Die Neue Musik - Schönberg und die Zwölftontechnik
Dieser Text ist eine Vorschau auf Geschichte der Hegelrezeption, Band I, der 2026 bei Reflexivity Press erscheint.
Arnold Schönberg (1874-1951) vollzog in den 1920er Jahren den Übergang von der „freien Atonalität“ zur Zwölftontechnik - einem streng rationalen Kompositionssystem, das alle zwölf Töne der chromatischen Skala gleichberechtigt verwendet.
Die systematische Grundidee: Die Zwölftontechnik war ein Versuch, nach dem „Ende der Tonalität“ ein neues Ordnungsprinzip zu finden. Die traditionelle Harmonielehre - mit ihren Spannungen und Auflösungen, ihren Kadenzen und Modulationen - hatte sich erschöpft. Schönberg suchte eine neue Rationalität, die nicht auf die Hierarchie der Tonarten angewiesen war.
Die Parallele zu Hegel: Schönbergs Kompositionstechnik war zugleich Konstruktion und Ausdruck. Die Reihe - die Grundreihe der zwölf Töne - bestimmt das gesamte Werk, aber sie bestimmt es nicht mechanisch. Der Komponist entwickelt die Reihe, variiert sie, kehrt sie um, spiegelt sie - er entfaltet ihre Möglichkeiten. Diese dialektische Struktur - die Einheit von Freiheit und Notwendigkeit - ist hegelianisch, auch wenn Schönberg selbst kein Hegelianer war.
Adornos Deutung: Theodor W. Adorno, selbst Komponist und Schönberg-Schüler, interpretierte die Neue Musik als Ausdruck der gesellschaftlichen Situation. Die Dissonanz, die nicht mehr aufgelöst wird, ist Wahrheit - sie spiegelt eine Gesellschaft, die nicht mehr harmonisch ist. Die Zwölftontechnik ist „Rationalisierung des Irrationalen“ - der Versuch, dem Chaos Form zu geben, ohne es zu verharmlosen.