Kommentar zur Rechtsphilosophie, Kapitel 9
1. Was Logik bei Hegel heißt
Hegels Logik ist nicht die formale Logik, die Schlussregeln und Inferenzformen behandelt. Sie ist auch nicht eine Wissenschaft des richtigen Denkens, die Regeln dafür gibt, wie ein Subjekt seine Gedanken zu führen hat. Sie ist Denken des Denkens: die systematische Selbstaufklärung dessen, was im Denken überhaupt geschieht, wenn es einen Gegenstand bestimmt — sei dieser Gegenstand ein Ding, eine Eigenschaft, ein Verhältnis, ein Vorgang, eine Person oder was sonst.
Die Pointe ist, dass das Denken in solchen Bestimmungen nicht beliebig vorgeht, sondern bestimmten Strukturen folgt, die sich gegenseitig hervortreiben. Denken setzt zunächst irgendetwas als seiend (ein ist); dann zeigt sich, dass dieses Seiende immer schon mehr ist, als die unmittelbare Setzung sagen kann — es hat ein Wesen, das sich in der Erscheinung zeigt — nicht hinter ihr; Hegel sagt im Kolleg ausdrücklich, das Wesen sei “nicht hinter der Erscheinung”, es sei “heraus”; und schließlich erweist sich, dass Sein und Wesen nur Momente einer Bewegung sind, die Hegel den Begriff nennt: das, was sich selbst durch seine Unterschiede hindurch bestimmt und in dieser Selbstbestimmung die Wahrheit von Sein und Wesen darstellt.
Drei große Stufen gliedert die Logik daher: die Lehre vom Sein, die Lehre vom Wesen und die Lehre vom Begriff. Die drei unterscheiden sich nicht nur im Gegenstand, sondern in der Bewegungsform: Im Sein geht eine Bestimmung in ihr Anderes über; im Wesen scheinen zwei Bestimmungen ineinander und konstituieren sich wechselseitig; im Begriff entwickelt sich eine Bestimmung aus dem, was in ihr angelegt war (Die Qualität (optional) bis Die absolute Idee (optional)). Für die folgende Darstellung der Rechtsphilosophie ist vor allem die Lehre vom Begriff relevant — und in ihr drei Stationen, die für das Verständnis menschlichen Handelns zentral sind.
2. Die Lehre vom Begriff: subjektiver Begriff, Objekt, Idee
Die Lehre vom Begriff gliedert sich in drei Stufen: Sie beginnt mit dem subjektiven Begriff (dem Begriff des Begriffs), wendet sich dann zum Objekt (dem Begriff dessen, was nicht selbst Begriff ist) und kommt schließlich zur Idee (in der subjektiver Begriff und Objekt als Einheit gefasst werden).
Der subjektive Begriff ist der Begriff, soweit er aus sich selbst heraus seine Bestimmungen entfaltet — Allgemeines, Besonderes, Einzelnes; Urteil und Schluss als die Formen, in denen die Bestimmungen miteinander verknüpft sind (Der Begriff als lebendige Selbstbestimmung (optional) bis Der Schluss (optional)). Hier zeigt das Denken seine eigene innere Gliederung, ohne sich auf etwas Äußeres zu beziehen.
Warum es beim subjektiven Begriff nicht bleibt, hat einen Grund, der hier mitgeteilt werden muss, weil er die ganze folgende Analyse trägt. Der disjunktive Schluss (“A ist entweder B oder C”) funktioniert nur, wenn man die Besonderheiten kennt, in die sich das Allgemeine zerlegt. Der Begriff des Begriffs sagt aber nur, wie Begriffe gebaut sind, nicht welche es gibt — er ist das Allgemeine und braucht seine Besonderungen. Dazu kommt: Das Denken ist immer auch Denken von anderem; ohne diese Differenz bliebe es bei reinem Selbstbezug. Hegel selbst sagt es im Kolleg knapper: Sind die Momente des Begriffs “jedes zur Totalität entwickelt”, so ist jedes “Selbstständigkeit” — und selbständige Momente sind keine bloßen Gedankenbestimmungen mehr. “Das ist der wahrhafte Uebergang in das Object.”[1] Vgl. Der subjektive Begriff. [KF]
Das Objekt ist also die nächste Stufe. Die geläufige Kurzformel — der Begriff dessen, was nicht selbst Begriff ist — trifft die Sache nur halb, denn sie legt ein begriffloses Außen nahe. Genauer: Objektivität ist das, woran die kategorialen Formen sich zeigen und wozu sie gehören. Gemeint ist die logische Form dessen — also die logische Form dessen, was wir als Natur, als Gegenständliches, als Außerbegriffliches denken. Wichtig ist hier zu sehen: Das Objekt in der Logik ist nicht selbst die Natur, sondern die begriffliche Bestimmung dessen, was wir denken, wenn wir Natur denken. Die Logik bleibt Selbstaufklärung des Denkens; sie wird nicht selbst Naturwissenschaft.
