Kommentar zum subjektiven Geist, Kapitel 29

Dasselbe dreimal: die Wendeltreppe des Wollens

Hegel warnt am Anfang, dass in der Psychologie alles ineinander verschachtelt sei. Ein Beispiel dafür zeigt, wie die drei Teile des subjektiven Geistes zusammenhängen — und es ist das Wollen.

In der Anthropologie erscheint es als Naturtrieb: Was einer will, hat er, wie er sein Temperament hat. Es ist ein Zustand, den er vorfindet, und er verhält sich zu ihm — oder verfällt ihm (§ 408).

In der Phänomenologie erscheint es als Begierde (§§ 426–429). Jetzt ist es auf einen Gegenstand gerichtet, und das Bewusstsein weiß darum — aber es weiß nur, dass es begehrt, nicht warum. Der Gegenstand wird verzehrt, der Mangel kehrt wieder.

In der Psychologie erscheint es als Wille, der sich Zwecke setzt (§§ 469 ff.). Hier ist der Inhalt nicht mehr vorgefunden, sondern bestimmt — und das Wollen wird teleologisch: Der Geist verhält sich zu den Dingen als zu Mitteln für Zwecke, die er sich gibt.

Was sich dabei ändert, ist nicht der Gegenstand, sondern die Form des Verhältnisses: erleidenwissen, dassbestimmen, was.

Dieselbe Figur ließe sich für das Fühlen zeigen (Empfindung — Selbstgefühl — praktisches Gefühl) und für das Erkennen (Erwachen — Wahrnehmung — Denken). Das ist gemeint, wenn Hegel sagt, es sei alles ineinander verschachtelt: Es sind nicht Themen, die mehrfach vorkommen, sondern dieselbe Sache auf drei Stufen ihrer Aneignung. [KF]

I.6 Was bleibt