Das Absolute als Denken

Die Gliederung folgt Johann Eduard Erdmann (Grundriß der Geschichte der Philosophie, 2. Band, 1866, §§ 325–329). Die Zusammenfassung ist unsere.

Was hier zusammensteht, hat einen gemeinsamen Einwand gegen die beiden vorangehenden Abteilungen. Gegen Fichte: ein Ich, das alles setzt, kann nicht erklären, warum ihm etwas widersteht. Gegen Schelling: ein Absolutes, von dem sich nichts sagen läßt, erklärt nichts. Beide Wege enden in einem Unbestimmten.

Die Antwort ist in allen drei Fällen dieselbe Figur: Das Absolute ist nicht jenseits des Denkens und nicht bloß dessen Gegenstand — es ist die Bewegung, in der es sich selbst bestimmt. Wie weit diese Figur trägt, beantworten die drei verschieden.

Oken und Baader

Erdmann sieht in beiden die Hälften von Schellings Lehre, jede für sich zu Ende gedacht: Oken führt die Naturphilosophie aus, Baader die spätere, religiös gewendete Fassung. Was bei Schelling nacheinander kam, steht bei ihnen nebeneinander — und wird dadurch schärfer, aber auch einseitiger.

Diese Zuordnung ist Erdmanns eigene und war schon zu seiner Zeit umstritten; er hält in der zweiten Auflage ausdrücklich daran fest.

Krauses Panentheismus

Krause sucht die Mitte zwischen zwei Fehlern. Der Theismus stellt Gott der Welt gegenüber, der Pantheismus setzt beide gleich. Krauses Formel: die Welt ist in Gott, aber Gott geht nicht in ihr auf.

Das ist mehr als ein Kompromiß — es verlangt, das Verhältnis von Ganzem und Teil so zu denken, daß das Ganze in seinen Teilen wirklich ist, ohne sich in ihnen zu erschöpfen. Dieselbe Frage stellt sich in unserer Dreiecksdarstellung an jedem Knoten.

Hegel

Hegel gibt der Frage ihre Form. Nicht: was ist das Absolute? Sondern: wie bestimmt es sich? Damit ist die Methode kein Zugang zu einem Gegenstand mehr, sondern dessen eigene Bewegung.

Erdmann nennt das Panlogismus und verteidigt den Ausdruck gegen ein naheliegendes Mißverständnis: gemeint sei, daß die Vernunft alles ist, nicht daß nur das All Vernunft sei und der Einzelne nichts. Wie sich Vernunft und Einzelheit verhalten, sagt der Name nach seiner eigenen Auskunft überhaupt nicht.

Wir haben ihn nicht übernommen. Ein Name, der gegen sein naheliegendes Verständnis verteidigt werden muß, taugt als Überschrift nicht — und die Frage, wie Vernunft und Einzelheit sich verhalten, ist die Frage, um die es bei Hegel geht.

Warum diese drei zusammenstehen

Die Reihenfolge ist keine zeitliche. Oken und Baader denken die Natur als sich gliedernden Zusammenhang, Krause das Verhältnis von Welt und Grund, Hegel die Bewegung des Bestimmens selbst. Jeder Schritt nimmt weniger als gegeben hin — beim letzten steht nicht einmal die Methode fest, bevor sie sich selbst hervorgebracht hat.