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[Die moderne Philosophie]
?- 0 Hegels 'System der Wissenschaft'
- 1 Logik (Wissenschaft des Denkens)
- 2 Natur (Wissenschaft des Materiellen)
- 3 Geist (Wissenschaft des Menschlichen)
- 31 Subjektiver Geist (Wissenschaft des Inner-Menschlichen)
- 32 Objektiver Geist (Wissenschaft des Zwischen-Menschlichen)
- 33 Absoluter Geist (Wissen des Göttlichen)
- 331 Kunst (Anschauen der Wahrheit, Ästhetik)
- 332 Religion (Vorstellen der Wahrheit, Theologie)
- 333 Philosophie (Begreifen der Wahrheit)
- 3331 Philosophie der Antike (Wissen der Idee)
- 3332 Philosophie des Mittelalters
- 3333 Philosophie der Neuzeit (Sichwissen der Idee)
- 33331 Einigungsansätze von Denken und Sein
- 33332 Verstandesphilosophie der Neuzeit
- 33333 [Die moderne Philosophie]
- 333331 [Das Ich als Grund]
- 333332 [Das Absolute als Grund]
- 333333 [Jenseits Hegels]
Die moderne Philosophie
Die Gliederung folgt Johann Eduard Erdmann, dessen Grundriß der Geschichte der Philosophie (2. Band, 1866) diesen Zeitraum ordnet. Die Zusammenfassung ist unsere, und wo wir von ihm abweichen, sagen wir es.
Nach Kant steht die Philosophie vor einer Frage, die sie sich vorher nicht so stellen konnte: Wenn das Erkennen seine Gegenstände mitbestimmt, was ist dann der Grund — das erkennende Ich oder das, was ihm zugrunde liegt? Die drei Abteilungen sind drei Antworten darauf, und die dritte nimmt die beiden ersten auf.
Das Ich als Grund
Kant setzt die Bedingungen des Erkennens in das Subjekt, läßt aber ein Ding an sich außerhalb stehen. Reinhold sucht einen einzigen Satz, aus dem sich alles ableiten läßt. Fichte streicht das Ding an sich und macht das Ich zum einzigen Grund.
Die Bewegung geht auf ein Äußerstes zu: was als Kritik beginnt, endet als Behauptung, daß nichts ist außer dem, was das Ich setzt. Damit ist die Gegenfrage unausweichlich.
Das Absolute als Grund
Schelling kehrt das Verhältnis um. Nicht das Ich trägt die Natur, sondern beide gehen aus einem Dritten hervor, das weder Subjekt noch Objekt ist. Herbart und Schopenhauer bestreiten das von verschiedenen Seiten — der eine mit den Realen, der andere mit dem Willen —, und Schellings Freiheitsschrift zieht daraus die Folgerung, daß im Absoluten selbst ein Grund und ein Ungrund unterschieden werden müssen.
Auch hier führt die Bewegung an eine Grenze: ein Absolutes, von dem sich nichts sagen läßt, weil jede Bestimmung es einschränkte, erklärt nichts.
Das Absolute als Denken
Die dritte Abteilung nimmt beides auf. Das Absolute ist nicht jenseits des Denkens, und das Denken ist nicht bloß subjektiv — das Absolute ist die Bewegung, in der es sich selbst denkt.
Oken und Baader führen aus, was Schelling in zwei Phasen nacheinander vertreten hatte: Erdmann sieht in ihnen die beiden Hälften seiner Lehre, jede für sich zu Ende gedacht. Krause faßt in seinem Panentheismus die Welt als in Gott, ohne Gott auf sie zu beschränken. Und Hegel gibt der Frage ihre Form: nicht was das Absolute ist, sondern wie es sich bestimmt.
Zu Erdmanns Ausdruck „Panlogismus"
Erdmann nennt diese Abteilung Kosmosophie, Theosophie und ihre Vermittlung auf kritischer Grundlage und Hegels Stelle darin Panlogismus. Wir haben beides ersetzt: die Abteilung heißt hier Das Absolute als Denken.
Der Grund ist nicht, daß Erdmann sich irrte, sondern daß seine Ausdrücke heute etwas anderes sagen als bei ihm. Er verteidigt „Panlogismus" ausdrücklich gegen ein Mißverständnis: gemeint sei, daß die Vernunft alles ist, nicht daß nur das All Vernunft sei und der Einzelne nichts. Wie sich Vernunft und Einzelheit verhalten, sagt der Name nach seiner eigenen Auskunft überhaupt nicht.
Ein Name, der gegen sein naheliegendes Verständnis verteidigt werden muß, taugt als Überschrift nicht mehr — und wer Hegel sucht, sucht ihn nicht unter „Kosmosophie".