Im Objekt unterscheidet Hegel drei Stufen: Mechanismus, Chemismus und Teleologie (Mechanismus (optional) bis Teleologie (optional)). Hegel gibt für die drei Formen auch Beispiele aus dem Bereich des Geistes und deutet damit an, dass sie nicht auf die Natur beschränkt sind. Die systematische Durchführung dieses Gedankens — dass Mechanismus, Chemismus und Teleologie sich auf drei Ebenen wiederfinden, in der unbelebten Natur, im Leben und im Geist — ist eine Erweiterung über Hegels Text hinaus, die hier vorgeschlagen und im Folgenden durchgeführt wird. [KF] Hegel gibt für die Reihe ein Kriterium, das sich leicht behalten lässt: “Im chemismus und mechanismus ist zu viel Identisch, in der außerlichen Zweckmäßigkeit zu wenig; in der Idee ist das die Einheit.”[2] Gemeint ist das Maß der Identität zwischen Begriff und Gegenstand: Im Mechanismus und Chemismus ist der Begriff ganz in den Dingen und nirgends als er selbst zu finden; bei der äußeren Zweckmäßigkeit stehen Zweck und Material getrennt. Wer die drei Formen mit dieser Frage liest — zu viel Identität, zu wenig, oder gerade recht? —, hat den Leitfaden.
Zweite Natur
Mechanismus, Chemismus und Teleologie sind dabei nicht aufeinanderfolgende Stadien einer einlinigen Entwicklung, sondern Strukturformen, die in jedem entwickelten System gleichzeitig auftreten — wenn auch in jeder Ebene anders konkretisiert.
Der Mechanismus ist die einfachste Form: äußere Verbindungen von Dingen, die ihrer eigenen Bestimmung nach unverbunden sind. Was sie zusammenhält, ist nicht ihr inneres Wesen, sondern eine äußere Konstellation. Auf der Ebene der Natur: das Sonnensystem als Gravitationssystem, der Stoß zwischen zwei Körpern. Auf der Ebene des Lebens: die mechanischen Aspekte des Organismus — Knochen als Hebel, Blutgefäße als Röhren. Auf der Ebene des Geistes: bürokratische Strukturen, in denen Akten nebeneinander liegen; austauschbare Stellen in einer Verwaltung; “Humanressourcen”, die wie Zahnräder behandelt werden. In all diesen Fällen ist die charakteristische Form die Gleichgültigkeit — und sie ist genau zu fassen: Nicht dass die Glieder unbeeinflusst blieben (beim Stoß ändern beide Körper ihren Impuls), sondern dass die Beziehung ihre Bestimmtheit nicht konstituiert. Die Kugel ist nicht dadurch Kugel, dass sie gestoßen wird.
