Kommentar zur Naturphilosophie, Kapitel 33
Ein Muster, das sich wiederholt
Vergleicht man die drei Abteilungen nach ihrer Haltbarkeit, zeigt sich etwas, das sich auch anderswo bei Hegel findet: Der mittlere Teil ist der veränderlichste.
Die Mechanik hat überlebt, weil sie einfach ist — sie behandelt das Auseinander in seiner ärmsten Form, und daran ändert keine Entdeckung etwas. Die Organik hat überlebt, weil sie anschaulich ist — der Unterschied zwischen Pflanze und Tier lässt sich an jedem Exemplar nachvollziehen. Die Physik dazwischen hat am meisten gelitten, weil sie an Befunden hängt, die sich geändert haben, und weil sie am weitesten ausdifferenzierbar ist.
Dasselbe Muster zeigt die Logik im Vergleich ihrer Fassungen: Anfang und Ende stehen fest — Sein, Nichts, Werden dort, die Idee hier —, gewachsen ist die Mitte. Die Nürnberger Logik von 1808/09 kommt mit 81 Paragraphen aus, die Enzyklopädie von 1830 braucht für dieselbe Strecke gut zweihundert.
Und im System als ganzem steht die Natur in der Mitte, zwischen Logik und Geist — und ist der Teil, der am schlechtesten gealtert ist.
Das folgt aus der Anlage. Anfang und Ende sind durch ihre Stellung bestimmt: Der Anfang ist das Ärmste, das Ende das Vollständigste. Die Mitte ist dasjenige, was zwischen beiden zu durchlaufen ist — und wie fein man das gliedert, hängt daran, wie viel man weiß. Wer mehr sieht, schiebt Zwischenschritte ein. [KF]
Was daraus folgt, ist eine Leseregel: Wo eine Darstellung sich zwischen den Fassungen ändert, ist zuerst zu fragen, ob eine andere Ordnung vorliegt oder eine feinere. Meist ist es die feinere.