Kommentar zum subjektiven Geist, Kapitel 23

Warum „Psychologie“ hier etwas anderes heißt

Die Warnung ist nötig, und Hegel spricht sie selbst aus — schon in der Einleitung zur Geistesphilosophie (§ 378 und, ausführlicher, der Zusatz dazu, den die Herausgeber aus Nachschriften gebildet haben).

Er unterscheidet dort drei Zugänge, die er alle verwirft. Die Pneumatologie oder „sogenannte rationelle Psychologie“ behandle den Geist nach Art „abstrakter Verstandesmetaphysik“ — sie frage, ob die Seele „einfach, immateriell, Substanz sei“, und mache aus ihr ein Ding. Die empirische Psychologie beobachte und beschreibe „die besonderen Geistesvermögen“, bringe es aber „nicht zur wahrhaften Vereinigung des Einzelnen und Allgemeinen“. Und die bloße Beobachtung der „zufälligen Einzelheit“ leiste ohnehin nichts.

Was Hegel stattdessen tut, ist weder das eine noch das andere: Er fragt nicht, welche Vermögen es gibt und wie sie zusammenwirken, sondern welche Formen es gibt, in denen der Geist sich zu einem Inhalt verhält — und wie sie auseinander folgen.

Und daraus die Warnung, die er ausdrücklich formuliert: Die Schwierigkeit bestehe „für den Verstand darin, sich von der Trennung, die er sich einmal zwischen den Seelenvermögen, dem Gefühle, dem denkenden Geiste willkürlich gemacht hat, loszumachen und zu der Vorstellung zu kommen, daß im Menschen nur eine Vernunft im Gefühl, Wollen und Denken ist“ (§ 471 Anm.).

Das ist der Satz, an dem alles hängt. Wer Anschauung, Vorstellung, Denken, Gefühl und Wille für fünf Vermögen hält, die nebeneinander arbeiten, hat den Teil verfehlt, bevor er ihn liest. Es ist eine Tätigkeit in verschiedenen Formen. [KF]