Der Chemismus geht einen Schritt weiter: Hier sind die verbundenen Dinge nicht gleichgültig gegeneinander, sondern aufeinander hin angelegt. Ihre eigenen Bestimmungen sind erst durch das Verhältnis zum anderen, was sie sind, und ihre Verbindung bringt etwas qualitativ Neues hervor. Auf der Ebene der Natur: Wasserstoff und Sauerstoff verbinden sich zu Wasser, das weder das eine noch das andere ist; Natrium und Chlor zu Kochsalz mit völlig neuen Eigenschaften — das ist Emergenz im strengen Sinn. Auf der Ebene des Lebens: die Affinität zwischen Enzym und Substrat; das Verhältnis von Eizelle und Spermium, das ein neues Wesen hervorbringt; die DNA, in der die komplementären Basen einander voraussetzen. Auf der Ebene des Geistes: das Verhältnis von Frage und Antwort, in dem beide einander erst zur Geltung bringen; das Verhältnis von Lehrer und Schüler, das beide verändert; die genuine Resonanz zwischen Gesprächspartnern, in der die Begegnung selbst mehr ist als die Beiträge, die jeder mitbrachte. Was den Chemismus auszeichnet, ist die Affinität — das Aufeinander-hin-Angelegtsein, das eine konstitutive Beziehung stiftet. Aber im Chemismus bleibt zufällig, ob die Verbindung tatsächlich zustande kommt: Die Stoffe müssen sich erst treffen, das Gespräch muss erst beginnen, der Katalysator muss erst da sein.
Die Teleologie hebt diese Zufälligkeit auf: Hier wird der Mechanismus und der Chemismus in einen Gesamtzusammenhang gebracht, der von einem Zweck bestimmt ist. Die Mittel werden nicht mehr zufällig zusammengebracht, sondern auf einen Zweck hin koordiniert. Eine Klarstellung gehört hierher, damit sich zwei Unterscheidungen nicht ineinander schieben. Der Schritt, auf den es ankommt, geht von der äußeren zur inneren Zweckmäßigkeit: In der Teleologie stehen Zweck und Material getrennt, im Leben ist der Zweck dem Gegenstand immanent. Ob dabei ein Bewusstsein im Spiel ist, ist logisch nicht entscheidend — ein Organismus muss seinen Zweck nicht wissen, um innerer Zweck zu sein. Erst auf der Ebene des Geistes tritt die reflektierte Zwecksetzung hinzu: der Mensch, der sich Zwecke setzt, die er prüft und ändert. Das ist eine dritte Stufe, nicht die Definition der ersten. Vgl. Teleologie. Die mechanische Bewegung gehört nicht hierher: Schwere, Druck und Stoß bestimmt Hegel ausdrücklich innerhalb des Mechanismus, nicht der Teleologie.
Im Geistlichen wirkt die Teleologie in drei Momenten, die für die Rechtsphilosophie tragend sind. Subjektiver Zweck: die Idee, die noch nicht verwirklicht ist — “Ich will ein Haus bauen”. Mittel: der Zweck objektiviert sich im Werkzeug, im Material, in den Verfahren — Ziegel, Werkzeuge, Arbeiter. Realisierter Zweck: die Idee und die Wirklichkeit kommen zusammen — das fertige Haus. Hegel hat eine wichtige Pointe über das Mittel: “der Pflug ist ehrenvoller, als unmittelbar die Genüsse sind, welche durch ihn bereitet werden und die Zwecke sind” (TWA 6, 453). Das Mittel ist dauerhafter als der einzelne realisierte Zweck — die Pflugschare überdauern die Ernten, die sie hervorbringen; das Werkzeug bewahrt den menschlichen Zweck über den einzelnen Gebrauch hinaus. Aber das Mittel hat seine eigene Widerständigkeit: Der Hammer hat sein Gewicht, das Holz seine Maserung, die Schraube ihre Norm. Das ist die Stelle, an der die Teleologie ihre dialektische Kehrseite zeigen kann: Was als Mittel dient, kann sich gegen den Zweck wenden — eine Möglichkeit, die in II.2 als Verkehrungsstruktur entwickelt wurde.
Die Teleologie der Begriffslogik ist die Form jedes intentionalen Handelns, in dem ein Subjekt mit einem Zweck Mittel auf Wirklichkeit anwendet. Aber dieser Zweck ist hier noch ein äußerer Zweck: Er kommt nicht aus dem Material selbst, sondern wird ihm vom Subjekt auferlegt. Erst die Idee bringt den inneren Zweck — den Zweck, der nicht vom außen aufgesetzt ist, sondern aus dem Material selbst kommt.
