Kommentar zur Naturphilosophie, Kapitel 18

Was dem Mechanismus fehlt — der Stein vom Dach

Die Fehler sind gezählt; die Frage, worauf die ganze Abteilung hinauswill, ist damit nicht beantwortet. Sie lautet, was dem Mechanismus fehlt — und Hegel hat den Unterschied zwischen Mechanismus und Zweck 1817 an einem Bild festgemacht, das ihn entscheidet: „Der Mechanismus bringt auch etwas hervor aber nicht als Zwek sondern als blinder Zufall, sein Anfang ist nicht der Anfang und der Grund dieser Thätigkeit, z. B. wenn der Stein vom Dach fallend jemanden erschlägt.“[1] Dieselbe Nachschrift steht in Hegels Logik, 13.4a beim Mechanismus und in Das Unrecht und seine Aufhebung bei der Strafe.

Der Stein bringt einen Toten hervor, aber es liegt nichts in seinem Fallen, das darauf gerichtet wäre. Genau das ist die Gleichgültigkeit, um die es in der Mechanik geht: Die Wirkung tritt ein, ohne dass der Anfang sie gemeint hätte. Für die Himmelskörper, bei denen die Mechanik endet, gibt das Kolleg von 1825 die Entsprechung: „Im Mechanismus ist es nur der innre Zusammenhang; daß die himmlischen Körper systematische sind, ist nur an sich in ihnen, existirt nicht frei für sich.“[2] Das Sonnensystem ist ein System, aber für keinen seiner Körper.

Das Bild ist für die ganze Abteilung brauchbar. Wo immer in der Naturphilosophie gefragt wird, ob eine Ordnung aus der Sache kommt, ist dies der Gegenfall: eine Ordnung, die sich einstellt, ohne dass etwas sie anstrebt.


  1. Ebd., Nachschrift Good, Kolleg 1817: GW 23.1, S. 135. ↩︎

  2. Vorlesungen über die Wissenschaft der Logik, Nachschrift Kehler, Kolleg 1825: GW 23.1, S. 396. ↩︎