Von links - progressive Dogmatismen
Dieser Text ist eine Vorschau auf Geschichte der Hegelrezeption, Band I, der 2026 bei Reflexivity Press erscheint.
Auch progressive Kräfte können faschistische Muster reproduzieren - oft im Namen der besten Absichten:
Denk- und Sprechverbote im Namen der Toleranz:
- „Keine Toleranz für Intoleranz“ - ohne Selbstanwendung
- Cancel Culture und soziale Ächtung statt Argumentation
- Sprachpolizei und Trigger-Warnungen bis zur Absurdität
- Negiert: Anerkennung (Gegner sind nicht diskurswürdig), dialektische Bewegung (keine Vermittlung verschiedener Perspektiven)
Identitätspolitik als neue Rassenlogik:
- Reduktion von Menschen auf Gruppenzugehörigkeit
- „Standpunkt-Epistemologie“ - Die These, dass nur Betroffene Wissen über ihre Unterdrückung haben können und daher nur Betroffene sprechen dürfen
- Moralische Hierarchisierung nach Opferstatus
- Negiert: Anerkennung (nicht alle werden als Vernunftwesen anerkannt), Selbstanwendung (eigene Vorurteile werden nicht reflektiert)
Moralischer Absolutismus:
- Einteilung in „die Guten“ und „die Bösen“
- Kontaktschuld und Sippenhaft
- Keine Vergebung, keine Rehabilitation möglich
- Negiert: Aufhebung (keine Versöhnung), Anerkennung (Fehler machen Menschen zu Unpersonen)
“Gute Diktatur“ - Fantasien:
- „Für das Klima brauchen wir eine Ökodiktatur“
- „Für soziale Gerechtigkeit brauchen wir einen starken Staat“
- Zweck heiligt die Mittel
- Negiert: Alle Grundoperationen im Namen eines höheren Zwecks
Die Gefahr ist besonders tückisch, weil die Anliegen berechtigt sind: Klimaschutz ist notwendig, soziale Gerechtigkeit ist wichtig, Diskriminierung muss bekämpft werden. Aber die Methoden können faschistisch werden - und dann erreicht man nicht das Gute, sondern das Gegenteil.