Was bleibt vom marxistischen Hegel?

Dieser Text ist eine Vorschau auf Geschichte der Hegelrezeption, Band II, der 2026 bei Reflexivity Press erscheint.

Der Zusammenbruch des Ostblocks diskreditierte den Staatssozialismus – nicht notwendig den Marxismus als Denkform. Die Frage ist: Was bleibt?

Die Kritik am Kapitalismus bleibt aktuell. Die Finanzkrise von 2008, die wachsende Ungleichheit, die ökologische Zerstörung – all das bestätigt, was Marx und die marxistischen Hegelianer gesagt hatten: Der Kapitalismus hat systemische Widersprüche, die er nicht lösen kann. Dass der Staatssozialismus keine Lösung war, heißt nicht, dass es keine Probleme gibt.

Die Dialektik als Methode bleibt produktiv. Nicht als Dogma (These-Antithese-Synthese), aber als Aufmerksamkeit für Widersprüche, für unbeabsichtigte Folgen, für die Negativität, die in jeder Position steckt. Ilyenkov, die Praxis-Gruppe, die Budapester Schule – ihre methodischen Einsichten überleben den Zusammenbruch ihrer politischen Hoffnungen.

Die Frage nach Entfremdung bleibt drängend. Der spätkapitalistische Konsumismus, die digitale Vereinzelung, die Sinnkrise der westlichen Gesellschaften – all das lässt sich mit den Kategorien beschreiben, die der junge Marx (und durch ihn Hegel) entwickelt hat. Dass der Realsozialismus die Entfremdung nicht überwunden, sondern neue Formen geschaffen hat, diskreditiert die Diagnose nicht – nur eine bestimmte Therapie.