Kommentar zur Naturphilosophie, Kapitel 6

Wo dieser Band im System steht

Bevor die Sache beginnt, eine Orientierung. Sie ist knapp, weil sie sich auf nichts stützen kann, was noch nicht gezeigt wurde; der Rückblick in Kap. 37a nimmt sie am Ende wieder auf, dann mit dem Material in der Hand.

Die Naturphilosophie steht zwischen der Logik und der Philosophie des Geistes. Diese Stellung ist keine Sprosse auf einer Leiter. Sie bezeichnet ein Verhältnis: In der Logik stehen die Bestimmungen beisammen, in der Natur fallen sie auseinander, im Geist werden sie wieder zusammengenommen — und zwar wissentlich. Daran hängt alles Weitere. Die Natur braucht eine eigene Sphäre, weil in ihr das Vermittelnde selbst auseinandertritt; daher die vier Schritte, wo die Logik drei hat, daher die Ohnmacht, den Begriff festzuhalten, daher der Zufall.

Vorausgesetzt ist die Logik, aber nur als Werkzeug. Sie sagt, dass etwas sich auf sich beziehen, sich unterscheiden, sich erhalten und sich aufheben kann. Sie sagt nicht, welche Elemente es gibt, wie Vererbung funktioniert und wie lange ein Organismus lebt. Der Exkurs in Kap. 6 bis Kap. 8 entwickelt, was gebraucht wird; die ausführliche Fassung steht in Hegels Logik. Wer den Unterschied zwischen Strukturbedingung und Inhalt nicht macht, liest diesen Band als Ableitungsversuch und findet ihn dann mit Recht gescheitert.

Weitergegeben wird an den subjektiven Geist. Dieser Band endet beim Tier, weil die Natur die Allgemeinheit nur als Wiederholung erreicht: immer neue Einzelne, nie ein Einzelnes, das allgemein wäre. Was dem Tier fehlt, ist, sich als Gattung zu wissen. Dort setzt Der Übergang aus der Natur (§ 381) an. Eine Erwartung ist dabei gleich abzuwehren: Der Schnitt ist kein Materialschnitt. Die Anthropologie handelt von dem, was der Mensch mit dem Tier teilt — Lebensalter, Geschlecht, Wachen und Schlafen, Empfindung — und davon, wie er sich dazu verhält. Was wechselt, ist das Verhältnis, nicht der Gegenstand.

Was dieser Band nicht unternimmt. Er gibt keine Naturgeschichte; die Reihenfolge der Stufen ist eine begriffliche Ordnung, keine Abstammungsfolge. Er macht der Naturwissenschaft keine Vorschriften; beide Wege sind wissenschaftlich, und keiner hat den Vorrang. Und er entscheidet nicht, ob sich Hegels Stufenlehre an heutigen Befunden erneuern lässt — das bleibt eine Richtung, keine Ausführung.

Wie er zu lesen ist. Der erste Teil geht Hegels Text durch, der zweite die Rezeption. Wer nur wissen will, was von der Naturphilosophie bleibt, liest Teil V. Wer wissen will, warum sie ihren Ruf hat, liest Kap. 1 und dann Teil VI, wo sichtbar wird, was schon Hegels Schüler aus ihr gemacht haben.

Exkurs: Die logischen Bestimmungen und ihre Anwendung

Die Naturphilosophie ist Anwendung der Logik, aber nicht ihre Wiederholung. Der Unterschied ist genau zu fassen, weil an ihm die meisten Missverständnisse hängen.