Die Idee schließlich ist die nächste Stufe, in der subjektiver Begriff und Objekt als Einheit gefasst werden. Hier wird der Zweck innerlich: Die Idee ist nicht ein äußerer Zweck, der einem fremden Material aufgezwungen wird, sondern ein Zusammenhang, in dem das Material seine eigene Bestimmung als seinen eigenen Zweck verfolgt.
3. Die Idee: Leben, Erkennen und Wollen, absolute Idee
Auch die Idee selbst hat drei Stufen.
Die erste ist das Leben. Ein lebendiger Organismus ist innerer Zweck im strengen Sinn: Seine Organe verstehen sich von sich selbst her, ihre Funktion ist nicht von außen aufgesetzt, sondern dem Lebendigen selbst eigen. Die Lunge ist da, um Luft zu atmen, das Herz, um Blut zu pumpen, der Magen, um Nahrung zu verdauen — und diese Zwecke sind nicht durch einen externen Konstrukteur gesetzt, sondern durch das Leben des Organismus selbst, das seine eigene Reproduktion zum Zweck hat.
Hegels Bestimmung des Lebens enthält drei strukturelle Momente, die für unsere Analyse tragend werden. Erstens die Selbstdifferenzierung: Das Lebendige gliedert sich von innen in unterschiedene Teile, die aufeinander bezogen sind und zusammen einen Organismus bilden. Zweitens die Selbsterhaltung in der Auseinandersetzung mit der Umwelt: Das Lebendige nimmt aus seiner Umwelt auf, was es braucht, scheidet aus, was es nicht braucht, behauptet sich gegen Bedrohungen — alles, ohne aufzuhören, es selbst zu sein. Drittens die Selbstaufhebung — in Die Idee des Lebens mit demselben Wort geführt: Das Lebendige reproduziert sich über sich hinaus, in der nächsten Generation, und überschreitet damit die Grenze des einzelnen Organismus zur Gattung. Diese drei Momente — Selbstdifferenzierung, Selbsterhaltung, Selbstaufhebung — bestimmen die Struktur des Lebendigen. Sie kehren in den Gestalten des Geistes wieder, sofern diese Lebensformen sind; sie sind aber nicht das Grundmodell der Idee überhaupt, denn die Idee umfasst auch Bestimmungen, die nicht lebensförmig sind. [KF]
Die zweite Stufe ist das Erkennen und Wollen — zunächst als logische Bestimmungen, nicht als Beschreibung eines menschlichen Bewusstseins. Erst in der Philosophie des Geistes treten diese Strukturen als menschliches Erkennen und bewusstes Wollen auf; die Beispiele illustrieren die logische Form, sie definieren sie nicht. [KF] Hier kommt zu den Strukturen des Lebens etwas hinzu, was im bloßen Leben nur implizit ist: das bewusste Setzen von Zwecken. Das Lebendige hat seinen Zweck (sich selbst zu reproduzieren) in sich, ohne ihn zu wissen; das Erkennen sieht, was dem Begriff entspricht und was nicht, und das Wollen ändert die Wirklichkeit entsprechend ab. Erkennen und Wollen sind also die Aufnahme der Lebensstrukturen in eine reflektierte Form: Selbstdifferenzierung wird zur bewussten Gliederung von Aufgaben und Funktionen, Selbsterhaltung wird zur bewussten Auseinandersetzung mit Umwelt und Bedingungen, Selbstaufhebung wird zur bewussten Bildung der nächsten Generation und zur bewussten Veränderung der eigenen Lebensformen.
Die dritte Stufe ist die absolute Idee. Sie ist nicht eine zusätzliche Sphäre neben Leben und Erkennen-Wollen, sondern die Selbsterkenntnis der Methode: Hier wird sich das Denken der eigenen Bewegungsformen bewusst, die in den vorhergehenden Stufen schon wirksam waren — Selbstbeziehung, Differenzierung, Aufhebung der Einseitigkeiten, Anerkennung der eigenen Grenzen. Die absolute Idee bringt nichts substantiell Neues an Inhalt; sie ist die Reflexion auf die Form, in der sich Inhalt überhaupt erschließt.
