Kommentar zur Naturphilosophie, Kapitel 6

Was die Logik liefert

Aus der Seinslogik: Qualität, Quantität, Maß. Die Naturphilosophie beginnt nicht mit der Objektivität, sondern früher. Raum und Zeit sind Bestimmungen der reinen Äußerlichkeit, und was Hegel an ihnen entwickelt, hat sein logisches Gegenstück in der Quantität: Kontinuität und Diskretion, Punkt und Ausdehnung, die Frage, ob sich ein Kontinuum aus Punkten zusammensetzen lässt.

Wichtiger noch ist das Maß — die Einheit von Qualität und Quantität — für die Physik. Hegels Knotenlinie der Maßverhältnisse (Enzyklopädie Bd. 1, §§ 108–111) sagt, dass quantitative Änderung an bestimmten Stellen in qualitative umschlägt: Wasser wird bei hundert Grad zu Dampf, nicht allmählich, sondern an einem Punkt. Genau das ist die Struktur, die der Physik-Teil an den Aggregatzuständen, an der spezifischen Schwere und an den chemischen Verbindungsverhältnissen wiederfindet.

Entwickelt in Die Quantität und Das Maß (optional).

Aus der Begriffslogik: die drei Formen der Objektivität.

Drei Formen der Objektivität: Mechanismus, Chemismus, Teleologie. Sie sind keine drei Sorten von Dingen, sondern drei Weisen, in denen Bestimmungen zusammenhängen.

Im Mechanismus sind die Glieder gleichgültig gegeneinander — und gleichgültig heißt nicht unbeeinflusst, sondern: Die Beziehung konstituiert ihre Bestimmtheit nicht. Die Kugel ist nicht dadurch Kugel, dass sie gestoßen wird.

Im Chemismus ist es umgekehrt: Was ein Glied ist, zeigt sich nur in der Beziehung. Eine Säurebestimmung ist ohne Bezug auf ein Gegenüber nicht anzugeben.

In der Teleologie steht ein Zweck dem Material gegenüber und bleibt ihm äußerlich.

Und dann die Idee des Lebens — die für die Naturphilosophie wichtigste Bestimmung, weil die ganze dritte Abteilung an ihr hängt. Hier ist der Zweck dem Gegenstand immanent: Die Organe sind nicht Mittel, die verbraucht werden, sondern Momente, die den Zusammenhang erhalten, der sie erhält.

Hegel entwickelt daran drei Prozesse, und sie sind das Gerüst der ganzen Organik:

Selbstdifferenzierung — der Organismus gliedert sich innerlich, und die Glieder sind nur durch das Ganze, was sie sind. Hegel selbst gebraucht dafür die Begriffe der Physiologie seiner Zeit — Sensibilität, Irritabilität, Reproduktion —, die auf Albrecht von Haller und John Brown zurückgehen und heute sperrig sind. Was sie bezeichnen, lässt sich aber ohne sie sagen: Empfinden, Reagieren, Sich-Erneuern.

Selbsterhaltung — er setzt sich mit einer Umwelt auseinander und behauptet sich darin.

Selbstaufhebung — er geht über sich hinaus, im Gattungsprozess. Das Einzelne vergeht, der Zusammenhang besteht fort.

Wichtig für die Lektüre der Naturphilosophie ist dabei die Unterscheidung, die in der Logik getroffen wird: Ob ein Bewusstsein im Spiel ist, entscheidet den Übergang von der Teleologie zum Leben nicht. Ein Organismus muss seinen Zweck nicht wissen, um innerer Zweck zu sein — das Wissen kommt erst im Geist hinzu. Wer die Stufen über das Bewusstsein trennt, verfehlt den Schritt, um den es geht.

Entwickelt ist das in Die Idee des Lebens bis Erkennen und Wollen (optional), einschließlich der Frage, woran man erkennt, ob sich die Struktur auf einen Gegenstand übertragen lässt.

Ein Kriterium, das die ganze Stufung ordnet. Hegel gibt es im Kolleg von 1825, und es lässt sich leicht behalten: „Im chemismus und mechanismus ist zu viel Identisch, in der außerlichen Zweckmäßigkeit zu wenig; in der Idee ist das die Einheit.“[1] Gemeint ist das Maß der Identität zwischen Begriff und Gegenstand — im Mechanismus und Chemismus ist der Begriff, wie er sagt, „versenkt in die Objectivität, aber nicht für sich“; bei der äußeren Zweckmäßigkeit stehen Zweck und Material getrennt.

Wer die drei Abteilungen der Naturphilosophie mit dieser Frage liest — zu viel Identität, zu wenig, oder gerade recht? —, hat den Leitfaden.

Entwickelt ist das in Mechanismus bis Die Idee des Lebens (optional).


  1. Vorlesungen über die Wissenschaft der Logik, Nachschrift Kehler, Kolleg 1825: GW 23.1, S. 397. ↩︎