Kommentar zur Rechtsphilosophie, Kapitel 25
Warum hier kein Schlusssystem steht
Es liegt nahe, die drei Sphären als Schlusssystem zu fassen. Hegel selbst fasst so den Staat: Er sei “ein System von drei Schlüssen” (Enz. Bd. 1, § 198 Anm.), gebildet aus der Person, ihren Bedürfnissen, “was weiter für sich ausgebildet die bürgerliche Gesellschaft gibt”, und dem Allgemeinen. Jedes der Momente — der Einzelne, die Wirtschaft, der Staat — könnte einmal die Mitte bilden, und die Figur, in der die Wirtschaft sich des Staates bedient, um die Individuen in Anspruch zu nehmen, sähe aus wie eine Diagnose der Verkehrung.
Dieser Band verzichtet darauf, und zwar aus einem Grund, der die Methode betrifft. Die Arbeit ist getan, bevor die Figuren beginnen: Wer die drei Glieder wählt, hat die Analyse schon gemacht. Warum Bürger, Wirtschaft und Staat — und nicht die Dreiheit, in die Hegel die Sittlichkeit gliedert, Familie, bürgerliche Gesellschaft und Staat? Warum nicht Bedürfnisse, Produktion und Verteilung? Jede Aufteilung ergibt andere Figuren, alle sind formal korrekt, und keine begründet, warum gerade die Wirtschaft vermittelt und nicht der Staat. Die Figur stellt eine Behauptung dar; sie stützt sie nicht.
Was die Verkehrung wirklich fassen lässt, ist der Zweck-Mittel-Zusammenhang — weil er einen Maßstab hat: Ein Mittel lässt sich daran messen, ob es für seinen Zweck taugt. Kap. 12 hat ihn entwickelt, und die Sittlichkeitsanalyse arbeitet damit, nicht mit Schlussfiguren (Hegels Logik, 11.9a). Ganz leer ist die Figur nicht: Dass jedes Moment einmal die Mitte bildet, zeigt, dass keines bloß Mitte ist — ob sie auf eine Sache passt, muss sich aber an der Sache zeigen. [KF]