siehe Kapitel 2.2b) mitherausgegebenen “Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik” waren das offizielle Organ der Hegelschule. Hegel selbst publizierte hier, ebenso seine wichtigsten Schüler. Unter dem Schutz des liberalen preußischen Kultusministers Karl vom Stein zum Altenstein (1770-1840) konnten die Jahrbücher relativ frei arbeiten.

Mit dem Thronwechsel 1840 änderte sich alles. Friedrich Wilhelm IV., romantisch-reaktionär gesinnt und dezidiert hegelfeindlich, beendete die Protektion. Die Zensur verschärfte sich massiv, die Selbstzensur folgte. Nach Gans’ frühem Tod (1839) fehlte zudem der organisatorische Motor. Die Jahrbücher degenerierten zu einem Schatten ihrer selbst - als sie schließlich 1846 eingestellt wurden, vermisste sie niemand mehr.

Die “Hallischen Jahrbücher” (1838-1843)

Als die Berliner Jahrbücher unter Zensurdruck gerieten, übernahmen die “Hallischen Jahrbücher für deutsche Wissenschaft und Kunst” von Arnold Ruge und Theodor Echtermeyer die Rolle des führenden hegelianischen Debattenforums. Sie erschienen in Halle (Sachsen), außerhalb der direkten preußischen Zensur, und wurden zum Organ des Spektrums von der Mitte bis zur Linken der Hegelschule.

Als auch in Sachsen der Druck zunahm, zogen die Herausgeber nach Dresden um und benannten die Zeitschrift am 1. Juli 1841 in “Deutsche Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst” um. Doch Ende Januar 1843 wurde auch diese Zeitschrift verboten. Ein letztes Aufflackern waren die “Deutsch-Französischen Jahrbücher” (1844), die Marx und Ruge in Paris herausgaben - aber nur eine Doppelnummer erschien.

“Der Gedanke” (1861-1884)

Nach dem Zusammenbruch der Hegelschule in den 1840er Jahren versuchten Carl Ludwig Michelet und August von Cieszkowski (siehe Kapitel 8.3 zu den polnischen Hegelianern) in den 1860er Jahren eine hegelianische Renaissance. Sie gründeten die Zeitschrift “Der Gedanke” (1861-1884) und einen “Philosophischen Verein” in Berlin.

Der Versuch blieb weitgehend wirkungslos - die intellektuelle Landschaft hatte sich zu sehr verändert. Der Materialismus, der Neukantianismus und die aufstrebenden Einzelwissenschaften dominierten. “Der Gedanke” dokumentiert jedoch, dass es auch nach der “Hegel-Müdigkeit” (Köhnke) Versuche gab, die hegelianische Tradition fortzuführen.