Die Emigration und die Rettung des Erbes

Dieser Text ist eine Vorschau auf Geschichte der Hegelrezeption, Band I, der 2026 bei Reflexivity Press erscheint.

Die Vertreibung der deutschen Intelligenz nach 1933 hatte paradoxe Folgen. Die deutschen Philosophen, Künstler, Wissenschaftler trugen ihre Ideen in die Welt - nach Paris, London, New York. Die „deutsche Philosophie“ wurde international, gerade weil Deutschland sie vertrieb.

Die Frankfurter Schule emigrierte nach New York. Horkheimer, Adorno, Marcuse, Löwenthal arbeiteten am Institut für Sozialforschung in Morningside Heights weiter. Die „Dialektik der Aufklärung“ entstand im kalifornischen Exil - ein deutsches Buch, geschrieben in Amerika, über die europäische Katastrophe.

Das Bauhaus wurde zur „New Bauhaus“ in Chicago (später Institute of Design). Gropius, Mies van der Rohe, Moholy-Nagy prägten die amerikanische Architektur und das Design. Die Bauhaus-Ästhetik wurde globaler Standard - ironischerweise gerade weil sie in Deutschland verboten war.

Die Zwölftontechnik wurde in Amerika weiterentwickelt. Schönberg lebte ab 1933 in Los Angeles, lehrte an der UCLA. Seine Schüler - besonders Milton Babbitt - radikalisierten die Technik zum „Serialismus“. Die europäische Avantgarde wurde amerikanische Akademie.