Kommentar zur Naturphilosophie, Kapitel 7
Was die Logik leistet und was nicht
Die Trennung lässt sich in zwei Listen fassen, und sie ist für den ganzen Band die Arbeitsgrundlage.
Was die Logik gibt, sind Strukturbedingungen: Selbstbeziehung — nicht bloß Für-Anderes-Sein; Selbstdifferenzierung — innere Gliederung, die Einheit bleibt; Selbsterhaltung — aktive Auseinandersetzung mit Umwelt; Selbstaufhebung — Erzeugung von Neuem aus sich.
Diese Bedingungen gelten für jedes mögliche Leben, nicht nur für das irdische, kohlenstoffbasierte.
Was die Logik nicht gibt: welche chemischen Elemente Leben braucht, wie die Vererbung funktioniert, welche Arten es gibt, wie Evolution abläuft, wie lange ein Organismus lebt. Das sind empirische Fragen.
Und daraus die Regel für die Lektüre dieses Bandes. Hegel selbst vermischt beides an manchen Stellen; seine Naturphilosophie enthält empirische Behauptungen, die heute überholt sind. Aber die logische Struktur ist davon unabhängig — und deshalb lässt sich Hegels Logik gebrauchen, um seine Naturphilosophie zu korrigieren.
Wie die Logik als Heuristik arbeitet, zeigt der Unterschied zweier Satzformen. Nicht: „Es muss 92 Elemente geben“ — das wäre Logizismus. Sondern: „Die Elemente lassen sich nach dem Prinzip des qualitativen Maßes ordnen.“
Die Logik gibt Leitfragen, keine Vorhersagen: Welche Art von Selbstdifferenzierung zeigt dieses System? Wie erhält es sich? Wie entwickelt es sich über Generationen? [KF]