Kommentar zur Naturphilosophie, Kapitel 28
Pflanze und Tier
Die drei Lebensprozesse — Gestaltung, Assimilation, Gattungsprozess — sind das Gerüst beider Stufen; logisch entwickelt sind sie in Die Idee des Lebens (optional) als Selbstdifferenzierung, Selbsterhaltung und Selbstaufhebung. Sie unterscheiden sich darin, wie weit die Momente auseinandergetreten sind.
Bei der Pflanze fallen sie zusammen. Indem sie sich gestaltet, vervielfältigt sie zugleich das Individuum: Ein Ableger ist ein neues Exemplar. „In der Pflanze sind diese drei Prozesse des einen Lebensprozesses einfacher Natur“, und „das subjektive Eins ist versenkt in die Qualität“.[1]
Beim Tier treten sie auseinander. Es hat Organe, die verschiedene Prozesse tragen; es bewegt sich zu dem hin, was es assimiliert; und der Gattungsprozess ist ein eigener Akt, nicht ein Nebenprodukt des Wachstums.
Das ist sein eigenes Kriterium in Anwendung, und es gilt für jede Übertragung: Zu fragen ist, ob die Momente vorliegen und ob sie unterschieden sind. [KF]
Ein Fehler, den beide Lager teilen. Stekeler schreibt: „ohne Flora keine Fauna“ — und Winfield macht daraus sogar eine notwendige Reihenfolge der Evolution. Als ökologische Kurzformel für die Abhängigkeit heterotropher Organismen von Primärproduzenten ist der Satz verständlich. Phylogenetisch ist er falsch: Tiere stammen nicht von Pflanzen ab, sie stehen den Pilzen näher, und beide Linien gehen auf einzellige Vorfahren zurück. Primärproduktion kann zudem durch Bakterien und Archaeen erfolgen.
Die Reihenfolge Pflanze — Tier ist eine Ordnung nach zunehmender Zentralisierung, keine Abstammungsfolge. Wer sie in eine Naturgeschichte zurückübersetzt, macht aus einer begrifflichen Ordnung eine falsche Behauptung — und das ist derselbe Fehlertyp, den Hegel bei § 249 vermeidet. [KF]
Vorlesungen über die Philosophie der Natur, zu § 267: GW 24.1. ↩︎