Absolut heißt dabei nicht allmächtig oder perfekt, sondern ab-solutus — nicht durch anderes begrenzt. Diese Absolutheit ist selbst begrenzt: Sie gilt nur innerhalb der Sphäre der reinen Logik. Die absolute Idee erkennt vollständig, was Denken ist; sie erkennt aber noch nicht das Andere des Denkens — Natur, Geschichte, konkrete Erfahrung. Diese müssen in der Realphilosophie untersucht werden, deren erster Teil die Naturphilosophie und deren zweiter Teil die Geistesphilosophie (mit subjektivem, objektivem und absolutem Geist) ist.
Die Struktur der absoluten Idee als Methode ist zirkulär, aber nicht statisch: Anfang (unmittelbare Einheit — Leben), Entwicklung durch innere Mängel (reflektierte Entzweiung — Erkennen und Wollen), Resultat als bereicherte Einheit (begriffene Methode — absolute Idee). Jede Rückkehr zum Anfang ist durch den durchlaufenen Prozess bereichert. Das ist, was Hegel die “wahrhafte Unendlichkeit” nennt — der Prozess, der nicht endlos in immer Neues fortschreitet, sondern zu sich zurückkehrt, indem er sich als Prozess begreift. (Die in der Literatur verbreitete Gegenformel “gute Unendlichkeit” ist nicht Hegels Wort; er setzt der schlechten durchgehend die wahrhafte Unendlichkeit entgegen.)
4. Logik, Natur, Geist — eine wichtige Klärung
Eine Klärung ist hier wichtig, die ein häufiges Missverständnis vermeidet. Das Objekt und die Idee in der Logik sind nicht selbst die Natur und der Geist. Sie sind die begriffliche Form dessen, wie wir Natur und Geist denken, wenn wir sie als Objekt oder als Idee fassen. Die Logik bleibt Selbstaufklärung des Denkens; sie tritt nicht selbst aus sich heraus.
Die häufige Formel, die Natur sei “das Andere der Logik” oder “das Andere der Idee”, ist daher nicht ganz präzise. Die Idee ist als logische Form bereits in der Natur enthalten — die Natur folgt Strukturen, die wir denkend rekonstruieren können, sie hat ihre eigenen Mechanismen und Chemismen, und in lebendigen Wesen entfaltet sie eine teleologische Struktur, die die Form der Idee hat. Aber die Natur weiß nichts davon. Sie ist Idee, sie ist sich aber nicht als Idee. Der Stein fällt, ohne zu wissen, dass er fällt; das Tier reproduziert sich, ohne zu wissen, dass es sich reproduziert.
Erst im Leben tritt die Idee in eine erste Form auf, in der sie etwas mehr ist als bloße logische Struktur — sie ist da als selbsterhaltender, selbsttranszendierender Zusammenhang, der seinen Zweck in sich hat. Aber selbst hier weiß das Lebendige seinen Zweck nicht; es vollzieht ihn nur. Erst im menschlichen Geist, der aus der Natur (genauer: aus dem Leben) hervorgegangen ist, erscheint die Idee in ihrer reflektierten Form: als Erkennen, das die Strukturen erfasst, und als Wollen, das sie nach erkannten Zwecken umgestaltet.
Der Mensch ist daher in einem doppelten Sinn bestimmt. Einerseits ist er Teil der Natur — ein lebendiges Wesen mit allen Strukturen des Lebens. Andererseits ist sein Wesen die Logik selbst: Er denkt, und in seinem Denken folgt er den Strukturen, die die Logik aufgedeckt hat. Sein Erkennen und sein Wollen sind die menschliche Form dessen, was die Logik als die zwei Momente der Idee unterscheidet.
Für unsere Analyse menschlichen Handelns, sozialer Institutionen und politischer Form sind daher drei Kategorien der Logik besonders relevant: die Teleologie (die Form intentionalen Handelns überhaupt), das Leben (die Strukturen, in denen sich gesellschaftliche Reproduktion vollzieht), und das Erkennen und Wollen (die reflektierte Form, in der Menschen ihre Lebensformen bewusst gestalten). Diese drei Kategorien werden uns durch die ganze Rechtsphilosophie hindurch begleiten.